Gemeinsames Musizieren zum 25. Jubiläum des Bezirkslöschspielens

Musik und Gäste satt, bestes Feierwetter und volles Haus: Besser kann man sich den Verlauf eines Tags der offenen Tür nicht wünschen. Beim Pfingstgrillfest, das die beiden Wehren aus Unter- und Oberschönmattenwag in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam durchführten, stimmte alles. So waren auch den ganzen Pfingstsonntag über die Bänke am Feuerwehrhaus dicht besetzt. Viele Kameraden von den umliegenden Wehren, aber auch zahlreiche Gäste aus nah und fern kamen vorbei.

„Wir harmonieren sehr gut“, sagt der Vorsitzende des gastgebenden Feuerwehrvereins, Jürgen Walter. Irgendwann würden die beiden Wehren sowieso fusionieren, und das Fest bedeute einen ersten Schritt in diese gemeinsame Zukunft. „Früher war das undenkbar“, meint er schmunzelnd, „aber inzwischen sind alle dafür“. Jede Wehr habe um die 30 Aktive, erläutert Walter. Zum Fest waren zwischen 50 und 60 Helfer im Einsatz.

Nach dem Frühschoppen startete das Tagesprogramm mit der Jugendwehr. Diese führte eine Schauübung an der Jagdgenossenschaftshalle durch und demonstrierte dabei, wie im Ernstfall die Wasserversorgung vom Bach her aussehen würde. Etwa 20 Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren sind in den beiden Ortsteilwehren aktiv. Eine stolze Zahl, wie der zweite Vorsitzende Armin Falter sagt, „mehr als in manchen Städten“.

Ein Jubiläum gebe es mit dem diesjährigen Konzert des Löschbezirks 3 (L3), so Stabführer Jörg Wetter in seiner Begrüßung. Denn vor 25 Jahren, Ende 1990, fand das erste dieser Art statt, per Zufall sogar ebenfalls in Ober-Schönmattenwag. Vorbereiter und Ideengeber war damals Bezirksstabführer Horst Kern (heute Ehrenstabführer), der es gemeinsam mit Albert Guthier (Wahlen), Mathias Stalf (Unter-Abststeinach) und Karl-Heinz Moxter (Wald-Michelbach) organisierte. Die Resonanz war sehr positiv, erläutert Wetter.

In den folgenden Jahren fand das Jahreskonzert immer im Wechsel bei den vier musiktreibenden Zügen im L3 statt, zu dem neben dem Überwald auch noch das hessische Neckartal gehört. Mangels Masse hörte der Spielbetrieb in Wahlen und Unter-Abtsteinach irgendwann auf, sodass nur noch die Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach und der Spielmannszug als Gastgeber übrig blieben.

„Früher hatten wir fast ein komplettes Orchester“, stellt Jürgen Walter auch seitens des Spielmannszugs einen Schwund fest. Es werde immer schwieriger, Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren für ein Instrument zu begeistern bzw. sie zum Bleiben zu bewegen. Man habe immer noch Musiker-Nachwuchs, betont er, bilde sogar an der Flöte aus. Trompete und Bassgitarre seien aber unter den knapp 20 Aktiven aber nicht mehr dabei, derzeit seien Flöte, Saxofon, Trommeln, Schlagzeug und Perkussion vertreten.

Den musikalischen Auftakt machten langjährige Freunde aus dem Badischen: Der Fanfarenzug der Stadt Eberbach, 1960 anlässlich des Kuckucksmarktes gegründet, stattete der Feuerwehr den schon obligatorischen Besuch am Pfingstsonntag ab. Diverse Märsche, Fanfarengrüße, aber auch das Stück „Down by the river side“ hatten die Musiker im Gepäck. Einen Gegenbesuch des Spielmannszugs gibt’s im September, wenn die Eberbacher ihr 55. Jubiläum feiern.

Zehn Jahre älter ist die Feuerwehrkapelle aus der Kerngemeinde. 28 Musiker sind bei den Wald-Michelbachern aktiv, die Polka, Blasmusik und Konzertmärsche darboten. Der gastgebende Spielmannszug hatte danach auch ein Medley mit südamerikanischen Rhythmen und zwei bekannte Hits im Programm: „I will survive“ von Gloria Gaynor und Frankie Vallis „Can’t take my eyes of you“. Den Abschluss bildete die Schimmeldewaer Hymne „Im schönen Ulfental“, geschrieben von Rupprecht Bayer mit Musik von Hans Rückauer.

Zum großen Finale und anlässlich des 25. Jubiläums gab es dann vier Stücke, gemeinsam von beiden Kapellen dargeboten. Nicht fehlen durften dabei die „Alten Kameraden“, aber auch der Egerländer Marsch. Geehrt wurde zwischendurch Sven Sauer vom Spielmannszug für 15 Jahre aktive Musikertätigkeit. Er erhielt aus den Händen von Kreisstabführer Roland Ritter das bronzene Ehrenzeichen am Bande vom Kreisfeuerwehrverband. Später spielten noch die „Unplugged Friends“ auf.

Während es sich die Erwachsenen an Bier- und Grilltheke gut gehen ließen, konnten sich Kinder nebenan auf einer Hüpfburg austoben. Außerdem durften sie mit dem Feuerwehrschlauch imaginäre Ziele löschen oder einfach Bälle durch ein Labyrinth jagen. Dazu konnten die verschiedenen Fahrzeuge der beiden Wehren in Augenschein genommen werden. Je ein Mannschaftstransportfahrzeug nennt jede Abteilung ihr Eigen, erläuterte Jugendwart René Zink. Außerdem gibt es noch ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) und ein weiteres TSFW. Hier stehe das „W“ für die 500 Liter Wasser an Bord.

Ober-Schönmattenwag. Zu den Vorführungen beim Tag der offenen Tür gehörte auch die Simulation einer Fettexplosion. Die ist laut Marc Ritter, dem Wehrführer aus Unter-Schönmattenwag, „eine häufige Ursache für Brände im Küchenbereich“. Denn ab einer bestimmten Temperatur entzünde sich das Fett selbständig, wenn man es auf dem Herd vergesse.

„Das Schlechteste, was man tun kann, ist die Flammen mit Wasser zu löschen“, warnte er. Denn das Fett sei so heiß, dass darauf gegossenes Wasser in Sekundenbruchteilen komplett verdampfe. Wenn möglich, solle der Topf vom Herd genommen und dieser ausgeschaltet werden, empfahl er. Von der Erstickung der Flammen mit feuchten Handtüchern rate die Feuerwehr ab. Inzwischen gebe es für den Haushalt diverse Fettbrandlöscher.

Wie die Explosion vor sich geht, demonstrierten zwei Kameraden aus Unter-Schönmattenwag in Schutzanzügen. 1,5 Kilo Fett wurden erhitzt, dazu – aus sicherer Entfernung – 0,2 Liter Wasser darauf gegeben. Das Ergebnis war eine meterhohe Flamme und eine Hitze, deren Wärme selbst in 20 Metern Entfernung noch zu spüren war. Die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten und waren mehr als beeindruckt von der Explosion.

Wie die Fettexplosions-Demonstration wurde auch die spätere Feuerlöscher-Vorführung beim Tag der offenen Tür zum ersten Mal durchgeführt. „Wir haben dieses Jahr mehr Möglichkeiten aufgrund der gemeinsamen Durchführung mit der Feuerwehr Unter-Schönmattenwag“, erläuterte Jürgen Walter. Feuerlöscher seien in vielen, gerade öffentlichen Gebäuden zu finden, doch ihre Handhabung oftmals unbekannt – würden sie doch gerade im Ernstfall zum ersten Mal benutzt.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Löscher teilweise falsch bedient werden“, so Walter. Deshalb diene die Vorführung dazu, sich mit ihrer Anwendung vertraut zu machen. Ein Stapel von Holzpaletten wurde zu diesem Zweck angezündet und nach der Einweisung durfte jeder sich daran versuchen. „Sonst hat man ja die Möglichkeit nie“, sagte Walter.

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