Wald-Michelbacher Jugendwehren hatten „das Objekt perfekt im Griff“

Punkt 11 Uhr lässt ein markerschütterndes Heulen die Gäste zusammenzucken: Die Sirene am Gerätehaus meldet einen Feuerausbruch. Schon wenige Sekunden später sind die ersten Sirenen der Feuerwehrfahrzeuge zu hören, die schnell dem Einsatzort an der Jagdgenossenschaftshütte näherkommen. Dort qualmt es schon kräftig aus der Tür, ein Bulldog ist „in Brand geraten“. Die Übung der Jugendfeuerwehren aus der Gesamtgemeinde hat begonnen.

Über 40 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren aus Schönmattenwag (12), Wald-Michelbach (9), Kreidach (2), Siedelsbrunn (4), Gadern (6) und Affolterbach (8) rücken, unterstützt von 15 Aktiven aus der Einsatzabteilung, in sechs Fahrzeugen an. Aus der Halle dringt dichter Rauch, als die Besatzung des Schlauchwagens aus Wald-Michelbach beginnt, vom Bach her ein C-Rohr Richtung Einsatzort zu verlegen und gleichzeitig über eine Pumpe für Wasser-Nachschub zu sorgen. Gleichzeitig bringen die Kreidacher ein Standrohr am Unterflurhydranten an, damit von dort aus ebenfalls Löschwasser zur Verfügung steht.

Den Erstangriff unter Atemschutz übernimmt die Jugendwehr Ober-Schönmattenwag, erläutert Gemeindejugendfeuerwehrwartin Manuela Gutfleisch das Szenario. Es gilt, vier Verletzte aus dem Gebäude zu bergen. Die Jugendwehren aus Wald-Michelbach, Gadern, Siedelsbrunn und Affolterbach gehen in der Zwischenzeit zum Löschangriff über. Wasser spritzt aus neun in der Zwischenzeit gelegten C-Rohren. Gadern wiederum ist auch für die Erste Hilfe und die Betreuung der „Verletzten“ zuständig.

Nach etwa zehn Minuten waren die Personen gerettet, innerhalb von 25 Minuten konnte „Feuer schwarz“ gemeldet werden, so Manuela Gutfleisch im Anschluss. Sie war es auch, die das Übungsszenario ausgearbeitet hatte. Seit mehr als zehn Jahren finde inzwischen die gemeinsame „Inspektionsübung“, so der Fachbegriff, der Jugendlichen aus den diversen Wehren der Gesamtgemeinde statt, immer in anderen Ortsteilen. Interessierte Zuschauer sind jedes Mal die Jüngsten aus der Bambinigruppe, die erst ab dem zehnten Lebensjahr selbst ins „Geschehen“ eingreifen dürfen.

Es sei „super, dass so viele Jugendliche dabei waren“, sagte der Gaderner Wehrführer Christian Eck in seiner Übungsbilanz. Die Jugendwehren „hatten das Objekt perfekt im Griff“, lobte er. Die Übung sei „sehr routiniert, ruhig und zielstrebig“ abgelaufen. Auch die Personenrettung habe „wunderbar gepasst“. Er dankte den Aktiven im Jugendbereich und den Jugendlichen selbst: „Habt Spaß an der Arbeit und macht weiter so.“ Bezirksjugendfeuerwehrwart Tobias Walter sprach Begrüßungsworte im Namen der gastgebenden Wehr aus Ober-Schönmattenwag.

„Man sieht, ihr seid motiviert“, freute sich Kreisbrandmeister Hans-Günter Frömel über die Begeisterung an der Sache. Mit dieser Einstellung werde es den Jugendlichen leicht fallen, später in die Fußstapfen der Aktiven aus der Einsatzabteilung zu treten. „Es ist toll, dass ihr euch dieser Aufgabe verschrieben habt“, so Bürgermeister Joachim Kunkel an die Mitglieder der Jugendwehren gewandt. Sie würden optimal für den Dienst am Nächsten und an der Gemeinde vorbereitet.

Wald-Michelbach sei im Jugendfeuerwehrbereich „gut aufgestellt“, betonte der Bürgermeister. Er forderte die Jugendlichen auf, am Ball zu bleiben. „Sorgt für eine entsprechende Stärke der Einsatzabteilungen“, so sein Wunsch. Mit der jetzigen Jugendarbeit sieht Kunkel die Wehr auf einem guten Weg, um die gestellten Aufgaben auch in Zukunft bewältigen zu können.

„Entgegen dem Landestrend“ ist nach den Worten von Christian Eck die Zahl der Jugendfeuerwehrleute in der Gesamtgemeinde seit Jahren stabil. Aktuell seien zwischen 75 und 80 Kinder dabei, ergänzte Manuela Gutfleisch. Es gebe zwar Schwankungen in den verschiedenen Ortsteilwehren, aber unterm Strich bleibe die Gesamtzahl gleich, so Eck. Wenn irgendwo mehrere Jugendliche aufhörten, rückten an anderen Stelle in ähnlicher Zahl wieder welche nach.

Trotzdem macht man sich bei den Wald-Michelbacher Wehren natürlich Gedanken, wie auch in Zukunft die Einsatzstärke gesichert werden kann. Denn die Feuerwehr konkurriere mit einem immer breiteren Angebot an Freizeitaktivitäten, sagt Tobias Walter. Computer und Smartphone mal ganz außen vor gelassen.

Leichteres Spiel habe die Jugendwehr bei den Kindern von Feuerwehr-Angehörigen, „die schon damit aufgewachsen sind“. Um aber auch andere an sie heranzuführen, gibt es die Bambinigruppe, in der schon Kinder ab acht Jahren mitmachen dürfen. Außerdem, so Walter, versuche man über Brandschutzerziehung an Kindergärten, Fahrzeugausstellungen oder auch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit die Heranwachsenden für die Feuerwehr zu interessieren.

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