Dem Räuber Johann Grasmann am Wald-Michelbacher Galgen auf der Spur

 

Einem besonderen Aspekt der Überwald-Geschichte widmet sich Geopark-vor-Begleiter Andreas Arnold bei seiner Tour am Freitag, 4. September. „30 Kreuzer Beute bei einem Einbruch im Überwald“ hat er den Vortrag über den Räuber Johann Grasmann betitelt, den er am Wald-Michelbacher Galgen halten wird. Seine Informationen hat Arnold aus einem Buch des Darmstädter Richters C.F. Brill von 1814. Auf das war er über „Google Books“ ganz zufällig gestoßen.

Es geht vorrangig um die Ereignisse des Johannistags 1806: Der „barfüßige Hannes“ stieg über eine Leiter in das Haus des Wald-Michelbacher Bürgers Leonhard Heid ein. Mit von der Partie waren auch Johann Grasmann, der Zahnfranzen-Philipp sowie der Bürsten-Friedrich und sein Schwager, der Trierische Christian.

Was sich laut Arnold auf den ersten Blick nach einem Jugendabenteuerbuch anhört, war damals „krimineller Ernst“. Mehrere Räuberbanden trieben im Odenwald und den angrenzenden Gebieten ihr Unwesen. Mehr als 100 Einbrüche und 16 Fälle von Straßenraub konnten Arnold zufolge dem Räuberhauptmann Grasmann nachgewiesen werden.

Der barfüßige Hannes erbeutete im genannten Fall neben diversen einfachen Werkzeugen noch armselige 30 Kreuzer und, wie es in zeitgenössischen Quellen heißt, auch „Manns- und Weibskleidung“. Was eher erheiternd und kurios anmutet, war zur damaligen Zeit bitterer Ernst: Die Tat wog, so die Gerichtsakten, umso schwerer, da die Familie Heid in „bedrückender Armut“ lebte und sich für die Neuanschaffung der Bekleidung verschulden musste.

Weitere Straftaten verübte den Recherchen des Geopark-Begleiters zufolge die Räuberbande im benachbarten Weiher bei den Wohlgemuths. Hier wurden „4 Stücke leinernen Tuches“ erbeutet. Im selben Jahr 1806 stahlen die Diebe einen Esel aus einem Wald-Michelbacher Stall. Weiterhin wurde auch im gleichen Jahr in die Mühle des Wald-Michelbacher Müller Riesinger eingestiegen.

Grasmann und seine Kumpane konnten laut Arnold so lange ihr Unwesen treiben, weil sie ihr Quartier im Reichelsheimer Ortsteil Laudenau hatten. Das Dorf war politisch in drei Teile aufgeteilt und hatte drei verschieden Herren. Somit hatte dort keine Gerichtsbarkeit so richtig Einfluss. Erst als Grasmann im Februar 1809 bei einem Raubüberfall einen Fuhrmann erschlug, wurde die Jagd nach den Verbrechern intensiviert und die gesuchten Räuber konnten festgenommen werden, weiß Arnold. Der Räuber Grasmann wurde vor 200 Jahren, am 5. November 1814, in Darmstadt enthauptet.

Die komplette Tour unter dem Titel „Bergbau, Bahn und Brauereien“ verläuft vom Startpunkt Draisinenbahnhof über Steinkreuznest, Kreidacher Höhe und Wald-Michelbacher Galgen. Bei einer Einkehr zeigt Arnold etwa 80 Bilder zum Bergbau, zu den Brauereien und zur Überwaldbahn sowie beleuchtet noch sichtbare Relikte aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Dazu gibt es allerlei Wissenswertes, aber auch Kurioses aus der Heimatgeschichte zu erfahren.

Info: Beginn Freitag, 4. September, 18 Uhr, Draisinenbahnhof Wald-Michelbach, Teilnahme nur nach Anmeldung unter Telefon 06207/5838 oder E-Mail a.arnold@kleiderbuegel24.de. Länge und Dauer:  5,5 Kilometer und zwei bis drei Stunden (inklusive Lichtbildvortrag).

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