Sonnwendfeier in Scharbach: Über 50 Kinder suchten musikalisch den kleinen Eisbär

„Der kleine Eisbär ist weg“ – und über 50 Kinder gingen musikalisch auf die Suche nach ihm: Die Sonnwendfeier der Scharbacher Chöre auf dem Hof der Familie Nicolai startete mit der Aufführung eines Kindermusicals, das erst am gleichen Nachmittag einstudiert worden war. Mit einem Sonnwendfeuer wurde danach der Abend eingeläutet, der bis in die späten Stunden viele Darbietungen der gastgebenden Chöre sowie befreundeter Musiker und Gruppen bereithielt.

Beim Kindermusical kooperierten die Scharbacher „Ohrwürmer“ unter der Leitung von Susanne Hoffmann-Rettig mit dem Schulchor der Ulfenbachtal-Grundschule unter der Leitung von Christina Speck. Beide Chöre konnten zuvor schon ein wenig Einblick ins Musical gewinnen. Es waren aber ausdrücklich auch Kinder angesprochen, die normalerweise nicht in diesen Chören singen – und einige folgten spontan an diesem Nachmittag dem Aufruf.

Die kurze Aufführung im überfüllten Hof wurde zu einem großen Erfolg. Die Kinder heimsten für ihre Darbietung viel Beifall ein. Sie waren voll im Stück drin und agierten „sehr diszipliniert“, wie Susanne Hoffmann-Rettig am Ende auch den „professionellen Umgang mit dem Mikro“ lobte. „Ihr habt das super gemacht“, sagte sie.

In der Projektwoche der Schule sei das Stück schon einmal „angeprobt“ worden, erläuterte Hoffmann-Rettig. Dabei wurden auch die Sprechrollen verteilt. Wer am selben Tag noch dazukam, durfte dann im Chor mitsingen. Kinder aus dem näheren Umkreis im Altern zwischen fünf und zehn Jahren kamen beim Konzert zusammen, aus der Ulfenbach-Grundschule, aber auch Geschwister und Teilnehmer aus dem Freundeskreis.

An diesem Nachmittag wurde gemeinsam die Choreografie einstudiert, die Bühne eingerichtet und wurden die zu spielenden Tiere eingeteilt. „Die Kids waren gleich voll dabei“, so die Chorleiterin. Die Kooperation mit der Schule soll laut Hoffmann-Rettig auch in Zukunft so weitergehen. Als Belohnung ging’s danach aufs Feld zum Sonnwendfeuer, wo es Folienkartoffeln und Stockbrot als Belohnung gab.

Die Erwachsenen blieben derzeit im Scharbacher Hasental bei Familie Nicolai und trotzten auch dem zwischenzeitlich einsetzenden Nieselregen. Große Schirme, Pavillons und Scheunenvordächer sowie ein reichhaltiges kulinarisches Angebot sorgten dafür, dass auch am späteren Abend die Bänke noch voll besetzt waren. Mehr als zufrieden war denn auch Vereinsvorsitzende Elke Myland-Stalf. „Mit so viel Publikum hätten wir nicht gerechnet“, meinte sie. „Ich bin sehr sehr positiv überrascht.“ Sie freute sich darauf, wenn die Kinder im nächsten Jahr beim großen Konzert „wieder mit dabei sind“.

Der Crescendo Chor eröffnete danach das Abendprogramm mit bekannten Stücken aus Pop und Rock. „Westerland“ von den Ärzten oder auch „Bohemian Rhapsody“ von Queen standen dabei ebenso auf der Setliste wie ein Stück von den Sportfreunden Stiller. Als Vorgeschmack auf das 2016 geplante große Konzert gab’s „Ewigkeit“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“ zu hören.

Danach ging es mit Folkmusik von Anzy Heidrun Holderbach, überregional bekannt durch ihre Folksbands „Greengrass“ und „Travellers“, weiter. Von „Irish“ bis „Gypsy“ reichte die Bandbreite, bei der sie mit Gitarre und Flöte für eine besondere Atmosphäre sorgte. Aber es war nicht nur Musik zu hören, sondern auch Kabarett zu sehen: Corina Tatzel alias „Margot“, die bereits über die Grenzen des Überwalds hinaus eine Fangemeinde hat, beschäftigte sich mit den Irrungen und Verwirrungen in Leben, Liebe und Beziehungen. Außerdem „übersetzte“ sie bekannte Popsongs in Odenwälder Dialekt.

Der MGV Wallonia Wahlen unter der Leitung von Ralf Eisenhauer und der MGV Affolterbach unter Martin Steffan hatten eine Überraschung für die Besucher parat. Beim Einsingen auf der Wiese entdeckte man „Schnittmengen“ bei den dargebotenen Liedern und bot diese kurzerhand gemeinsam dar. So gab’s eine Premiere mit 40 Sängern auf der Bühne und den Stücken „Das Tal in den Bergen“ und „Aus der Traube in die Tonne“. Zuvor hatten die Affolterbacher zwei Stücke aus der klassischen Männerchor-Literatur gesungen.

Bei der A-cappella-Gesangsgruppe „Die 4“ war der Name Programm. Denn sie besteht aus vier jungen, sehr talentierten Odenwälder Musikern, die moderne Pop- und Rocksongs auf die Bühne brachten. Valentina Gölz aus Hartenrod, die sich gerade auf die südhessischen Meisterschaften vorbereitet, führte später auf der Bühne einen Hip-Hop-Tanz auf.

Zu den verschiedenen Scharbacher Chören gehören auch „Die Jungs“, entstanden aus dem Wunsch, nicht mit den Mädchen zusammen singen zu wollen. Zehn von ihnen im Alter zwischen sechs und 13 Jahren haben sich in diesem Chor zusammengefunden. Rap, Pop und Deutschrock kennzeichnen die eigene Liedauswahl. Unter anderem „Au revoir“ von Mark Forster oder „Tage wie diese“ von den Toten Hosen kamen im Nicolai-Hof zur Aufführung.

Aktueller Popliteratur widmeten sich auch die Mädels von „Teenietuss“ im Alter zwischen zwölf und 25. „All About That Bass“ von Meghan Trainor zählte ebenso dazu wie ein Stück von den Ärzten. Der Sonntag hielt traditionelle Volkslieder „im weitesten Sinn“ vom Gemischten Scharbacher Chor für die Gäste parat. „Im schönen Wiesengrund“, „Die Gedanken sind frei“ oder „Kein schöner Land“ in moderner Bearbeitung wussten aufs Beste zu unterhalten.

Zusätzlich bereicherte der evangelische Kirchenchor aus Affolterbach den Nachmittag. Bereits im letzten Jahr gab er ein Volkslieder-Konzert und kam nun nochmals mit einem Auszug aus seinem Programm auf die Bühne. Das Publikum war ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen. Unterstützt wurde der Gesang von Jenny Marquard, Absolventin der Musikhochschule Trossingen, am Akkordeon.

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