Lehrerstundenkürzungen: Am Überwald-Gymnasium hat man Angst um das bisherige attraktive Angebot

Im Überwald ist man nicht glücklich mit der geplanten Umschichtung von Lehrerstellen aus der gymnasialen Oberstufe hin zum Pakt für den Nachmittag oder zur Inklusion. Sowohl der Schulleiter des Überwald-Gymnasiums (ÜWG), Reinhard Fahrenholz, als auch Volker Buser in Vertretung des Landrats machten dies beim Besuch von Dr. Manuel Lösel, dem Staatssekretär im hessischen Kultusministerium, in Wald-Michelbach deutlich.

„Die Kürzung tut uns sehr weh“, bedauerte Fahrenholz, dass am ÜWG dann acht Lehrerstunden in der Oberstufe abgezogen werden sollen. „Wir haben Angst, ob wir das bisherige attraktive Angebot weiter beibehalten können“, machte er seiner Sorge Luft. Allerdings habe man weiter den Anspruch, „mit größeren Gymnasien konkurrieren zu wollen“. Sollte sich noch die Möglichkeit der Unterstützung der kleinen Schulen ergeben, meinte er in Richtung Lösel, „wären wir dankbar dafür“.

Kreisbeigeordneter Volker Buser fand schon deutlichere Worte. Für kleine Gymnasien im ländlichen Raum sei das Vorhaben des Landes „eine bedrohliche Situation“, sagte er mit Blick aufs ÜWG. „Die kleine Oberstufe würde sogar in ihrer Existenz gefährdet sein.“ Er habe keinen Zweifel, dass die Änderung negative Auswirkungen auf die Angebotsvielfalt bei den Kursen haben werde. 28 Schüler in Leistungskursen werden Buser zufolge dann „keine Seltenheit mehr sein“.

Er sah die hohen Investitionen des Kreises in seine Schulen durch das Herunterfahren von landesweit 160 Lehrerstellen „konterkariert“. Auch widerspreche dies einem zentralen Wahlversprechen der Landesregierung. Die Lehrerzuweisung von 104 Prozent in der Oberstufe, vor zwei Jahren eingeführt, werde so bald wieder unter 100 Prozent liegen. Laut Buser werden die Auswirkungen auch in Bezug auf die Bildungsqualität „schön geredet“.

„Unser Schwerpunkt lag und liegt in der Bildung“, sagte er. „Bildung braucht Lehrer“. Deshalb werde seines Erachtens „an der falschen Stelle gespart“. Mit der Sanierung der Schulgebäude und den Neubauten habe der Kreis die Voraussetzung für die Förderung des Rohstoffs Bildung geschaffen. „Das Land muss diesen Rohstoff weiterhin fördern“, forderte er.

Im Zusammenwirken mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Peter Stephan hatte Bürgermeister Joachim Kunkel die Runde aus Überwald-Schulleitern von Grund- und weiterführenden Schulen (plus Hirschhorn und Gorxheimertal) sowie Elternvertretern und Mitgliedern des Staatlichen Schulamts nach Wald-Michelbach eingeladen. Neben dem genannten Punkt ging es allgemein um Lehrerversorgung, Arbeitsverträge, Übernahme von Referendaren, das Projekt GSWS, Stundenzuweisungen und den Pakt für den Nachmittag. Von ihm sei die besondere Situation der Überwald-Schulen im ländlichen Raum thematisiert worden, so Kunkel.

Dr. Lösel wertete es als „unheimlich interessant“, wie eng hier die Kooperation zwischen den Grund- und weiterführenden Schulen sei. Der Übergang „von 4 zu 5“ sei der wichtigste innerhalb des Schullebens. „Wo geht die Reise hin“ laute für Kinder und Eltern die Frage. Die Entscheidung habe wiederum viel mit den Schulprofilen zu tun. „Es gibt für die Eltern nichts Schlimmeres, als wenn die Kinder unglücklich sind.“ Die Koordination dieses Wechsels sei deshalb „richtig und wichtig“. Dass das ÜWG schon frühzeitig mit einem Elternbrief informiere, wertete er als vorbildlich. Damit gestalte man „einen reibungslosen Übergang“.

Von der Karrillon-Schule nehme er die Anregung mit, dass mehr Planungssicherheit in Bezug auf die zusätzlichen 2,5 Lehrerstellen beim Pakt für den Nachmittag gewünscht werde. Im Kultusministerium solle hierzu geprüft werden, „was möglich ist“. Die Deutsch-Förderung in frühem Alter werde nicht zurückgefahren, sagte Lösel. Vielmehr gebe es sogar zusätzliche Angebote für über 18-jährige Flüchtlinge unter dem Stichwort „Intea“.

Der Staatssekretär betonte, es gebe keine Stellenkürzung im System. Die sich durch den demografischen Wandel ergebenden personellen Überschüsse reichten aber nicht aus, um den Bedarf bei Inklusion und Pakt für den Nachmittag zu decken. Im Rahmen der „Solidargemeinschaft“ würden zusätzlich 160 Stellen aus den gymnasialen Oberstufen dorthin „umgelenkt“, davon acht Stunden am ÜWG Wald-Michelbach.

Landtagsabgeordneter Peter Stephan hob die besondere Schulsituation im Überwald hervor. „Wo so viel Engagement ist, darf man auch Forderungen stellen“, meinte er Blick auf einige Themen, die in der dem Pressegespräch vorangegangenen Diskussion genannt wurden. Allerdings sei nicht jeder Wunsch erfüllbar. Es gelte zu prüfen, wie die Existenz kleinerer Gymnasium auf Dauer sichergestellt werden könne. Er sprach auch den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule an, wo ebenfalls frühzeitig gefördert werden solle. Die Schulvoraussetzungen im Kreis Bergstraße wertete Stephan als sehr gut.

Hier pflichtete ihm Thomas Wilcke, Leiter der Eugen-Bachmann-Schule, bei. „Der Kreis hat den Schulstandort sehr gut aufgestellt.“ Wenn die Baumaßnahmen an seiner Schule beendet seien, „sind wir sehr zufrieden“. Er hoffe, dass sich auch die personelle Situation zur Zufriedenheit aller einpendle.

Die wachsende Attraktivität des ÜWG machte die Rektorin der Hirschhorner Neckartal-Grundschule, Christel Herrmann, deutlich. Drei ihrer Viertklässler wechselten zum neuen Schuljahr in den weiter entfernten Überwald. Sie sah das hiesige neunjährige Gymnasium gegenüber den näher gelegenen Schulen in Eberbach oder Neckargemünd als Standortvorteil an. Dass Staatssekretär Lösel die ganze Materie aus eigener früherer Schulleiter-Erfahrung kenne, wertete sie als positiv.

Stefanie Werle-Wittmann vom Staatlichen Schulamt kündigte als Resultat aus dem Gespräch ein eigenes Treffen mit den Grundschulen an. Erster Beigeordneter Manfred Gölz wies in diesem Zusammenhang auf die guten Leistungen in Kindergärten und Grundschulen der Gemeinde hin. „Die Qualität der Erziehungsarbeit kann als hervorragend bezeichnet werden“, pflichtete ihm Kunkel bei. Als bodenständige Überwälder „haben wir einen Blick fürs Machbare“, meinte er abschließend.

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