Der Hartenroder Bernd Schwappacher hat seine Erfahrungen als Förster und Jäger in Tansania, Kanada, Südsudan oder Südkorea in einem Büchlein verewigt

Wenn jemand von einem „bewegten Leben“ reden kann, dann ist das mit Sicherheit Bernd Schwappacher. Denn der ehemalige Förster des Reviers Dürr-Ellenbachtal (von 1990 bis 2005) war seit 1970 während seines aktiven Berufslebens in allen Ecken und Enden dieser Welt unterwegs. Seine Erlebnisse schrieb er vor kurzem in Form eines kleinen Büchleins mit dem Titel „Nun ja, gejagt wurde natürlich auch“ nieder.

Besonders die beiden Aufenthalte in Afrika haben sich ihm und seiner Frau Edith ins Gedächtnis eingeprägt. „Wir sind dort mit Tränen in den Augen weg“, sagt er. „Es gab ein fantastisches Verhältnis mit den Leuten.“ So gut, dass er sich ein Leben nach der Pensionierung problemlos vorstellen konnte: „Eigentlich wollten wir dorthin auswandern“, erzählt Schwappacher. Dazu kam es zwar nicht, stattdessen ließ er in Hartenrod ein Blockhaus bauen, das er sich schon immer gewünscht hatte.

Zum ersten Auslandsaufenthalt kam der heute 71-Jährige wie die Jungfrau zum Kinde. 1970 war es, „Hessen hatte mehr Förster als Stellen“, so Schwappacher. „Beim Frühstück habe ich eine Jagdzeitschrift gelesen und die Anzeige entdeckt: „Berufsjäger in Tansania gesucht‘.“ Seine Frau Edith habe daraufhin halb scherzhaft gemeint: „Bewirb’ dich doch mal.“ Mit Erfolg: „Zwei Monate später saßen wir im Flugzeug nach Tansania.“

Das Leben im südostafrikanischen Land beschreibt Schwappacher als sehr einfach: „Wir haben nur im Zelt gelebt.“ Exotische Fauna und Flora inklusive. Nach einem Jahr dann das genaue Gegenteil: „Ich lernte in Tansania einen Berufsjäger aus Kanada kennen.“ Der suchte einen Manager für sein Basislager im Yukon-Territorium – und prompt war der heutige Hartenroder von der Hitze in die Kälte Alsakas gewechselt.

„Nach zwei Jahren war dann alles vorbei“, erinnert er sich – so lange war er vom Land freigestellt worden. Doch zurück in Hessen, wurde schon die nächste Tour geplant. „Ich hatte Blut geleckt.“ Diesmal wieder nach Afrika, in den (Süd-)Sudan. Im Auftrag der GTZ wurde ab 1974 bis 1976 Entwicklungshilfe durch den Aufbau einer Schreinerei in Jouba geleistet. Schwappacher baute „im Schweiße meines Angesichts“ eine Fertigungs- und Trockenhalle. Die dabei angeeigneten Arabisch-Kenntnisse sollten ihm später noch nützlich sein.

An die Zeit im Sudan hat Bernd Schwappacher seine schönsten Erinnerungen. „Dort habe ich ein großes Aufforstungsprojekt durchgeführt und zum Schluss ein Wildschutzgebiet gegründet.“ Das es übrigens, erfuhr er erst vor kurzem, „heute noch gibt und das sogar meinen Namen trägt“, klingt ein wenig Stolz über seine Arbeit vor 40 Jahren durch. Steigende Spannungen zwischen den Volksgruppen und um sich greifende Korruption ließen ihn zwei Jahre später nach Deutschland zurückkehren – kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan.

Bei Groß-Gerau leitete der Förster dann Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre „ein wunderschönes Revier mit einem alten Forsthaus“. Der Bau der Startbahn-West beim Frankfurter Flughafen ging Schwappacher gehörig gegen den Strich, sodass er empfänglich für eine weitere Auslands-Anfrage war: Für den Nord-Jemen wurde ein Förster mit Arabisch-Kenntnissen gesucht. Schnell waren die Koffer gepackt und auf ging’s. Diesmal im Gegensatz zu allen anderen außereuropäischen Diensten ausnahmsweise ohne seine Frau.

Das Wiederaufforstungsprojekt im damaligen kommunistisch orientieren Land „ist an den Stammesfehden gescheitert“, erinnert er sich. Eine Begebenheit, bei der er nicht wusste, ob er sie mit Humor oder mit Furcht nehmen sollte, ist ihm gut im Gedächtnis: „Wir wollten dort mit ein paar Böllern Neujahr feiern.“ Aber auf dem Markt wurde seine Anfrage missverstanden: „Ich bekam eine Kiste Dynamit hingestellt.“ Der Jemen sei für ihn kein Ort gewesen, „um dort auf Dauer zu leben“. Zwar ein tolles Land, kahl und kalt, „aber jeder hatte ein Gewehr umhängen“.

Der längste und zugleich letzte Auslands-Aufenthalt von Schwappacher war von 1986 bis 1989 in Südkorea. „Ich hatte nochmal richtig Lust“, erzählt er. Der Hartenroder half dabei mit, „die erste Waldarbeiterschule in diesem Land aufzubauen“. Der Ort sei „nur ein paar Kilometer vom 38. Breitengrad“ entfernt gewesen, der Hochsicherheitsgrenze zwischen den beiden Koreas.

„Vorn war das Meer, hinten konnte man Ski fahren“, hat Schwappacher dort „tolle Winter erlebt“. Der Sommer wiederum sei so feucht gewesen, „dass der Spazierstock angewachsen ist“. Dass er nach dreieinhalb Jahren wieder nach Deutschland ging, „war gut für meine Leber“. Denn die Koreaner seien ein trinkfreudiges Völkchen gewesen. „Kein Besuch im Wald ohne Alkohol.“

Zuhause ließ er es ruhiger angehen. Im idyllischen Revier Dürr-Ellenbach „war ich der letzte Förster vor der großen Reform 2005“. Das alte Forsthaus „im wunderschönen Tal“ mit Backstube und Scheune sei weitab jeder Bebauung gelegen. „Wir haben uns dort so wohl gefühlt“, meint Schwappacher, „dass ich keine Ambitionen hatte, nochmal wegzugehen“.

Info: Bernd Schwappacher: „Nun ja, gejagt wurde natürlich auch“, Taschenbuch 2014, ISBN-10: 3735771394, ISBN-13: 978-3735771391, 7,90 Euro. Zum Inhalt: Was macht man, wenn man beim Frühstück in der Serengeti unverhofft Besuch von einer Schwarzen Mamba bekommt oder wenn sich ein Termitenhügel als Nashorn entpuppt? Wie kann einem eine Frauenzeitschrift dabei helfen, in T-Shirt und kurzer Hose eine Nacht im Freien zu überstehen? Und: Was für Verletzungen riskiert man, wenn man eine Segeljolle auf dem Autodach zum Fuße des Kilimandscharo transportiert? Der Autor blickt zurück auf seine Zeit als Berufsjäger in Tansania und erinnert sich mithilfe seiner Tagebucheinträge aus dem Jahr 1970 an seine Erlebnisse in Afrika. Dabei gehen Abenteuerliches und Kurioses Hand in Hand. Auf das heiße Jahr in Afrika folgt zuerst eine sehr kalte Episode am anderen Ende der Welt – als Manager eines Basislagers in Alaska –, und danach verbringt der Autor zwei Jahre als Förster im Südsudan. Schließlich führt ihn ein Jungjägerkurs nach. – aber das wird erst am Ende des Buches verraten.

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