DRK-Übung: Suchhunde sind im Steinbruch vermissten Schülern auf der Spur

Wie ein Blitz schießt „Joy“ um die Ecke. Sie schnüffelt aufgeregt am Boden und in der Luft herum, rennt ein Stück weiter, umkreist den Bagger – und schlägt an: In der Schaufel liegt ein Verletzter. Schnellt eilt die Helfergruppe um Frauchen Julia Zaman hinzu. Zum Glück alles nur übungsweise: DRK-Ortsverband Hammelbach und Rettungshundestaffel Bergstraße/Odenwaldkreis führten gemeinsam eine Personensuchübung im Steinbruch Hintenlang bei Gras-Ellenbach durch.

Der stellvertretende Hammelbacher Bereitschaftsleiter Michael Fischer hatte das Szenario ausgearbeitet. Demnach war eine Schülergruppe zu Lehrzwecken im Steinbruch unterwegs. Durch einen Geröllrutsch sei Panik ausgebrochen und die Schüler flüchteten. Später stellte eine Aufsichtsperson fest, dass vier Personen fehlten. Nach Meldung über die 112 wurden laut Fischers Übungsannahme das ortsansässige DRK und die Rettungshundestaffel alarmiert.

Von den Hammelbachern wurde im Anschluss übungsweise die Einsatzleitung aufgebaut. Die Mitglieder der Rettungshundestaffel bekamen dort Infos über die Lage. Zwei Teams mit je vier Helfern suchten Fischer zufolge in zwei Gebieten nach den Vermissten. Vom DRK gab es dazu einen Tragetrupp zur Bergung. Die „Verletzten“ wurden danach an den mittlerweile eingetroffenen Rettungsdienst übergeben.

„Im unübersichtlichen Steinbruch ist das DRK nicht in der Lage, alles abzudecken“, sagte Bereitschaftsleiter Norbert Ullmann. Die Live-Übung diene dazu, mit der Rettungshundestaffel erstmals das gemeinsame Vorgehen zu proben: „Was machen die Hundeführer?“, wie gehe man weiter vor, was stehe beim Szenario im Vordergrund. „Gerade wenn‘s um mehrere Personen geht“, sei eine Einbindung der Hundestaffel ratsam.

„Bis jetzt habe ich einen sehr positiven Eindruck“, so Ullmann in einer Zwischenbilanz. Der bestätigte sich dann auch in der Schlussbilanz. „Die Übung ist richtig gut gelaufen“, so Michael Fischer in seinem Resümee. Das Übungsziel sei erreicht worden, „alle war sehr positiv angetan und haben wertvolle Erfahrungen mitgenommen“.

Knapp 30 Helfer und elf Hunde waren an diesem verregneten Tag im Steinbruch im Einsatz. Das Hammelbacher DRK stellte acht Personen, dazu kamen 14 Mitglieder der Rettungshundestaffel, sechs Mitglieder vom JRK Birkenau als Notfalldarsteller und natürlich die Hauptpersonen, pardon, -tiere: sieben Suchhunde für die Fläche und vier „Mantrailer“, also Personenspürhunde.

„Im Prinzip sind alle mittelgroßen Hunde geeignet“, räumte der zweite Vorsitzende der Rettungshundestaffel, Ronny Haker, mit dem Vorurteil auf, dass Bernhardiner wie „Barry“ oder Berner Sennenhunde mit Glöckchen und Trinkfläschchen um den Hals Vermisste aufspüren würden. „Labradore, Golden Doodle oder Mischlinge mittelgroßer Rassen sind der Normalfall“. Denn es komme auf die zwei- bis dreijährige Ausbildung an und nicht auf den Hundetyp.

Bei der Rettungshundestaffel seien „nur Privatleute mit ihren eigenen Hunden“ aktiv, erläuterte Haker. Als „zeitintensiv und anstrengend“ bezeichnete er die „Arbeit im Hochleistungsbereich“. Denn es gehe für die Menschen um die Themen Erste Hilfe, Funk und Einsatztaktik, die Hunde wiederum müssten in der Ausbildung mit vielen neuen Faktoren rund um Mensch und Umwelt bekannt gemacht werden.

Die Übung in Grasellenbach nannte Haker „super“, weil sie nicht den normalen Trainingseinheiten der Gruppe entspreche – „aber mit diesem Szenario durchaus möglich ist“. „Wir lernen voneinander“, bezeichnete auch Ullmann als Vorteil. So sei etwa jemand vom DRK den Hundeführern beigestellt, der dann die weitere medizinische Versorgung übernehme.

Prinzipiell, so Ullmann, könnten in diesem Szenario auch die Betreuer vor Ort (BvO) des DRK Hammelbach zum Einsatz kommen. Denn dort nimmt man am Pilotprojekt des Kreises Bergstraße teil, bei dem DRK-Helfer zu einer Art „Notfallseelsorger“ im örtlichen Bereich ausgebildet werden. Es gehe darum, Angehörige und Freunde von Unfallopfern nicht allein zu lassen. Wenn es sich wie bei der aktuellen Übung um eine Schülergruppe handle, deren Mitglieder vermisst würden, sei dies ein optimaler Ansatzpunkt für die BvO, erläuterte Ullmann.

„Es gibt keine Situation, die immer gleich ist“, hob der Bereitschaftsleiter die Wichtigkeit der gemeinsamen Übung hervor. „Wir lernen aus allen Szenarien.“ Auch Ronny Haker bestätigte, „dass wir immer wieder neue Erfahrungen mit nach Hause nehmen“. Nicht bei allen Hilfsorganisationen sei die Arbeit der Rettungshundestaffel bekannt. Es sei wichtig für die Helfer zu wissen, „wie der Hund sucht“.

Damit die Übung authentisch ablief, gab es „professionelle“ Verletzte. Denn beim Jugendrotkreuz Bergstraße ist die Abteilung Notfalldarstellung angesiedelt, deren stellvertretender Leiter Sebastian Weidner vom JRK Birkenau mit fünf Mitgliedern an der Übung teilnahm. „Wir werden aus dem ganzen Kreis angefragt“, sagte Weidner, verstärkt natürlich in den Sommermonaten.

Die Darsteller durchlaufen einen Ausbildungs-Grundlehrgang, in dem sie in Schminken und Darstellung geschult werden. „Mitmachen kann jeder aus allen Rettungsorganisationen“, so Weidner. Timo Lammer vom Natursteinwerk Hintenlang, das dem DRK sein Betriebsgelände für die Übung zur Verfügung stellte, schaute auch im Laufe des Tages vorbei, um sich vor Ort über die Übung zu informieren.

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