Neuer Glanz für alte Mauern: Familie Gehrig lud am „Tag des offenen Denkmals“ zur Besichtigung ihres Dreiseithofs in Litzelbach ein

 

Einmal einen Blick in sämtliche Ecken eines „alten Gemäuers“ werfen, das derzeit liebevoll wieder restauriert wird: Beim „Tag des offenen Denkmals“ war dies im Dreiseithof der Familie Gehrig möglich. Den machte diese zum inzwischen fünften Mal der Öffentlichkeit zugänglich. Auf dem Gelände haben Monica und Johannes Gehrig inzwischen auch ihren Betrieb „Odenwälder Feine Brände“ untergebracht. Beide führten Interessierte in Odenwälder Tracht aus dem 19. Jahrhundert durch das Gebäudeensemble.

„Das Wohnhaus ist laut den Denkmalschützern zwischen 350 und 400 Jahre alt“, berichtete Johannes Gehrig den interessierten Gästen. Das sei an der Fachwerkkonstruktion zu erkennen. „Die Scheune wurde nach einem Brand im Jahr 1922 wieder aufgebaut“, informierte er. Beim dritten Gebäude, dem ehemaligen Schweinestall, sei leider nicht mehr genau festzustellen, wann er gebaut wurde.

Sein Hof ist Gehrig zufolge einer von ehemals fünf historischen „Waldhubenhöfen“ in Litzelbach. Er stehe „komplett als Ensemble unter Denkmalschutz und ist als alleinstehendes Kulturdenkmal eingestuft“. Was bedeute, dass Denkmalschützer auch bei der Innenrenovierung mitreden dürften. Eine davon, Jutta Mösser vom Landesamt für Denkmalpflege auf Schloss Biebrich, stand am Nachmittag für alle Fragen rund um dieses Thema parat.

Wie Johannes Gehrig erläuterte, gehören zum Ensemble auch die Hofeinfahrt sowie ein Rest der ehemaligen Hofmauer. Außerdem ein Backhaus (das derzeit noch nicht zugänglich ist) und ein Brunnen, „leider teilweise zugeschüttet“. Vor acht Jahren, sagte er, hätten seine Frau und er den Hof gekauft und „sofort mit dem Renovieren begonnen“. Der obere Stock sei am Anfang bewohnbar gewesen, der untere überhaupt nicht.

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Die Küche mit Nebenraum habe man aktuell soweit fertiggestellt. „Den Winter über werden das neue Bad und das Schlafzimmer in Angriff genommen“, erklärte Gehrig die nächsten Schritte. Ziel fürs nächste Jahr sei, „das alte Backhaus zu reaktivieren“. Wie er feststellte, „haben die Gebäude trotz des Alters eine gute Grundsubstanz“. Soweit möglich, werde der Hof mit natürlichen Materialien wie Lehm, Holz, Ziegel und Kork renoviert. Unterstützung hierbei gebe es von Klaus Schillberg, Lehmbauer aus Hanau und Mitbetreuer des Hessenparks in Neu-Anspach. Der werde 2016 hier auch Lehmbauseminare anbieten.

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Eine Wandheizung sorgt laut Gehrig für die wohlige Wärme im Haus. Dazu werde das Wasser in einem Holzvergaserkessel erhitzt, der im mittleren Seitengebäude stehe. Nach Übernahme des Hofs „haben wir sofort wieder die Landwirtschaft angemeldet (Grünland- und Streuobstwiesen)“, erklärte Johannes Gehrig. 2013 sei dann die Obstbrennerei eröffnet worden. Der entsprechende Raum „war früher eine Silomiete“. Im Sommer dieses Jahres „haben wir den alten Schweinestall zu unserem Verkaufs- und Tastingraum ausgebaut“.

Die Familie Krell aus Hammelbach sorgte mit mittelalterlicher Musik für die Unterhaltung der Besucher. Gerlinde Willner, Kräuterfrau aus Brombach, hatte so einige wohlschmeckende Brotaufstriche im Gepäck und stand für alle Rückfragen zu Kräutern der Region zur Verfügung. Zu den Gästen zählte auch Bürgermeister Markus Röth, der sich über die Baufortschritte freute und die Arbeiten an diesem schönen, Ortsbild prägenden Baudenkmal lobte.

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