Der Wald-Michelbacher Sebastian Michel geht die „Bankenkrise im Überwald“ an

Eine „Bankenkrise im Überwald“? Bewusst eindeutig-zweideutig hatte Sebastian Michel vor einiger Zeit den Titel seiner Bachelorarbeit formuliert. Denn nicht die Finanzinstitute waren Thema seiner Betrachtung, sondern der Zustand der Ruhebänke im Überwald. Aus Bachelor wurde Master, dem theoretischen Projekt folgt die praktische Umsetzung: Am 8. Juli, 10 Uhr, wird die erste von Michel konzipierte Bank nahe der Sommerrodelbahn an der Infohütte auf der Kreidacher Höhe offiziell eingeweiht.

Als der Wald-Michelbacher Student vor mehr als drei Jahren ein Thema für seine Bachelorarbeit in Kommunikationsdesign suchte, führte ihn seine Überlegung in den heimischen Überwald. „Ich entwickelte ein Konzept, das meine Leidenschaft zu Design und die Verbundenheit zur Heimat zusammenbrachte“, so der Student an der Mannheimer Hochschule.

Denn Michel war aufgefallen, dass viele Sitzbänke abseits der bekannten Wege in keinem guten Zustand waren. Unter dem Titel „Bankenkrise“ habe er dann eine fiktive Kampagne entwickelt, wie dem fortschreitenden Verfall entgegengewirkt werden könne. Diese sollte private wie öffentliche Investoren zum Spenden neuer, moderner Holzmöbel motivieren. „Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass kaputte und veraltete Holzbänke in den Wäldern und Naherholungsgebieten dominieren“, sagt er.

Nach dem Bachelor-Abschluss wollte er das Projekt nicht ruhen lassen, erläutert Michel. Viel positives Feedback aus unterschiedlichsten Richtungen „hat mich ermutigt, das Projekt ‚Bankenkrise‘ zu verwirklichen“. Während der vergangenen beiden Jahre habe er sich Stück für Stück auf das bis dato noch unbekannte Feld der Realisierung „gewagt“ – und der Idee eine Firmengründung folgen lassen.

Den Weg dorthin dokumentiert laut Michel die anstehende Masterarbeit. „Das hier gesammelte Wissen und die gemachten Erfahrungen sind Dokumentation und praxisnaher Wegweiser zugleich.“ Allgemeine Tipps, Tricks und Wissenswertes sollen helfen, viele Fragen auch in anderen Branchen zu beantworten, ist die Intention des 30-Jährigen. „Es soll zudem ein Mutmacher für alle Freidenker und Ideenschöpfer sein: Realisiert ausgefallene Projekte, legt sie nicht in die Schublade und lasst sie nicht in Vergessenheit geraten.“

Nach der grauen Bachelor-Theorie hielt die Master-Praxis viele Herausforderungen parat. Da ging es um die Rechtsform des zu gründenden Unternehmens (das jetzt den Namen „exklusivHolz“ trägt), die Markenentwicklung oder die Produktion. Aber auch Standortfindung, Behördengänge und Sponsorensuche wollten bewältigt sein. Als Dokumentation „gibt’s darüber ein ganzes Buch“, schmunzelt Sebastian Michel. Zwei Jahre Vorarbeit lieferten dafür einiges an Material.

Unterstützung erfährt er an der Mannheimer Hochschule von seiner Professorin. Die kommt eigentlich aus Berlin, war aber in Kinderjahren zum Urlaub oft im Überwald. Damit war der Bezug zur Region gegeben. „Sie bat mich, nach dem Bachelor das ganze Projekt auch in der Praxis umsetzen“, erzählt der Student. Deshalb sei er noch einmal grundsätzlich ans Thema rangegangen und habe „im Master-Studiengang alles neu geplant“.

Rainer Türk vom Odenwaldklub war bei der Verwirklichung einer der ersten Ansprechpartner für Michel. Von dem erfuhr er, dass etliche Bänke nicht auf entsprechenden Karten verzeichnet seien, weswegen sie auch nicht instand gehalten werden könnten – weil man nichts von ihnen wisse. Das führte ihn zum Schluss, „dass meine Bänke verzeichnet sein müssen“. Jede Sitzbank werde deshalb mit GPS-Koordinaten versehen, „um ihre Pflege zu sichern“.

Aber nicht nur die Koordinaten möchte der Student vermerken, sondern auch Infos zum jeweiligen Bankpaten (Nachahmer werden gesucht), zur Umgebung, zur Bank an sich. Und eventuell auch einen QR-Code, über den Besucher auf eine Homepage geleitet wird, der er eine Karte und Erläuterungen entnehmen kann. Die Bank auf der Kreidacher Höhe, die bereits vom Wald-Michelbacher Bauhof aufgestellt wurde, ist Michels Pilotprojekt (für das sich aber auch noch gerne ein Pate einbringen kann). Anhand ihrer Herstellungskosten könne man nun den Preis für kommende Sitzbänke kalkulieren, sagt er.

Dem Weg zur ersten eigenen Bank war viel Arbeit und Abklärung vorgeschaltet. Über Udo Schork von der Wirtschaftsvereinigung wurde der Kontakt zu Sebastian Schröder von der ZKÜ hergestellt. Der wiederum holte Dirk Dewald vom Geopark ins Boot, weil dieser für die Aufstellung zuständig sei. Termine mit den Überwald-Bürgermeistern folgten für Michel.

Aus dem Gespräch mit Wald-Michelbachs Joachim Kunkel kristallisierte sich die Kreidacher Höhe als erster Standplatz heraus – auch vor dem Hintergrund der dortigen Touristenströme. In Abtsteinach ist laut Sebastian Michel eine Bank am Kunstwanderweg angedacht, in Wahlen beim Drachen in der Nähe des Spielplatzes. Letztere in Zusammenarbeit mit der Initiative „Wir sind Wahlen“. Ziel sei es aber auch, die Sitzgelegenheiten in spe auch für Privatleute anzubieten, die sie sich im eigenen Garten aufstellen wollen.

Wichtig ist dem Studenten der ökologische und regionale Aspekt. Für die Sitzflächen nimmt Michel Douglasienholz, für die Blöcke Eiche. Idealerweise, sagt er, „soll die Bank dort stehen, wo in der Nähe der Baum geschlagen wurde“. Auch Sägewerk, Schreinerei und Schlosserei, die an der Herstellung beteiligt sind, befinden sich seinen Worten zufolge im Überwald.

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