Das Überwald-Gymnasium hatte die ehemaligen Abiturienten eingeladen

In Erinnerungen schwelgen, Mitschüler nach langer Zeit wiedersehen, filmisch mit den Jugendsünden konfrontiert werden – und einfach einen schönen Abend verleben: Das Überwald-Gymnasium hatte traditionell am vorletzten September-Wochenende die ehemaligen Abiturienten eingeladen. Gefühlt kamen dieses Mal ein paar weniger als in den Vorjahren. Die hatten aber trotzdem viel Spaß in gemütlicher Runde mit musikalischer Unterhaltung.

Während die „jüngeren“ Abschlussjahrgänge noch fast vollzählig vor Ort waren, dünnte sich die Besucherzahl bei den „älteren“ Semestern stark aus. „Fünf sind es derzeit von meinem 91er-Jahrgang“, hat Susanne Hoffmann-Rettig nachgezählt. Jedes Jahr sei es spannend zu sehen, wer von der damaligen Klassenstufe beim Treffen dabei sei. Aber auch wer von den früheren Lehrern sich blicken lasse.

In den ersten zehn Jahren, sagte sie, „gehörte es praktisch zum Pflichtprogramm“, jedes Mal vorbeizuschauen. Denn die Neugier sei immer groß, was aus den jeweiligen Klassenkameraden geworden sei und wohin es sie verschlagen habe. „Jetzt ist es vor allem die Überraschung, wen man noch trifft“, werden es Hoffmann-Rettig zufolge im Laufe der Jahre immer weniger.

Der 88er-Jahrgang ihres Mannes Joerg Rettig hat dagegen vorgesorgt: „Wir treffen uns alle zweieinhalb Jahre für Unternehmungen“, berichtete er. Vor kurzem „wurde das 27einhalbjährige Abi gefeiert“. Die ungerade Zahl habe aber auch einen ernsten Hintergrund. Nachdem schon einige aus dem Abiturjahrgang verstorben seien, sei der bisherige fünfjährige Rhythmus zu lang erschienen. Es sei immer ein gutes Gefühl, „wieder nach Hause zu kommen“, sagte Rettig mit Blick auf das Ehemaligentreffen: „ein Stück Heimat.“

„Es hat sich viel verändert“ – obwohl das Abi erst acht Jahre her ist. Julia Mühlfeld und Johanna Sattler machten 2007 ihre Prüfungen am ÜWG. „Damals war alles eine große Baustelle“, sagte Julia, heute habe die Schule neue, ansprechende naturwissenschaftliche Räume. „Es ist immer wieder schön, hier zu sein“, ergänzte Johanna, man treffe viele bekannte Gesichter. Obwohl auch in ihrem Jahrgang die Teilnehmer stark abnähmen. „Ein Fünftel wird heute Abend da sein“, schätzte Julia Mühlfeld. Allerdings kein Wunder: Nach München, Wien, Düsseldorf oder Berlin hat es Abiturienten aus dem 2007er-Jahrgang verschlagen, berichteten die beiden.

Für Bastian Bihn sind die Prüfungen noch nicht lange her: 2014 machte er sein Abi am ÜWG. Im Rückblick, sagte er, „lief seitdem alles wie geplant“. Es sei gut, dass es die Ehemaligen-Treffen gebe, „um die Leute wiederzusehen“. Allerdings verabrede er sich mit den Freunden auch öfters innerhalb einer Gruppe aus dem Abi-Jahrgang.

Susanne Arnold, Lehrerin für Spanisch, Englisch und Politik, ist nicht die einzige, die es nach ihrem Abitur 1989 später beruflich wieder an die alte Schülerin-Wirkungsstätte zurückzog. Katrin Gölz etwa, Abi-Jahrgang 2001, unterrichtet Mathematik und Geschichte. Beide zeichneten zusammen mit dem Förderverein für die Organisation des Treffens verantwortlich.

„Die Skifreizeiten finden immer noch in St. Johann in Südtirol statt“, schmunzelte Arnold über eine große Beständigkeit innerhalb der vergangenen 30 Jahre. Viel weniger Schüler als früher gebe es heute am ÜWG. „Damals waren wir über 1000, heute sind es noch etwas mehr als die Hälfte.“ Zum Glück bekomme das Gymnasium durch das G9-Revival wieder Zuwachs.

Im Kollegium gab es ihren Beobachtungen nach „früher vor allem Männer“. Heute habe sich dieses Verhältnis zugunsten der Frauen umgekehrt. Was ganz früher die Aula war und zu ihrer Schulzeit der „Team Teaching Raum“, habe heute wieder den alten Begriff, so Arnold. Aus der Weinlaube sei inzwischen die Cocktailbar geworden. Klassenräume, beobachtete sie, hätten oftmals noch das gleiche Aussehen wie früher – Ausnahme naturwissenschaftlicher Bereich.

„Ich gehöre zu den Top 5 der Ältesten“, meinte lächelnd Karl-Heinz Hübner. Der 62-Jährige ist bereits seit 1981 Lehrer am ÜWG für Deutsch, Erdkunde, Politik sowie Wirtschaft und ist regelmäßiger Besucher des Ehemaligen-Treffens. „Der Lehrerberuf macht mir immer noch Spaß“, erzählte er, aber die Rahmenbedingungen hätten sich stark gewandelt. „Heute halten uns Blätterwust und Bürokratie von den eigentlichen Aufgaben ab“, bemängelte er.

„30 Kinder in einer Klasse sind heutzutage viel zu viele“, sagte Hübner. Das sei früher vielleicht möglich gewesen, „aber nicht mit den sehr aufgeweckten, unruhigeren Schülern von heute“. Denn man müsse auf diese intensiver eingehen. „Die Rechtschreib-Schwierigkeiten werden immer doller“, so Hübner. Die Verbundenheit mit der früheren Schule im Überwald sei immer noch groß, bemerkte mit Blick in die Runde.

Seit knapp 30 Jahren lädt das Überwald-Gymnasium seine ehemaligen Abiturienten ein. Zwischen 300 und 500 kommen jedes Mal (zurück) in den Überwald. Teilweise nehmen sie dafür auch weitere Anfahrten auf sich. Der Förderverein kümmert sich um die Bewirtung der Gäste, diesmal unterstützt von der Stufe Q3, die sich damit einen finanziellen Beitrag zum Abiball sichert. „Ganz am Anfang“ steht die Spendenaktion für die neue Schulküche. Die wird etwa 40.000 Euro kosten und will finanziert werden.

„Es gibt für die Ehemaligen viel zu sehen“, sagte Schulleiter Reinhard Fahrenholz zu Beginn mit Blick auf zahlreichen Umbauarbeiten am ÜWG. Zum einen seien dies die bereits fertiggestellten naturwissenschaftlichen Räume (durch die er zusammen mit seinem Stellvertreter Rainer Werner im Anschluss eine Führung anbot), zum anderen die noch laufenden Bauarbeiten im Außenbereich. „Entdecken Sie, was sich verändert hat“, forderte er die Besucher auf.

Ein Kompliment sprach er der Big Band aus, die trotz des Personalmangels ihre Sache hervorragend gemacht habe. „Man hat überhaupt nicht gehört, dass manche fehlten“, so Fahrenholz. Das musikalische Flaggschiff des ÜWG unter der Leitung von Sebastian Schertel hatten den Abend mit verschiedenen Stücken eröffnet, darunter „Freeze Frame“, „Don‘t cry für me Argentina“, „Somewhere over the Rainbow“ oder das „Muppet Show Theme“. Die Irish-Folk-AG „Pub of Eire“ unter der Leitung von Thomas Braun spielte später noch in der Cocktailbar einige Stücke.

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Gleich im Eingangsbereich wurden viele Ehemalige mit ihren Jugendsünden konfrontiert, seien es nun Mode oder Haarschnitt. Denn dort liefen auf einer Leinwand Filme von den Skifreizeiten aus den 90er Jahren bis heute. Einige hätten sich wohl gewünscht, dass diese Streifen in der Mottenkiste geblieben wären. Außerdem gab’s eine Dokumentation des Schulprojekts von 2001 zu sehen, als sich die jeweiligen Fächer mit ihren Lehrern vorstellten.

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