Eine Reise in längst vergangene Zeiten: Zehn Museen waren bei der Überwälder Traumnacht „in Aktion“

Es war wie eine Zeitreise 50, 80 oder 100 Jahre zurück: Eine alte Registrierkasse erinnerte an Kaiser- und Weimarer Zeit, der Gemischtwarenladen ließ die Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig werden: Das Museum für historische Reklame und Läden bietet auf kleinstem Raum einen Blick zurück in die Zeit zwischen 1900 und 1960, lässt die Besucher in Nostalgie schwelgen.

Und davon waren es viele während der Überwälder Traumnacht, die einen Blick in einen der vier Original-Läden mit den Artikeln aus eben dieser Zeit werfen wollten. Das Museum war aber nur eine von vier Stationen in Hammelbach, die bei der Traumnacht die Gäste in Scharen anlockten. Zusammen mit einem ansprechenden Rahmenprogramm war dafür gesorgt, dass sich die Besucher vor allem in hinteren Bereich der Schulstraße bis weit in die Nacht aufhielten.

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Die Leidenschaft für alte Sachen entwickelte Peter Heiß bereits in seiner Jugend. Vor 20 Jahren fiel ihm das erste Emaille-Reklameschild in die Hände. Von da an wusste er: „Davon muss ich mehr haben.“ Als es im eigenen Haus immer enger wurde, folgte 2011 der Entschluss, einen Laden einzurichten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, genauso wenig wie die Resonanz: Immer mehr Stücke erforderten eine Erweiterung.

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Nachdem Garage und Werkstatt als neue Räume umgebaut worden waren, sind seit Frühjahr 2014 hunderte Original-Artikel und zahlreiche Emaille-Reklameschilder in historischem Ambiente am Ende der Schulstraße zu finden. Dr.-Oetker-Puddingpulver, noch volle Coca-Cola-Flaschen, Zopfspangen, Persil-Waschmittel und unzählige andere Waren aus alten Tante-Emma-Läden gibt es hier zu bestaunen.

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Auch Fritz Röth ist jemand, der sich mit Herz und Seele einer Sache verschrieben hat: dem Motorrad. Seit 1873 gibt es bereits die Firma in Familienhand, zu den Hoch-Zeiten war man in Deutschland Generalimporteur für 40 Motorradmarken und vertrat 800 Händler. „Mein Herz hängt an den alten Maschinen“, sagt Fritz Röth, als er vor einem Moto Guzzi-Gespann aus dem Jahr 1934 steht. „Die läuft noch wie eine Eins“, meint er stolz über diesen Blickfang vor dem Eingang des Motorradmuseums.

Dort gab es daneben alte Modelle von Suzuki oder Ducati zu sehen, aber auch Trophäen von ZR-Fahrern, einstigen Deutschen Meistern, Vize-Weltmeistern und mehr. Denn die Röths statteten immer auch die Rennteams aus – oder saßen wie Fritz Röth selbst oft genug im Sattel.

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Als wäre es heute, erinnert sich Röth an seine erste Begegnung mit der Faszination Motorrad zurück: Als Elfjähriger musste er eine Miele mit 98 ccm und 3 PS von Weschnitz zur Werkstatt schieben. „Nachdem der Bürgermeister zuvor mit ihr in den Graben gefahren war“, schmunzelt er. Nach ausgiebigem „Beschnuppern“ setzte er sich selbst auf die Maschine und zuckelte über die Wiese des Nachbarn. Danach war Röths Weg quasi „vorgezeichnet“: Bereits als 14-Jähriger fuhr er mit einer 125er NSU Rennen mit.

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Unweit des Motorradmuseums, im alten Schultheißenhaus, zeigten die Eisenbahnfreunde in ihren Vereinsräumlichkeiten neben alten Eisenbahnutensilien mehrere Modellbahnanlagen. Sechs bis acht echte Bastler gibt es in ihren Reihen. Verschiedene „Spuren“, wie die Gleisbreiten der Modelleisenbahnen heißen, finden sich bei den im Zimmer untergebrachten Anlagen. Dazu zählt auch eine alte „Spur 0“ von Märklin, die „Mutter aller Modelleisenbahnen“ und erste von der Firma hergestellte aus der Vorkriegszeit. Eine Spur N ist ebenso dabei wie die Spur G, wobei das G für Gartenbahn steht.

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„Licht, Bilder und Skulpturen“ hieß es in der evangelischen Kirche, während oberhalb in der gotischen Kapellruine alle halbe Stunde klassische Musik gespielt wurde. Nachtwächter Aloys Dörr hatte zwei al am Abend „volles Haus“. Jeweils fast 30 Gäste wollten seine Rundtour entlang der nostalgisch beleuchteten Museumsmeile mit dem Pranger sowie Abstechern in die benachbarten Gassen verfolgen.

Im historischen Zent-Rathaus in der idyllischen „Gass“ ist in Wald-Michelbach das Heimatmuseum untergebracht. „Der Wald als Lebensgrundlage des Überwaldes“ und die größte Kleiderbügel-Sammlung Deutschlands waren dort zu sehen. Landwirtschaftliche Gegenstände, Sattlerwerkzeuge, eine Schuhmacherwerkstatt, ein kleiner Schulsaal, die Bergbauabteilung mit Mineralien-Sammlung, das „Adam-Karrillon-Zimmer“ und vieles mehr gab es zu entdecken. Im Stoewer-Museum wird das Wirken der Automobil-Pioniere Stoewer in Stettin gewürdigt wird.

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Das Einhaus war das Zentrum der Überwälder Traumnacht. Hier herrschte bis nach Mitternacht, als die beeindruckende Lasershow über die Bühne gegangen war, ein stetes Kommen und Gehen. Der Backofen glühte auf Hochtouren, spuckte, von Dieter Kunkel bedient, ein ums andere Brot und Flammkuchen aus. Das Lapidarium, die Sammlung bearbeiteter historischer Steine, wurde mit Einbruch der Dunkelheit schön illuminiert. Die „Travellers“ unterhielten dazu ihr Publikum bestens.

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Die Museums-Druckerei im Heag-Turm am Wetzkeil wurde 2002 eingerichtet und vermittelte einen guten Eindruck von der Arbeit einer Druckerei Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert. Sie umfasst eine komplette Setzerei, die Druckerei und die Buchbinderei. In der Aschbacher Heckenmühle konnte man an Führungen durch das historische, seit 1996 stillgelegte Mühlengebäude teilnehmen und die modernen Anlagen besichtigen. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde das weitläufige Gelände mit vielen Windlichtern und Lagerfeuern romantisch beleuchtet.

In der Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach wurden Lieder aus verschiedenen Ländern und Zeitepochen gespielt. Begleitend konnten Interessierte Informationen zur Geschichte der Jugendstilkirche von Prof. Friedrich Pützer aus dem Jahre 1906 erhalten. Die katholische Kirche St. Bonifatius Ober-Abtsteinach war erstmals Gastgeberin. Führungen in der im 17. Jahrhundert erbauten, stattlichen Barock-Kirche gaben Gelegenheit, die Besonderheit dieses Kleinods zu würdigen.

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