Odenwälder Sitzbänke für neues Fußballstadion in Bosnien: Mitarbeiter der Firma Monnheimer unterstützen Bau in ihrer Heimatstadt Hrustovo

Wenn sich nächstes Jahr im dann fertiggestellten Fußball-Stadion des bosnischen Ortes Hrustovo Zuschauer auf die neuen Holzbänke setzen, können sich die zahlreichen Mitglieder der Familie Kukavica auf die Schultern klopfen: Denn ihrer Initiative und der Unterstützung des Holzwerks Monnheimer ist es zu verdanken, dass der kleine Ort bei Sanski Most überhaupt wieder eine Spielmöglichkeit hat.

Zehn Sitzbänke aus heimischem Nadelholz à vier Meter mit Sitzgelegenheiten für zusammen 100 Personen gehen zusammen mit dem alten Kunstrasen des Wald-Michelbacher Eintracht-Platzes demnächst von Grasellenbach per Lkw auf die 1000 Kilometer weite Reise nach Bosnien. „Ein Viertel meiner Belegschaft von knapp 40 Mann kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien“, erläuterte Firmenchef Michael Monnheimer. Diese zehn hätten schon seit je her enge Verbindungen zu den Verwandten in der Heimat und besuchten sie regelmäßig.

Vor 25 Jahren, so Monnheimer, „waren diese Menschen ebenfalls Kriegsflüchtlinge und haben bei uns spontan Arbeit und Hilfe bekommen“. Sie hätten sich im Überwald eine Existenz aufgebaut, „aber niemals ihre Heimat vergessen“. Die jeweiligen Gemeinden würden von Deutschland aus mit Geld- oder Sachspenden unterstützt. Es sei „schön, dass sich hier ein Kreis schließt“, sagte er – dass Menschen, „die hier eine zweite Heimat gefunden haben“, die in der alten Heimat nicht vergäßen.

„Wir hatten zuhause in Hrustovo die Idee, ein neues Stadion zu bauen“, erklärte Monnheimer-Mitarbeiter Rifet Kukavica, der mit seinen Brüdern und Cousins bei der Aktion federführend ist. Aus Wald-Michelbach habe man erfahren, dass der alte Kunstrasen ausgetauscht werde. Von der Eintracht habe man diesen erwerben können. Zusammen mit den Bänken soll er – derzeit auf dem Gelände des Holzwerks gelagert – nach Bosnien transportiert werden.

„Vor dem Krieg gab es schon einmal ein Fußballstadion“, erläuterte Kukavica. Das neue soll nun neben einem Kunstrasen-Kleinspielfeld auch Kabinen, Dusche, eine kleine Halle – und eben Sitzbänke – erhalten. Die Kosten schätzt er auf ungefähr 200.000 Euro. Davon habe man inzwischen etwa die Hälfte beisammen. „Wir sind über 500 Helfer“ – bei einem Ort von noch 1500 Einwohner. Das rührt laut dem Bosnier daher, dass viele Einwohner in den Kriegsunruhen flüchteten – so kommt Hilfe jetzt aus vielen europäischen Ländern und sogar den USA.

Denn, wie Kukavica betonte, „die Verbindung zur Heimat ist stark“. Er selbst sei dieses Jahr schon drei Mal dort gewesen, Brüder oder Cousins regelmäßig ein bis zwei Mal. „Wenn wir Urlaub haben, packen wir selbst mit an“, brächten sie sich alle mit ein. „Jeder gibt Geld dazu“ und unterstütze damit die Verwandten und Bekannten in Bosnien.

Hrustovo sei ein fußballverrückter Ort, lachte Rifet Kukavica. Die Gemeinde habe einige Talente hervorgebracht. So Haris Seferovic, der bei Eintracht Frankfurt kicke. Dessen Familie sei damals in die Schweiz gekommen und dieser dort geboren. Aber auch zu Inter Mailand oder NK Maribor in Slowenien verschlug es Ballkünstler aus dem kleinen Dorf. Die im Überwald heimischen treffen sich ebenfalls regelmäßig, um als „Alte Herren“ dem Ball nachzujagen.

Um Geld für das neue Stadion zu sammeln, organisierten die Bosnier bereits ein Fußball-Hobbyturnier in Wald-Michelbach zusammen mit traditioneller bosnischer Musik im Anschluss. Neben den fünf Aktiven aus Hrustovo selbst helfen weitere Monnheimer-Angestellte aus den umliegenden Orten mit. Dank der organisatorischen Unterstützung durch die Firma sei es auch möglich gewesen, eine Gummimatte als Basis für den Kunstrasen zu kaufen und den Transport auf die Reise zu bringen. Die Helfer haben sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: „Am 30. Juli 2016 wollen wir das neue Stadion mit einem Turnier einweihen“, sagte Rifet Kukavica.

Die große Verbundenheit seiner Mitarbeiter mit der Firma betonte Michael Monnheimer. „Uns gibt es jetzt seit 60 Jahren“, sagte er, und seit über 25 Jahren seien die Angestellten aus Bosnien mit an Bord. Die jetzt gefertigten Bänke „gibt es in dieser Form schon seit 1959“. Die ersten seien an die Stadt Frankfurt geliefert worden. 1989, 30 Jahre nach der ersten, habe man mit 9,89 Metern „die längste Bank aus einem Stamm gebaut“. Die sei damals den Kindern gespendet worden und stehe heute immer noch am Spielplatz Tannwald Neu-Isenburg.

Advertisements