Runder Tisch Flüchtlinge: Wald-Michelbach sieht sich in der Betreuung auf einem guten Weg

Die Hilfsbereitschaft im Überwald ist ungebrochen. Zum zweiten Runden Tisch Flüchtlinge kamen wieder viele Ehrenamtliche ins Rathaus, um sich in die Betreuung einzubringen. Knapp die Hälfte davon war erstmals mit dabei. „Wer von ihnen will helfen?“, fragte Koordinatorin Gabi Michel-Mieslinger in die Runde. Und wieder gingen etliche Hände nach oben. Ziel des Treffens war es vor allem, Kreis von sogenannten Hauspaten zu bilden, die federführend für die einzelnen Unterkünfte zuständig sind.

Bürgermeister Joachim Kunkel schilderte die allgemeine Situation. „Zehn Wochen nach dem ersten Runden Tisch hat das Thema noch mehr Bedeutung erlangt“, sagte er. In der Zwischenzeit sei auf Gemeindeebene schon viel erreicht worden. Kunkel sprach hier die Ein-Euro-Jobs für die Asylbewerber in Bauhof und Schwimmbad an, die weiteren ehrenamtlichen Sprachkurse oder das von der ZKÜ initiierte Treffen von Unternehmern mit Flüchtlingen.

„Wir müssen im Kreis Bergstraße keinen Notstand ausrufen“, denn Flüchtlingsbetreuung und -unterbringung seien gut geregelt, sagte der Bürgermeister. Allerdings seien die Mitarbeiter in der Kreisverwaltung am Anschlag bzw. die Ämter unterbesetzt. Kunkel spielte hier auch darauf an, dass vom Bund zu wenig finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt würden. Im kommenden Jahr rechne man beim Kreis mit einem Fehlbetrag von zwölf Millionen Euro in diesem Bereich.

Wie Kunkel weiterhin verdeutlichte, „gibt es viel Dynamik in dieser Angelegenheit“. Die Gemeinde wolle deshalb Vorsorge treffen, um für weitere Zuweisungen gerüstet zu sein. Unter anderem habe es Anfang der Woche eine außerordentliche Dienstbesprechung aller Kreis-Bürgermeister gegeben. „Wir müssen damit rechnen, dass pro Woche 100 Flüchtlinge zusätzlich im Kreis ankommen“, sagte der Rathauschef. Runtergebrochen auf Wald-Michelbach dürften dies dann drei bis vier Asylsuchende pro Woche sein.

Ziel sei es, „keine Turnhallen zu belegen“. Dies wertete Kunkel „als der Sache nicht zweckdienlich“. Für ihn ist es wichtig, Hürden für die Arbeitsaufnahme der Flüchtlinge abzubauen. Hier wie auch auf anderen Ebenen sah er Fortschritte. So würden weitere Sprachkurse über den Kreis in fünf Schwerpunkt-Gemeinden eingerichtet. „Wir sind in der Gemeinde und im Kreis in der Lage, die Situation zu schultern“, bezog sich Kunkel auf die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, „Wir schaffen das“. Wenn alle Beteiligten „weiter helfen, kriegen wir eine gute Integration hin“. Bei Fragen könne man sich auch jederzeit an der Hauptamt der Gemeinde mit Ernst Gräber an der Spitze wenden.

Die Moderatorin des Abends, Sabine Allmenröder vom evangelischen Dekanat Bergstraße, stellte im Anschluss die einzelnen Beteiligten vor. Das Koordinationstrio Gabi Michel-Mieslinger, Renate Lautenschläger und Christine Engesser ist Mittler zwischen den Bedarfen der Flüchtlinge und den Ehrenamtlichen. „Wir wollen mit ihrer Hilfe noch viel mehr auf die Beine stellen“, meinte Michel-Mieslinger an die Helfer gewandt. Den in den Arbeitskreisen bestimmten Hauspaten „stehen wir mit Rat und Tat zur Seite“.

Ziel sei es, formulierte Allmenröder, sich in Teams um die einzelnen Unterkünfte zu kümmern und die dortigen Notwendigkeiten an das Koordinationstrio zu melden. Wie Daniel Jäger von der Verwaltung sagte, seien derzeit 54 Personen (inklusive bereits anerkannter Flüchtlinge) in Wald-Michelbach und Ortsteilen untergebracht: je sechs in Bahnstraße und Hofacker, 18 in der Lichtenklinger Straße, 14 in der Eichenstraße und zehn in der Untergasse. Das gekaufte Gebäude in der Schwalbengasse werde nächste Woche belegt, das Haus in der Heidelberger Straße Ober-Schönmattenwag sei noch in der Planungsphase.

Ulrike Mayr vom Diakonischen Werk Bergstraße, Sarah Dickmeis vom Jugendmigrationsdienst Bergstraße-Odenwald und Marion Kostial von der Koordinationsstelle der Caritas stehen auf hauptamtlicher Ebene als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Mayr und Dickmais halten auch wöchentliche Sprechstunden in Wald-Michelbach ab, erläuterten sie.

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