„Es sollte gelingen, einen Dorfladen in Unter-Abtsteinach mit einer schwarzen Null zu führen“

Geht man nach der großen Resonanz auf die Infoveranstaltung, dann müsste ein Dorfladen in Unter-Abtsteinach realisierbar sein. Die Dorfwerkstatt hatte eingeladen, um über das Konzept zu informieren und gleichzeitig das Interesse an einer Mitarbeit abzufragen. An die 100 Bürger kamen in die Schulturnhalle – so viele, dass die zur Verfügung stehenden Rückmeldezettel nicht ausreichten.

Auf dem Podium saßen seitens der Dorfwerkstatt Vorsitzende Bettina Schork und Willy Schröder sowie von der Zukunftsinitiative Überwald (ZKÜ) Geschäftsführer Sebastian Schröder. Willy Schröder skizzierte mit Blick auf die Nahversorgung sowohl die Situation in den ländlichen Regionen Deutschlands allgemein als auch speziell für den Ortsteil.

Mit der Bäckerei Schmitt habe vor knapp einem Jahr der letzte noch verbliebene Einzelhändler dicht gemacht, verdeutlichte Schröder. Seitdem bleibe der Bevölkerung in punkto Grundversorgung nur der Weg zum Bäcker nach Siedelsbrunn oder Richtung Heiligkreuzsteinach – wenn man den Discounter in Ober-Abtsteinach außen vor lasse. „Sonntags trifft man viele aus Schönmattenwag und Abtsteinach beim Bäcker in Siedelsbrunn“, schmunzelte er.

Die Vorteile eines Dorfladens liegen laut Schröder klar auf der Hand: Einsparung von Fahrtkosten, kurze Wege für Ältere sowie Einkaufs- und Imbissmöglichkeiten für die Gäste der alla-hopp-Anlage. Daneben sei ein solcher Laden „Frequenzbringer und Kommunikationszentrum“, betonte er. Mit der Schließung der Bäckerei Schmitt sei eben dieser „wichtige Ort fürs gesellschaftliche Leben“ weggefallen. Es gebe aber eine wichtige Vorbedingung: „Die Menschen müssen den Laden wollen und auch annehmen.“

Dorfläden, betonte Schröder, deckten nie den kompletten Grundbedarf des dörflichen Lebens, „aber sie machen es komplett“. Das Fehlen von Supermärkten und Gaststätten sei „eine Überlebensfrage“ für den ländlichen Raum. „Neue Versorgungswege sind gefragt“, meinte Schröder. Die Zahl der älteren Menschen, die eine Nahversorgung direkt vor Ort brauchten, steige auf dem Land stärker als in der Stadt.

Mit den Dorfläden lasse sich „ein wichtiges Stück Infrastruktur erhalten“, sagte er. Ihre Zahl steige bundesweit kontinuierlich. Ein Ortsteil wie Unter-Abtsteinach mit 1000 Einwohnern „muss über eine Einkaufsmöglichkeit verfügen“. Allerdings müsse sich auch ein Dorfladen einpassen, neue Versorgungswege wie E-Commerce seien gefragt. Die Dorfwerkstatt wolle mit der Veranstaltung aufzeigen, „dass wir hier eine Chance haben“, erläuterte Schröder.

Wenn er auch betonte, dass sich das Projekt derzeit in der Infophase befinde, gab es Schröder zufolge doch bereits einige Abklärungen. Martina Schmitt würde einem Dorfladen ihr bisheriges Geschäft für eine überschaubare Pacht zur Verfügung stellen. Die Bäckerei Jäger aus Siedelsbrunn würde die Brötchen liefern, die Metzgerei Beisel aus Heiligkreuzsteinach Wurst- und Fleischwaren. „Hier gibt es klare Aussagen“, betonte Schröder. Martina Heller von der FWV, die nicht teilnehmen konnte, hatte ihm extra ein Schreiben zukommen lassen, in dem sie ihre Unterstützung sowohl durch eine Einlage als auch durch den Einsatz von Arbeitskraft signalisierte.

Eine zusätzliche Überlegung wäre, das Standardsortiment anzureichern mit frischen regionalen Produkten und gegebenenfalls weiteren Dienstleitungen wie etwa einer Annahmestelle für Wäschereinigung. Auch ein Imbiss, wie er bereits zuvor dort bestanden hatte, wäre eine Option. Mit einem Beispiel aus der Oberpfalz verdeutlichte Schröder, dass das Konzept Dorfladen bestens funktionieren könne. Natürlich „hat jeder Ort sein eigenes Profil, das man auch suchen muss“.

Willy Schröder hatte zuvor darauf hingewiesen, dass bereits acht Millionen Deutsche weder Supermarkt noch Post in ihrer Nähe hätten. Gerade in ländlichen Regionen sei die nächste Einkaufsmöglichkeit oft mehr als einen Kilometer entfernt. Im Falle Unter-Abtsteinachs seien es sogar zwei, wenn man den Discounter im oberen Ortsteil heranziehe. „Wer kein Auto hat, ist vom Warenangebot abgeschnitten.“

Der demografische Wandel verbinde vielerorts abnehmende Kaufkraft mit der Schließung von Einrichtungen und Geschäften. In den vergangenen 50 Jahren, meinte Schröder, sei die Zahl der Lebensmittelhändler deutschlandweit um 80 Prozent zurückgegangen – „bei uns sogar um 100 Prozent“. „Wenn wir was erreichen wollen, dann geht das nur über uns“, hob er die notwendige Eigeninitiative der Bürger hervor.

„Wir brauchen Bürger, die es im Vorfeld in die Hand nehmen“, sagte Stefan Knapp seitens der Dorfwerkstatt. Aber auch auf Dauer seien engagierte Leute nötig. „Wir wollen den Dorfladen nicht zur Bewirtung der Touristen, sondern zur Ergänzung unserer Nahversorgung“, so Knapp. Für den weiteren Fortgang seien Rückmeldungen und „die Bekundung ernsthaften Interesses“ notwendig.

Info: Da die Zettel mit der Möglichkeit der Rückmeldung oder Teilnahme, aber auch für mögliche Anregungen, aufgrund des großen Andrangs ausgingen, besteht die Möglichkeit, weitere Exemplare bei Willy Schröder, Hauptstraße 24, Telefon 06207-6944, oder Bettina Schork, Eiterbacher Weg 14, Telefon 06207-7536, zu erhalten. Beide nehmen auch die ausgefüllten Blätter entgegen.

Drei mögliche Geschäftsmodelle gibt es laut Sebastian Schröder von der ZKÜ für einen potenziellen Dorfladen. Er skizzierte diese mit Anlehnung an das Café am Markt in Hammelbach, das auf Initiative der Gemeinde als eingetragene Genossenschaft gegründet worden sei. Dort sei Ähnliches wie in Unter-Abtsteinach passiert, indem der vorherige Betrieb an dieser Stelle geschlossen worden war.

Wie Schröder verdeutlichte, „kann man mit einem Dorfladen keine Gewinne erwirtschaften“. Denn sonst würde ihn längst ein Einzelhändler auf eigene Rechnung betreiben. Es gehe bei diesem Konzept um „eine kostendeckende Alternative“. Anhand der Zahlen aus Hammelbach mit Berücksichtigung der Unter-Abtsteinacher Verhältnisse kam er bei einer ersten Planrechnung auf ein Nullsummenspiel bei Einnahmen und Ausgaben.

„Es sollte gelingen, einen Dorfladen mit einer schwarzen Null zu führen“, war Schröders Fazit. Allerdings müssten noch spezielle örtliche Fragen geklärt werden wie Öffnungszeiten, Sortiment, Preisniveau, Toilettennutzung (bei Kioskbetrieb) und schließlich die Rechtsform. Eine GmbH dürfte laut des ZKÜ-Geschäftsführers für die Unter-Abtsteinacher Zwecke unpraktikabel sein.

Am gängigsten ist seinen Worten zufolge die Genossenschaft. Bei ihr gebe es kein Mindestkapital und nur geringe Gründungskosten. Ein anderer machbarer Weg wäre eine Vereinsgründung speziell für diesen Zweck. Es dürfe dabei kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb entstehen, weshalb der Satzungszweck genau definiert werden müsste, sagte er.

Schröder verband seine Vorstellung mit zwei direkten Fragen an die Besucher: „Würden Sie in den Dorfladen gehen, wenn die Waren dort etwa zehn bis 15 Prozent mehr als im Discounter kosten?“ Darauf gingen etwas mehr als Hälfte der Arme nach oben. Und: „Würden Sie einen gewissen Betrag jährlich zur Unterstützung beisteuern?“ Hier war es dann etwas weniger als die Hälfte der Anwesenden, die den Arm hob.

In der anschließenden Diskussion ging es um die Frage der Wirtschaftlichkeit, mögliche Öffnungszeiten, die unternehmerische Verantwortung oder gesundheitsrechtliche Vorschriften. Über den Sommer werde man im Hintergrund weiterarbeiten, sagte Willy Schröder abschließend, und dann im September wieder an die Öffentlichkeit gehen. Bezug nehmend auf die Resonanz nach der Veranstaltung meinte er, dass die Tendenz in Richtung einer Genossenschaft gehe.

 

 

 

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