Jedes von Lederer Frank Derikatz in Handarbeit hergestellte Stück ist ein Unikat – am Wochenende in Hirschhorn

„Leben und Arbeit sind bei mir eine runde Sache“, sagt Frank Derikatz schmunzelnd. Genauso penibel, wie er in seinem alten Handwerksberuf als Lederer darauf achtet, dass seine Arbeiten ausschließlich per Hand hergestellt werden, wurde auch das gemütliche Holzhäuschen im Wald-Michelbacher Feriendorf nach baubiologischen Grundsätzen umgebaut. Aus dem eigenen Garten kommt eine Vielzahl von Erzeugnissen für die Küche.

„Alles wird in Handarbeit hergestellt“, lässt Derikatz keine Maschine an seine Waren. „Seit 35 Jahren nicht“, sagt er. Er verwende „nur naturgegerbtes Leder mit Zertifikat“, dessen Herkunftsort eindeutig bestimmt werden könne. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester. „Ich fertige nur Unikate“, betont der Lederer. Dabei kommen neben dem Rohstoff auch Materialien wie Holz oder Horn zum Einsatz.

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Sein Sortiment ist breit gefächert: Da sind Sattelbezüge oder Harleytaschen für Biker dabei, aber auch Schreibtischauflagen, Brillenetuis, Portemonnaies in rustikalem Look, Handy- oder Pferdetaschen. Hundehalsbänder und -leinen gehören ebenso zu seinem Sortiment. Die Gürtel „schneide ich von Hand mit dem Skalpell aus dem Lederstück“, erläutert Frank Derikatz. Die Löcher „werden per Hand gestanzt“.

Seine Schnallen wiederum lässt der 53-Jährige von einer deutschen Gießerei verarbeiten, „auch Ösen, Druckknöpfe oder Nieten werden alle in Deutschland hergestellt“. Das koste zwar ein bisschen mehr, „aber diese Qualität ist mir wichtig“, meint Derikatz. Die Gürtelschließen werden von ihm persönlich modelliert und in Deutschland hergestellt. „Ich bin sehr konsequent in dem, was ich mache“, sagt er lachend. Vor mehr als zehn Jahren hat er bereits seine Produkte unter dem Namen „Life Culture“ als eigene Marke eintragen lassen.

Die „Rohware Leder“ kommt bei ihm aus Deutschland oder Schweden, versichert Derikatz, verwendet wird Rind-, Elch- oder Rentierhaut. Die stammt etwa von einem Freund aus Lappland. „Die Gerber können den Ursprung zurückverfolgen“, sagt er. Er möchte auf keinen Fall Ware aus Südamerika verwenden, weil hier die Tiere möglicherweise auf Flächen gehalten würden, die durch Brandrodung im Regenwald gewonnen wurden. Sei Leder für Bekleidung wird etwa mit Rhabarberwurzeln gegerbt, erläutert der Weitgereiste.

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Die handwerklichen Fertigkeiten des Wald-Michelbachers wurden vor sechs Jahren in Norwegen gewürdigt. Im dortigen Staatsmuseum sei er „als bester Handwerker“ unter mehr als 100 Ausstellern – alles Norweger – gekürt worden: „Da bild‘ ich mir was drauf was ein.“ In Deutschland, ist Derikatz sicher, „muss man studiert haben, um in dieser Form ausgezeichnet zu werden“.

Die Tätigkeit als Lederer und Gerber war dem gebürtigen Essener nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Denn eigentlich hatte er Groß- und Einzelhandelskaufmann gelernt. Doch nach Abschluss der Ausbildung „habe ich mich auf eine lange Reise gemacht“. Viereinhalb Jahre ging es mit Fahrrad und Anhänger durch Deutschland, siebeneinhalb Jahre lang lebte er sommers wie winters in einem Indianerzelt – auch in Norwegen oder Schweden.

Touren mit dem Wohnmobil schlossen sich an. „Dazwischen habe ich von meinen Lederarbeiten gelebt“, berichtet der heute 53-jährige Weltenbummler. Seit 35 Jahren biete er diese auf Veranstaltungen an, seit inzwischen 29 Jahren vorrangig auf Mittelalter- und Wikingermärkten. „Das Nähen habe ich mir autodidaktisch beigebracht“, sagt Derikatz. Und vor mehr als 20 Jahren besuchte er in Schweden eine Gerbereischule und lernte dort, auf traditionelle Art und Weise das Leder zu gerben.

Sowieso hat es ihm Skandinavien angetan. Im Juli und August ist Frank Derikatz oft dort und nicht in Wald-Michelbach anzutreffen. Er gibt in schwedischen oder norwegischen Museen Gerber- und Nähkurse, verkauft seine Waren auf den Wikingermärkten. „Ich gehe dabei nicht so sehr auf die großen Termine“, meint er. „Denn ich möchte, dass die Leute meine Produkte wertschätzen und ich nicht einer unter vielen bin.“

Ein Pflichttermin für den 53-Jährigen ist das Ritterfest in Hirschhorn am 5. und 6. September. Derikatz schätzt das schöne Ambiente am Neckar und die Konzeption des historischen Marktes, bei dem sich immer viele darstellende Handwerker mit ihren alten Berufen präsentieren. Zu weiteren Standardterminen zählen in der Region das Wormser Spectaculum oder das Hayner Burgfest in Dreieichenhain, das immer am 2. September-Wochenende stattfindet.

Nach Wald-Michelbach ins Feriendorf hat es Frank Derikatz zusammen mit seiner Lebensgefährtin Martina Seibel vor 14 Jahren fast zufällig verschlagen. Eigentlich wollte er ein ganz anderes Haus anschauen, geriet aber dann an das jetzige, damals zum Verkauf stehende. Mit noch mehr Zufall waren gerade die Eigentümer aus Berlin vor Ort – und man wurde sich einig.

Inzwischen haben sich beide über zehn Jahre hinweg ein kleines Biotop geschaffen. Frank Derikatz, schon dreifacher Vater und Großvater, ist daneben bei der Blühwieseninitiave und als Gesundheitswanderführer aktiv, hält seit kurzem auch einige Bienenvölker – eben „eine runde Sache“.

Info: Frank Derikatz, Telefon, 06207/605744, E-Mail lifeculture@gmx.de, www.lifeculture.eu

Bilder: Fritz Kopetzky

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