Wanderer trotzten den widrigen Wetterverhältnissen: Knapp 60 Teilnehmer beim vierten Überwälder Wandertag

Das war ein Wandertag für Hartgesottene: Bei Temperaturen um die vier Grad, leichtem Nebel-Nieseln und einer Kälte, die in die Knochen kroch, machten sich gestern knapp 60 Unerschrockene an der alla-hopp!-Anlage auf, um auf drei Strecken die Region zu erkunden. Zum vierten Mal fand der Überwalder Wandertag statt, diesmal rund um Hardberg, Hohberg, Hilsenhain und Eiterbachtal auf sieben, zehn oder zwölf Kilometern.

Seinen Ursprung nahm der Wandertag bei der gemeinsamen 1000-Jahr-Feier von Siedelsbrunn, Abtsteinach und Schönmattenwag im Jahr 2012. Nach weiteren Stationen in Hammelbach und Affolterbach war dieses Jahr Unter-Abtsteinach dran, nächstes Jahr soll er in einem Grasellenbacher Ortsteil stattfinden. Aufgrund des guten Wetters im vergangenen Jahr war damals um einiges mehr los als im gestrigen Hochnebel.

Die Touren wurden von den Wanderführern selbst ausgesucht. Theo Reichert machte sich mit Geopark-vor-Ort-Begleiter Jürgen Johann auf die zwölf Kilometer lange „Hardbergroute“. Am Aussichtspunkt „Steinerne Bank“ vorbei mit – bei schönem Wetter – tollem Blick ins Eiterbachtal ging es über den höchsten Gipfel des Überwaldes (593 Meter Höhe). Gerade mal drei andere Wanderer wollten sich aber auf diese längste Tour begeben. Motto: Nur die Harten kommen auf den Hardberg.

Den meisten Zuspruch hatte Bürgermeister Rolf Reinhard mit seiner „Grenzwanderung“, von ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder auch scherzhaft als „Wanderung zu den Wurzeln der Familie Reinhard“ bezeichnet. Er nahm die Wanderer mit nach Hilsenhain und hinauf Richtung Stiefelhöhe (584 Meter). Auf dieser gut zehn Kilometer langen Tour wären bei klarer Witterung Aussichten in den Süden möglich gewesen.

Trudl Wittmann und Christine Röder waren mit ihrer Gruppe „Vom Granit in den Sandstein“ unterwegs. Auf sieben Kilometern ging es um Unter-Abtsteinach herum. Vom Hohberg führte die Strecke zum Hardberg, wo allerdings an diesem Tag der sonst beeindruckende Weitblick in die Rheinebene ein frommer Wunsch blieb. Allen drei Wandergruppen war gemein, dass sie ihren Abschluss in der Mehrzweckhalle fanden. Dort wartete dann, gab Reinhard als Anreiz schon vor dem Start bekannt, eine deftige Erbsensuppe auf die Weitgewanderten. Die Soma-Fußballer der SG Unter-Abtsteinach kümmerten sich um das leibliche Wohl der Gäste.

Der Bürgermeister bezeichnete den Wandertag in seiner Begrüßung als „Ergebnis intensiver Zusammenarbeit der Überwald-Gemeinden“. Sowieso, betonte er, sei der Odenwald ein immer beliebteres Wanderziel und rangiere inzwischen ganz vorn beim Zuspruch der Aktiven. Was Kornelia Horn von der Odenwald-Tourismus GmbH nur unterstreichen konnte.

„Panorama- und Steinbruchweg sind zwei vom Odenwaldklub zertifizierte Qualitätswanderwege auf der Gemarkung“, unterstrich sie. Um dieses besondere Naturerlebnis zu gestalten, habe es in den vergangenen fünf Jahren „einen sehr intensiven Prozess“ gegeben. Denn schließlich gewinne dadurch der Odenwald sein besonderes Profil. Mit der Region „wird an erster Stelle das Thema Wandern verbunden“, ergab laut Horn eine Studie.

Ein weiterer Schritt, um dieses hervorstechende Merkmal zu optimieren, sei die Anbringung einer „Weg-Ziel-Beschilderung“. Zwar seien die Strecken schon „hervorragend markiert“, sagte die Geschäftsführerin. „Aber es fehlten die Wegweiser, wie weit es noch zum nächsten Ort oder zur nächsten Einkehrmöglichkeit ist.“ 55.000 Euro kosteten die Schilder für den gesamten Odenwald, erläuterte sie. Die Realisierung sei nur möglich gewesen, weil 60 Prozent der Summe über EU-Mittel gefördert würden.

„Es war ein Riesenprojekt auszutüfteln, wo die Wegweiser hin sollen und was darauf geschrieben wird“, sagte Horn. Man habe „kreis- und länderübergreifend 1000 Stück“ abgebracht. Im Überwald würden fünf Wege beschildert, so Horn. Erkennbar sind sie an der hellgrünen Farbe. Der Steinbruchweg steht Horn zufolge noch aus.

Hauptwanderwert Manfried Hering vom Odenwaldklub ergänzte, die meisten Genuss-Wanderer „laufen nicht nach Karten“. Gerade für diese sei die Beschilderung wichtig. Neben der Entfernung gäben die Markierungszeichen auch Aufschluss darüber, „was mich am Ziel erwartet“. Hering sagte, ihn freue es „als Nutzer ganz besonders“, dass diese Maßnahme jetzt verwirklicht werde. Er äußerte seine Freude darüber, dass „trotz des Wetters so viele gekommen sind“.

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