Die „ruhigen Giganten“ nehmen jede Hektik: Martina Molitor hält in Wald-Michelbach-Hartenrod zwei Kamele

Neugierig schaut Anton aus dem Unterstand heraus. Schnell fasst er Vertrauen, der große weiße Kopf kommt zur Begrüßung näher. Durch einem leichten Nasenstüber ist der Kontakt mit dem sanften Riesen hergestellt, bevor der sich wieder dem leckeren Stroh widmet. Schließlich könnte ihm in der Zwischenzeit Alvin etwas wegfressen. Anton und Alvin, zwei Kamelhengste der Wald-Michelbacherin Martina Molitor, sind auf einer Wiese oberhalb von Hartenrod zuhause.

„Anton hat noch Flausen im Kopf“, lacht Molitor. Das dreijährige Trampeltier ist gerade im besten Flegelalter. Der vierjährige Alvin ist da schon etwas gesetzter. „Mit ihm kann ich schon gut arbeiten.“ Dabei handelt es sich dann um ein Bodentraining wie bei Pferden, Sattel auflegen, draufsetzen – und ihn auf „die Welt da draußen vorbereiten“, wenn mal ein Ball geflogen kommt oder eine andere unerwartete Situation eintritt.

Ein Besuch von Kindergartengruppen oder Grundschulen ist schon möglich, so Molitor. Damit sich beiden Kamele auch reiten lassen, bedarf es aber noch ein bisschen Arbeit. „Die müssen noch sicherer werden“, weiß sie. In spe hat sie vor, Wanderausritte und therapeutisches Reiten mit den beiden Paarhufern anzubieten. Gerade Letzteres sei „durch den Gang der Trampeltiere“ sehr gut möglich.

Damit die beiden Jungs ein wenig Gesellschaft bekommen, wünscht sich Martina Molitor bald ein älteres Weibchen zu dem Duo. Damit ihre Kamelfarm „Al Gamal“ Zuwachs bekommt. „Irgendwann kann ich dann vielleicht mit der Zucht beginnen“, sagt sie. Den braunen Alvin hat sie aus einer Zucht in Solingen in den Überwald geholt, Alvin war früher ein Zirkuskamel.

Die beiden Jungspunde haben auf der Wiese viel Auslauf. „Gerne liegen sie ganz oben auf dem Hügel, um einen guten Überblick zu haben“, weiß Martina Molitor. Wenn es wie beim Besuch gerade leckeres Heu, Obst oder Gemüse gibt, sind sie natürlich am Unterstand zu finden. Mit der hiesigen Witterung kommen die Kamele gut zurecht. „Das Fell wird sogar noch dicker“, meint Molitor mit Blick auf den kommenden Winter.

Minus 40 Grad sind kein Problem, denn die Wüstentiere seien von dort extrem kalte Temperaturen gewöhnt. „Ich habe sie sogar schon im Schnee liegen sehen“, macht den Kamelen der Winter nichts aus. „Nur Regen finden sie nicht so gut.“ Das Winterfell bekommt im Frühjahr eine Verwendung: Martina Molitor nutzt es dann zum Spinnen und Filzen, nachdem den Tieren dabei geholfen wurde, es loszuwerden.

„So ein ruhiger Gigant ist schon toll“, ist Molitor fasziniert von den Tieren. Die „wunderschönen Augen“ haben es ihr ebenfalls angetan. Wie die Kamele absolut „energiesparend“ trotzdem ihr Ziel erreichten, sei bewundernswert. „Man kann von ihnen lernen, gelassen und mit Bedacht voranzugehen“, sagt sie. „Ich habe keine Chance, etwas hektisch zu machen.“ Wenn Anton und Alvin etwas nicht tun wollten, müsse sie sich eben danach richten.

Jeder der beiden „hat seine eigene Persönlichkeit“, stellt Martina Molitor fest. Das zeige sich in der Mentalität und in den Fressgewohnheiten. Sie sieht die Kamele „als Wunder der Natur“, wie sie mit wenig Wasser und Nahrung auskommen könnten. „Ihr seid einfach klasse“, flüstert sie Alvin und Anton zu. „Mein Enkel klettert auf Alvin rum“, weiß Molitor um die Gutmütigkeit der Trampeltiere. „Ich bin jeden Tag auf der Wiese, um zu schauen, dass es ihnen gutgeht“, betont sie die enge Verbindung.

„Für uns ist der Anblick schon normal“, meint die Wald-Michelbacherin. Aber wenn Kindergartenkinder die Tiere mit großen Augen anschauten, „erfüllt mich das mit großer Freude“. Und sie bekomme deren Besonderheit zu spüren. Um diese weiß auch Tochter Laura. „Wenn wir in der Schule nach unseren Haustieren gefragt werden, schauen meine Mitschüler wie ein Auto“, sagt sie lächelnd.

Alvin und Anton sind beide in Deutschland geboren. Zweiterer, meint Martina Molitor, habe durch seine spitzen Höcker noch eher etwas von einem Wildtrampeltier. Die beiden Höcker übrigens, ergänzt sie, „sind nicht voll Wasser“, wie es oft kolportiert werde. „Dort wird das Fett abgelagert.“ Was die Kamele nicht am Weiterfressen hindert. Gemütlich mampfen sie das Stroh – der nächste Winter kommt bestimmt…

Info: Kontakt für eine Besichtigung unter E-Mail tinimol@t-online.de

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