In Hammelbachs Bücherei kann wieder geschmökert werden

Die bücherlose Zeit ist vorbei. Nach einem Jahr ohne die Ausleihmöglichkeit von bedrucktem Papier wurde jetzt die katholische öffentliche Bücherei im Hammelbacher Pfarrheim mit einer Feierstunde wiedereröffnet. Sie ist künftig jeden Samstag zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet. Zum Auftakt konnten auch gleich zehn Neuanschaffungen in Augenschein genommen und ausgeliehen werden. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Flötenensemble „Windspiel“.

Pfarrer Peter Pristas begrüßte als Hausherr die zahlreichen Gäste. „Vor einem Jahr habe ich mir einen E-Book-Reader angeschafft“, gestand er. Leider aber „lese ich seitdem weniger, das ist keine gute Entwicklung“. Ein Buch in der Hand sei doch etwas ganz anderes als das „digitale Lesen“. Pristas freute sich, dass sie seit 20 Jahren bestehende Bücherei nun mit einem neuen Leitungsteam weitergeführt werde.

Er sei zuversichtlich, sagte der Pfarrer, dass Bücher auch weiterhin ihren Stellenwert in der Gesellschaft hätten. Gerade für die Christen sei das geschriebene Wort von großer Bedeutung. Daneben sei die Bücherei als Ort, um dort die Gemeinschaft zu pflegen, ein wichtiger Aspekt. Nicht der Begriff „katholische“ Bücherei sei vorrangig, sondern „dass hier Menschen zusammenkommen“. In diesem Sinne dankte er auch denjenigen, die mit der Betreuung ihre Zeit opferten.

„Ich hoffe auf viele neue Leser“, meinte Bürgermeister Markus Röth. Er sei froh darüber, dass nun die vorherige Arbeit von Gisela Dörr mit einer vergrößerten Mannschaft weitergeführt werde. „Sehr gut“ sei der Vorschlag von Aloys Dörr gewesen, unter dem Begriff „Kurbücherei“ die Räume allen Interessierten zugänglich zu machen. Als Geschenk der Gemeinde hatte er eine Uhr mit Wappen im Gepäck.

„Die Gemeinde hat zwar kein Geld, verteilt aber die Gelder aus der Sparkassenzuweisung“, wünschte sich Aloys Dörr augenzwinkernd eine Zuwendung für Neuanschaffungen. Die positive Antwort von Röth ließ nicht lange auf sich warten: „Wir haben es hingekriegt, dass die KÖB bedacht wird“, sagte er.

Martine Rüdinger, die zusammen mit Annette Bach, Renate Dahlke und Gisela Dörr die Bücherei betreut, hob diese „lieben Menschen, die mir helfen“, hervor. Sie hatte sich zwei Bücher unter den Neuerscheinungen herausgegriffen und stellte diese kurz vor: „Altes Land“ von Dörte Hansen und der „Blaue Hibiskus“ von Chimamanda Adichie. „Zwei Bücher, zwei verschiedene Welten“, so Rüdinger, die aber vieles gemeinsam hätten: „Extremismus, Vertreibung und Flucht“ als derzeit beherrschende Themen.

Aloys Dörr führte in die Bilderausstellung des Dresdener Theatermalers Peter Handrick ein. Der hatte sich, erst 54-jährig, nach einem Schlaganfall „wieder aufgerappelt“, obwohl ihn die Ärzte schon aufgegeben hatten. Heute mache Handrick quasi alles mit links, weil die rechte Körperhälfte teilweise gelähmt ist. Über die Reha in Wiesbaden kam Handrick in die Residenz „Leben am Wald“ in Grasellenbach, wo Dörr ihn kennenlernte. Der 54-Jährige habe sein Schicksal buchstäblich „selbst in die Hand genommen“. Einige von Handricks Werken „vorher und nachher“ sind bis zum 4. Oktober immer zu den Bücherei-Öffnungszeiten zu besichtigen.

„Die Wiederbelebung der Bücherei war bei den Kulturbüro-Treffen immer ein Thema“, erläuterte Reimund Bach im Gespräch. Wichtig sei die Einrichtung von regelmäßigen Öffnungszeiten gewesen, die es früher nicht gegeben habe. „Deshalb gab es kaum Zulauf.“ Gleichzeitig, so Bach, sei sie nun mit dem Zusatz „Kurbücherei“ für alle geöffnet, auch für Gäste von außerhalb.

„Wir haben weltliche Bücher der verschiedensten Sparten“, führte Bach aus. Nur ein kleiner Teil sei religiösen Werken vorbehalten. Es gebe ein gewisses Budget für Neuanschaffungen. Bei deren Auswahl wirke das Kulturbüro unterstützend mit. Einige Flötenstücke des Ensembles mit Aloys Dörr, Brigitte Maixner, Berhard Frasiné und Gudrun Leukel leiteten zum kleinen Sektempfang über. Nach diesem nahmen die Gäste gerne noch die verschiedenen Bücher und die Werke von Peter Handrick in Augenschein.

Katholische öffentliche (Kur-)Bücherei, Litzelbacher Straße 26, 64689 Hammelbach, geöffnet samstags von 10 bis 12 Uhr.

 

 

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