Seniorenausflug Wald-Michelbach: Ein schöner Tag mit netter Gesellschaft und vielen Gesprächen

Besser hätten die äußeren Bedingungen für den Seniorenausflug der Gemeinde nicht sein können: knapp über 20 Grad, leicht bewölkt, etwas Wind. Optimal, um bei diesem Wetter die Heidelberger Innenstadt zu erkunden, nachdem es mit der „MS Franconia“ von Hirschhorn aus auf dem Neckar in die kurpfälzische Universitätsstadt gegangen war.

Der Ausflug immer am ersten Mittwoch im Juni ist schon eine schöne Tradition. Seit knapp 50 Jahren lädt Wald-Michelbach die älteren Mitbürger ab 70 Jahren aus allen Ortsteilen ein, zusammen einen schönen Tag im Kreise Gleichalteriger zu verbringen. Die Senioren nehmen das Angebot gerne an. „Über 400 waren in den Vorjahren schon dabei“, erzählt Markus Knapp, der sich in der Verwaltung um die Organisation kümmert.

Die Schifffahrten unter den angebotenen Touren genießen Edith und Klaus Kaffenberger besonders. Seit zehn Jahren, seit seinem 70. Geburtstag, nehmen beide regelmäßig an den Seniorenausflügen teil. „Man sieht hier Leute, die einem sonst in der Großgemeinde nicht über den Weg laufen“, freut sich Kaffenberger immer über das eine oder andere nette Gespräch mit alten Bekannten.

„Schöne Ausflugsorte“ und eine „gute Organisation“ sind für sie zwei weitere Gründe für die Teilnahme. Und das Wetter: Das war passenderweise immer schön, wenn die Wald-Michelbacher Senioren auf Reisen gingen. Es sei „sehr gut, dass von der Gemeinde diese Ausflüge angeboten werden“, sagt Klaus Kaffenberger. Neben schon bekannteren Reisezielen lerne er auch Orte kennen, „an denen ich bisher noch nicht war“.

Seit 2003 ist Ruth Matschak schon dabei. Sie genießt die Gesellschaft in der großen Runde, freut sich auf die Reise mit Freunden, die wie sie auch schon lange Jahre mitfahren. „Ich nehme immer wieder gerne teil“, meint Matschak.

An einem anderen Tisch sitzen in Gesellschaft Margareta Alter und Elisabeth Zink. Die Schiffsfahrten gerade auf dem Rhein sind Margareta Alter in sehr guter Erinnerung. „Der Rhein ist immer schön“, sagt sie. „Es wird was geboten“, meint Elisabeth Zink, man könne Mitbürger aus den anderen Ortsteilen treffen. Sie hebt hervor, dass die Reisen so gut organisiert sind, dass auch Senioren teilnehmen können, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.

Der Ausflug ist für Zink „ein fester Termin im Jahr, da nehme ich mir nichts anderes vor“. Sie freut sich, auch mal unbekanntere Ziele kennenzulernen, über die es dann während der Fahrt ausführliche Infos gebe. „Das ist eine schöne Gelegenheit für die Clique, sich mal wieder zu treffen“, ergänzt Alter. „Gut, dass die Gemeinde so etwas anbietet“, sind sich beide einig.

Um Gott und die Welt drehten sich die Gespräche auf dem Schiff: Natürlich um den Rücktritt von Sepp Blatter, aber auch um „Wer wird Millionär“ vom Vorabend, diverse Ereignisse aus den Ortsteilen und logischerweise Fußball: sowohl die Relegationsspiele der ersten als auch zweiten Fußball-Bundesliga.

Rhein, Main, Neckar: Die größeren süddeutschen Flüsse haben die Senioren schon abgeklappert. Volkach, Eltville, St. Goar und Mainz waren bereits Ziele aus den Vorjahren, erzählt Markus Knapp. In der Regel seien es bei den Schifffahrten um die 400 Teilnehmer. Diesmal, nach Heidelberg, mit 325 etwas weniger, was Knapp aber auch am nahen und vielleicht schon bekannten Ziel festmacht.

Eigentlich werde der Tour auf einem Fluss alle zwei Jahre angeboten. Dass man in diesem Jahr außer der Reihe wieder aufs Schiff gehe, habe damit zu tun, dass es in direkter Nähe, in Hirschhorn, halte. Und außerdem sind Schiff und Eigentümer ja „alte Bekannte“. Seit 1998 sei die Gemeinde Kunde, erläutert Eigner Walter Sitzer. Elf gemeinsame Fahrten seien in dieser Zeit schon durchgeführt worden.

Wald-Michelbach ist mit dieser Zahl allerdings noch im unteren Mittelfeld, wie ein Blick auf die Tabelle deutlich macht, die Sitzer gleich neben der Treppe aufgehängt hat. Besonders die Stadt Frankfurt mit über 100 Touren ist bei ihm quasi nonstop zu Gast. Die MS Franconia wird noch lange auf den Flüssen schippern, macht er deutlich: Gerade vor kurzem habe man in das 43 Jahre alte Schiff noch einmal kräftig investiert.

Bürgermeister Joachim Kunkel, der ebenso wie Erster Beigeordneter Peter Bihn teilnahm, wünschte den Senioren zu Beginn einen angenehmen Tag. Der Ausflug sei „eine schöne Tradition“. Die Gemeinde wolle „den Bürgern etwas bieten“, und dazu gehöre auch dieser Ausflug. Den könne man nicht zuletzt auch dank der Unterstützung von Sponsoren in der bewährten Form anbieten.

 

Wissenswertes zu Schiff, Fluss und Umgebung

Mit Informationen zu Schiff, Fluss und Umgebung „fütterte“ Schiffseigner und -Kapitän Walter Sitzer die Senioren während der Fahrt. Etwa zur Burgfeste Dilsberg, für deren Erbauung der Berg gerodet werden musste und nun aussieht „wie die Tonsur eines Mönchs“. Erst Ende des 19. Jahrhunderts habe man wieder mit der Renovierung des früheren bedeutenden Fleckens begonnen, der in der Zwischenzeit aufgegeben worden war.

In Neckarsteinach gebe es noch die letzte verbliebene Schiffswerft, erzählte er. Alle fünf Jahre würden die Schiffe an Land gezogen und von einer Kommission untersucht. „Die kriechen den halben Tag überall durch“, so Sitzer. Dazu gebe es 80 Kontrollpunkte unterhalb der Wasserlinie. Die MS Franconia habe das Prozedere Ende des vergangenen Jahres durchlaufen und nun eine Betriebserlaubnis bis Ende 2019.

Sitzer hatte für die Teilnehmer aber auch interessante Infos zum Neckar: Der habe 206 Kilometer schiffbare Länge von Plochingen bis zur Mündung in den Rhein bei Mannheim. Auf dieser Strecke gebe es 27 Schleusen, die einen Höhenunterschied von 160,70 Metern überbrückten – exakt die Höhe des Ulmer Münsters. In Neckarsteinach, wo der Kapitän dies erläuterte, ging es 4,70 Meter in die Tiefe.

„Wir zahlen zwar nichts für die Schleusen, aber für jeden Kilometer Nutzung des Wasserwegs Neckar“, erläuterte er. Die Summe richte sich nach der Personenzahl, für die das Schiff zugelassen sei. Der Rhein wiederum koste nichts, sagte Sitzer. Erklärung zu den vier Burgen in Neckarsteinach mit der Hinterburg aus dem Jahr 1180 als ältester schlossen sich an.

Nach Neckargemünd, wo die 51 Kilometer lange Elsenz in den Neckar mündet, hatte der Schiffseigner natürlich in Heidelberg viel zu erzählen: über Schloss, Alte Brücke, Marstall, Brückenaffe, aber auch über die Besiedlung schon seit keltischen Zeiten. Zweieinhalb Stunden hatten die Senioren dann, um in der 150.000-Einwohner-Stadt das Gesagte zu vertiefen, ehe es am Nachmittag wieder zurück nach Hirschhorn ging. Am frühen Abend waren alle wohlbehalten in Wald-Michelbach zurückgekehrt.

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