Beim Bienenwohnungsbauer brummt es in der Bude

Das hätte sich Bienenwohnungsbauer Hans Siebert auch nicht träumen lassen, dass sein Betrieb innerhalb kurzer Zeit so „brummen“ würde. Im Hobbyraum seines Kellers des Olfener Wohnhauses startete er vor acht Jahren mit dem Spartenprodukt auf 40 Quadratmetern. Heute sind es 20 Mal so viel, nämlich 800, die er von der Igena in den ehemaligen Coronet-Räumen angemietet hat. Tendenz: stetig steigend. Vor einem Jahr stellte Siebert schon einen Mitarbeiter ein, inzwischen denkt er über die Schaffung einer zweiten Stelle in der Montage nach.

Dass Hans Siebert mal Domizile für die überaus wichtigen Nutztiere bauen würde, stand am Anfang seiner Berufslaufbahn auch noch nicht fest. „Ich wollte zwar immer selbstständig arbeiten“, erzählt er, zum jetzigen Beruf sei er aber nur über Umwege gekommen. Denn eigentlich ist Siebert gelernter Zimmerer. Der fand aber mit 22 Jahren großes Interesse an der Imkerei. „Berufsimker“ stand als Ziel im Raum. Erst waren es vier, dann schnell 40 Völker, die er sein Eigen nannte, bald kamen noch einmal 40 Jungvölker hinzu.

Die Initialzündung für den Bienenwohnungsbau kam während einer Weiterbildung zum Bestäubungsimker, sagt Hans Siebert. Dabei geriet er an einen Imker-Kollegen, „der händeringend jemand suchte, der Bienenkisten herstellt“. Die Vorbildung als Zimmerer erwies sich als sehr nützlich: „Der Gedanke gefiel mir.“ Nach einem Monat Testphase war klar: „Das ist es, das will ich machen.“ Und so ging es auf den 40 Quadratmetern im Hobbyraum los.

Schaut Hans Siebert heute dagegen auf die 800 Quadratmeter, die er aktuell zur Verfügung hat, schüttelt er rückblickend den Kopf: „Wahnsinn, wie konnte ich das nur viereinhalb Jahre durchhalten.“ Dass er an die Igena-Räumlichkeiten kam, war laut seinen Worten ein Glückfall. Eigentlich seien dort 500 Quadratmeter die minimale Mietfläche, er bekam unkompliziert erst einmal 200. In nur wenigen Tagen war der Vertrag unterschrieben, innerhalb eines Monats zog er um, lobt Siebert die Flexibilität des Igena-Teams. Er bemerkte aber schon nach kurzer Zeit, dass die Fläche nicht ausreichen sollte.

Zander, Deutsch normal, Dadant, Dadant Blatt oder Langstroth als die Mutter aller Bienenwohnungen: Was sich für den Laien entweder wie ein Fisch oder eine spezielle Rechtschreibungsvariante anhört, sind bestimmte Systeme für „Beuten“, wie die Imker die Bienenwohnungen nennen. „Jeder Imker schwört auf ein anderes System“, sagt Siebert, zudem gebe es regional unterschiedliche Ausprägungen. Dadant Blatt etwa werde viel in Südtirol verwendet, wohin er schon einige Lieferungen auf den Weg brachte.

Die drei Erstgenannten wiederum sind laut dem Fachmann die gängigsten in Deutschland, auf sie habe er sich spezialisiert. Das Dadant-System setzt sich seinem Eindruck nach immer mehr durch. Bei ihm gebe es keine zwei Bruträume für die Bienen, sondern nur einen. Das habe den Vorteil, dass der Imker bei der Durchsicht den zweiten nicht aufreißen müsse (was naturbewusster sei) und außerdem zeitsparend arbeite, so Siebert.

Dass er mit seiner Firma derzeit einen Boom erlebt, macht er an mehreren Gründen fest. Zum einen fänden immer mehr Großstädter Gefallen an der Imkerei. Die wiederum informierten sich dann übers Internet, wo sich die Materialien dazu erstehen lassen. Zum anderen „gehört für den Beutenbau ein bisschen mehr dazu als vier Bretter zusammenzuschrauben“, sagt Siebert. Denn eine Bienenwohnung bestehe je nach Modell aus 30 bis 40 Einzelteilen. Wer dann noch die dafür notwendigen Werkzeuge und Maschinen einkalkuliere, der gebe im Endeffekt ganz gern um die 100 Euro pro fertig montierter Bienenwohnung aus.

Last but not least sind für Hans Siebert die heimischen Rohstoffe und die von ihm gefertigte Qualität ein Argument. Er verwende mit der Weymouthskiefer Holz aus der Region, das in etwa 20 Kilometer Umkreis wachse. In punkto Verarbeitung habe er bewusst die „Qualitätsnische“ gesucht und biete hochwertige Ware an. „Das hat sich über Mund-zu-Mund-Propaganda rumgesprochen“, ist er mehr als zufrieden. Inzwischen liefere er in alle Regionen Deutschlands.

Und bestellt erstmal ein Imker aus Berlin eine Bienenwohnung, „dann kommen bald 15 andere hinterher“, weiß er um den Erfolg seiner Produkte. „Und das alles ohne irgendeine Werbung.“ Interessanterweise und für Siebert nicht ergründbar „kommen aus der näheren Region die wenigsten Bestellungen“. Dafür umso mehr aus Bayern, Baden-Württemberg oder eben Südtirol.

Zwischen 60 und 70 Beuten, also Bienenwohnungen, fertig Sieberts Firma „Bergwiesenimkerei“ derzeit täglich. Im Jahr verbraucht er dafür 200 bis 250 Festmeter Holz – kein Vergleich zu den fünf bis sieben Festmetern aus dem Anfangsjahr. Vor einem Jahr war aufgrund dieser Nachfrage für den Ein-Mann-Betrieb die Schmerzgrenze erreicht. „Ich hatte schon die Nächte durchgearbeitet, um hinterher zu kommen“, erzählt Siebert. Da kam Schreiner Norbert Siefert aus Siedelsbrunn als helfende Hand wie gerufen. Denn ein Wachstum von 30 Prozent jedes Jahr will bewältigt werden.

Derzeit gehen jährlich um die 20.000 Bienenwohnungen aus Wald-Michelbach in alle Himmelsrichtungen. Lässt der Boom irgendwann nach? „In keinster Weise“, sagt Hans Siebert. Gerade in der Sommersaison könne man sich vor Arbeit kaum retten. Nur November und Dezember sind ein bisschen ruhiger. In dieser Zeit wird vorproduziert, um für den „Run“ ab Januar wieder gerüstet zu sein.  Fotos: Fritz Kopetzky

Info: www.bergwiesenimkerei.de

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