Die „Motte“ soll im Jahr 2030 wieder eröffnen: Scharbacher Kerweumzug schlängelte sich durch die Ortsstraßen

 

Die „Scharbescher“ haben einen guten Draht nach oben. Versteckte sich über die Mittagszeit die Sonne noch hinter einem eher grauen Himmel, so ließ sie sich pünktlich zum Beginn des Kerweumzugs blicken und heizte den Teilnehmern wie auch den Zuschauern entlang der Strecke kräftig ein. Für die oben auf den Wagen kein Problem: Sie hatten genug Flüssigkeit mit im Gepäck oder wahlweise schon intus.

Vom „Kühlen Grund“ an der Kreuzung nach Wahlen bis hoch zum Ober-Scharbacher Sportplatz war der Gaudiwurm eine knappe Stunde lang unterwegs. Vorweg natürlich – wie sollte es anders sein – in luftiger Höhe Kerwepfarrer Stefan Schmitt mit seinem Mundschenk Steffen Bauer, die auf ihre Untertanen herunterblickten. Die vielen Schaulustigen entlang der Strecke ließen sie ein ums andere Mal hochleben.

Die „Motte“, die ehemalige Kneipe an der Landesstraße nach Litzelbach, soll wiedereröffnet werden, wussten die „Ohrwürmer“ der Scharbacher Chöre. Und zwar pünktlich in 15 Jahren, am 9.8.2030. Die Kerwe-Kids hatten als Anhänger ein bemanntes Doppelsitzer-Kettcar dabei, während die Kerwejugend das Motto der diesjährigen Kerwe, das (Nacht-)Landleben, als Motto ihres Motivwagens gewählt hatte.

Die Hammelbacher Kerwejugend ist ebenfalls zu später Stunde unterwegs: „Scharbescher nächtlische Faxe blous Haxe“ hieß es dort. Die Gymnastikfreuen zeigten auf ihrem Wagen anschaulich, wie sie sich das Jahr über fit halten. Einer verlorenen Wette war der Transport der „Reitschul“ geschuldet: Die wurde ebenfalls angehängt und den Weg bis zum Festplatz gezogen, wo dann als Höhepunkt des gestrigen Tages die Kerwepredigt des „Kerweparres“ Stefan Schmitt folgte.

Den „Stalfe Ernst“ erwischte der Spott des Kerwepfarrers als Ersten. Der nämlich wollte beim Bauhof seinen Grünschnitt in den Container werfen, holte aber dabei so kärftig aus, dass es ihn hinterher zog. „Jetzt leigt der Kerl hilflos do drunne, is von Kopf bis Fuß total verschunne.“ Ein Aufgebot sämtlicher Rettungsdienste konnte der Ernst gerade noch so vermeiden. „Stellt me liewer e Laarer nunner. Isch häbbs iwwerlebt, des is e Wunner.“

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Die „Schneiders Karola“ hat’s nicht so mit den Zahlen, deckte Stefan Schmitt außerdem auf. Denn sie sollte den Wasserzähler ablesen und das Ergebnis an die Gemeinde melden, wusste er. Als man dort das Ergebnis in Augenschein nahm, war die Verwunderung groß. „Wo der Brief dann uff de Gemeinde war, könne die des kaum glawe und kumme goanz schey ins Stutze. Dut doann der Schneider jetz ah noch ein Wasserfall oder e Hallebad nutze.“ Des Rätsels Lösung: „Statts Wasser hoat die Madame de Stromzähler abgelese – do wäre die Gemeinde beinahe kernsaniert gewesen.“

„Vielen Dank für die Blumen“: Mit dem Musikstück hatte „de Owerles Uwe“ den Spott weg. Denn er hatte im Frühjahr, als auf dem Friedhof das Wasser noch nicht aufgedreht war, selbiges in der Gießkanne von Zuhause mitgebracht. Nur dabei die falsche Kanne erwischt, nämlich die, mit der er sonst dem Unkraut zu Leibe rückt. Ergebnis: Die Pflanzen „häwwe alle schlapp gemacht“. Ein schneller Austausch per Einkauf in der Gärtnerei blieb aber nicht unbeobachtet…

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David Linton als Bankräuber? Dem zweiten Vorsitzenden des Gesangvereins sitzt heute noch der Schreck in den Gliedern, wenn er an den Februar zurückdenkt. Denn nach dem Affolterbacher Banküberfall entsprach sein Aussehen dem der Fahndungsbeschreibung. „Umzingelt häwwe se ihn“, wusste der Kerwepfarrer zu berichten, anhand der Beschreibung „bärtich, 1,80, auswärtiches Kennzeiche, blaue Klamotte.“

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