Flüchtlinge freuen sich, „dass jetzt was zu tun ist“: Seit Anfang August werden fünf junge Männer bei der Gemeinde beschäftigt

„Ich habe von den Flüchtlingen sehr positive Rückmeldungen bekommen“, sagte AWo-Vorsitzende Christine Engesser zur Tatsache, dass seit Anfang des Monats fünf von ihnen aus Somalia und Eritrea im Bauhof und im Schwimmbad der Gemeinde beschäftigt werden. „Sie haben jetzt eine Aufgabe, das ist wichtig“, betonte Engesser. „Auch wenn die fünf nun viel früher als bisher aufstehen müssen“, schmunzelte sie.

Aber mit der Aufnahme der „1-Euro-Jobs“ (die über den Kreis Bergstraße abgerechnet werden), erfülle sich ein lang gehegter Wunsch der jungen Männer. „Die wollen was schaffen“, so Engesser, und die aufgezwungene Untätigkeit aufgrund der behördlichen Vorgaben sei manchmal kontraproduktiv. Umso mehr freuten sich der 22-jährige Assad und der 23-jährige Abdishakur aus Somalia sowie Wiliam (21), Merhawi (23) und Ataklti (21) aus Eritrea, „dass jetzt was zu tun ist“. Und sie außerdem noch ein kleines Taschengeld obendrauf bekämen.

„Der Einsatz der Flüchtlinge vor Ort trägt zur Akzeptanz bei“, nannte Hans-Peter Mury von der Personalabteilung im Rathaus einen weiteren positiven Effekt. Zwei von ihnen seien im Schwimmbad mit Arbeiten aller Art beschäftigt – etwa Unterhaltung der Außenanlage, Unkraut jäten, Mülleimer leeren oder Parkplatz sauber halten.

Die drei anderen würden unter der Regie von Bauhof-Mitarbeiter Walter Hammann im Ortskern eingesetzt, um frisches Wald-Michelbacher Grün in die Straßen zu bringen: nämlich in Form von Farbe an Geländern, auf Bänken oder Laternen. Die Gemeinde stelle dabei Arbeitsmaterialien und -kleidung, die Bezahlung laufe über den Kreis. Auch von Seiten der Einwohnerschaft habe man schon die ersten positiven Rückmeldungen bekommen, so Mury.

Die organisatorischen Vorbereitungen liefen bereits seit Januar, erläuterte Bürgermeister Joachim Kunkel. Bis Ende Mai habe die Abstimmung gedauert. Dann sei klar gewesen, dass man statt der angenommenen drei sogar fünf junge Männer beschäftigen könne. Bis letztendlich alles unter Dach und Fach war, wurde es dann Anfang August.

„Als große Flächengemeinde können wir nicht alle freiwilligen Aufgaben selbst leisten“, so Kunkel. Durch den Einsatz der Flüchtlinge ergebe sich somit eine „Win-win-Situation“. Nach kleineren Startschwierigkeiten „läuft’s jetzt“, bestätigte auch Walter Hammann. Es sei erfreulich, „dass immer mehr junge Männer beschäftigt werden“, betonte Engesser. Sie drückte ihre Hoffnung aus, dass sich noch Arbeitsmöglichkeiten für weitere ergäben.

Der jetzige Einsatz kann laut Engesser nur eine „Zwischenstation“ sein. Praktikums- und Ausbildungsplätze seien sehr wichtig – und die behördlichen Voraussetzungen dafür, dass die Flüchtlinge sie antreten dürften. Sie wünschte sich, dass sich die Ende Juli begonnene, positive Entwicklung fortsetze und somit den jungen Männern der Weg auf den Arbeitsmarkt erleichtert werde – und sie nicht mehr als ein Jahr zur Untätigkeit verdammt seien. Teilweise gebe es schon Ausbildungs-Angebote von örtlichen Betrieben, aber die Umsetzung scheitere noch an strikten Vorgaben der Arbeitsagentur.

In diese Kerbe hieb auch Bürgermeister Kunkel: Die Gemeindeverwaltung sei immer für Vorschläge von Firmen oder Organisationen dankbar, wo sich eine Einsatz- oder Arbeitsmöglichkeit ergeben könnte. Man werde im Rahmen der Möglichkeiten dazu beitragen, „den richtigen Deckel zum passenden Topf zu finden“. Und was meinen die fünf dazu? „Es macht Spaß“, kommt als Antwort zurück…

 

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