Pater Cyril: „Die Botschaft von Pfingsten ist aktueller denn je“

„Die Botschaft von Pfingsten, Einheit in der Vielfalt, ist relevanter und aktueller denn je“, sagt Pater Cyril mit Blick auf die heutige globale Welt und die vielen Flüchtlingskatastrophen. Der 37-jährige Inder ist seit inzwischen mehr als fünf Jahren Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Überwald, zu der neben Wald-Michelbach auch Aschbach, Unter-Schönmattenwag und Hammelbach gehören.

Daneben hat er noch eine halbe Stelle in der Pfarrgruppe Neckartal mit Hirschhorn und Neckarsteinach und ist somit fast jeden Tag in einer anderen Gemeinde anzutreffen. Pater Cyril pendelt immer vom Hirschhorner Karmeliterkloster aus, wohin er mit seinen beiden Mitpatres Joshy und Sijoy im September 2009 zog. Die drei sorgten dafür, dass nach mehr als 200-jähriger Vakanz wieder Mönche am Neckar wohnen. Denn das Kloster war 1803 im Zuge der Säkularisierung aufgelöst worden.

Pater Sijoy, der zunächst ebenfalls im Überwald tätig war, wechselte vor drei Jahren als Pfarrvikar nach Bad Wimpfen zur Pfarrgemeinde Heilig Kreuz, ein Jahr später wurde er dort Pfarrer. Bad Wimpfen gehört trotz seiner Lage bei Heilbronn in kirchlicher Hinsicht als Exklave zum katholischen Dekanat Bergstraße-Ost und damit zum Bistum Mainz. Dies leitet sich aus Zugehörigkeit zu Hessen von 1803 bis 1945 her. Pater Cyril wiederum wechselt in diesem Spätjahr als Pfarrer nach Mörlenbach. Das Klosterleben in Hirschhorn pflegen die drei Karmelitermönche weiterhin. Mindestens zwei Mal pro Woche soll Zeit für Einkehr und Gebet sein, so Pater Cyril.

Wie die sprachliche Eingewöhnung im Oden- und Überwald war? Pater Cyril muss lächeln. „Mit mir versuchen die Leute Hochdeutsch zu sprechen“, sagt er. In größerer Runde, wenn die Einheimischen unter sich Dialekt redeten, „wird‘s dann aber bisschen schwieriger mit dem Verstehen“, meint er schmunzelnd. Da allerdings schon sein Vorgänger im Amt Inder war, konnte er darauf aufbauen. „Ich hatte leichtes Spiel.“

Pfingsten sei bei den katholischen Christen Indiens zwar auch ein Hochfest, erläutert er, „aber wir können es nicht so feiern wie in Deutschland“. Denn im hinduistischen Indien sei der Montag kein Feiertag, allerdings seien die Gottesdienste am Pfingstsonntag immer gut besucht. „Wir kennen nur zwei große Feste, Ostern und Weihnachten“, berichtet der Pater. Feiertage wie Fronleichnam oder Christi Himmelfahrt würden zwar im Orden selbst mit Gottesdiensten begangen. Da es sich aber sonst um normale Arbeitstage handle, hätten sie nicht diese Bedeutung wie in Deutschland.

An Ostern gibt es Pater Cyril zufolge in Kerala eine andere Tradition als hierzulande. Das beginne schon am Gründonnerstag mit dem „Paschafest“, das seine Ursprünge im Alten Testament hat und in Israel unter dem Namen Passahfest bekannt ist. Der Karfreitag sei in manchen Regionen Indiens mit christlicher Tradition auch ein Feiertag. Am Ostersonntag werde der Kreuzweg mit 14 Stationen beschritten. Start sei mit dem Gottesdienst, es folge die Prozession, an der letzten Kreuzweg-Station finde dann der Gottesdienst seinen Abschluss.

„Die Tradition des Schenkens gibt es an Weihnachten nicht“, erläutert er einen zweiten Unterschied. Das Hochfest selbst werde allerdings auch feierlich begangen. Die Bürger schmückten ihre Häuser mit Sternen oder Beleuchtung, die Schüler hätten Weihnachtsferien. Und das bei etwa 30 Grad. „Erst in Deutschland habe ich kalte Weihnachten mit Schnee und Winterliedern erlebt“, schmunzelt der Karmelitermönch. Inzwischen habe er sich an hiesige Klima gewohnt.

„In Indien sind die Gottesdienste viel traditioneller als in Deutschland“, hat Pater Cyril festgestellt. Hierzulande fänden sie auch mal unter freiem Himmel („Open-air“) oder ökumenisch statt, was in seiner Heimat undenkbar sei. Unterschiede gibt es seinen Worten zufolge ebenso bei Pfarrfesten oder den Hostien.

„In den Lesungen, die wir beim Pfingstfest in der Kirche hören, geht es darum, dass die Apostel vielen Menschen gepredigt haben“, sagt Pater Cyril mit Blick auf das kommende Hochfest. „Diese Menschen hatten eine unterschiedliche Herkunft und verschiedene Sprachen.“ Und trotzdem hätten sie die Worte der Apostel in ihrer jeweils eigenen Muttersprache gehört – und vor allem: „Sie haben verstanden.“ Es habe keinen Unterschied zwischen Hautfarbe oder Sprache gegeben. „Sie fühlten sich alle eins“, es herrschte Einheit in der Vielfalt.

Auch in unserer heutigen Welt lebten viele Menschen zusammen, die verschiedene Sprachen sprächen, aus den unterschiedlichsten Regionen unserer Erde kämen, so der Priester: „Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten.“ Das Flüchtlingselend betreffe nicht nur Europa, auch in Asien, nahe seiner Heimat, sei es mehr als aktuell, wie die Berichte aus Malaysia und Indonesien zeigten. „Die Botschaft von Pfingsten, Einheit in der Vielfalt, ist relevanter und aktueller denn je.“

Info: Am Pfingstsonntag, 24. Mai, hält Pater Cyril um 9 Uhr den Gottesdienst in der katholischen Kirche Aschbach, um 10.30 Uhr in der katholischen Kirche Wald-Michelbach.

 

Pater Cyril: Zur Person

Der 1977 geborene, aus Pottonkad in der indischen Region Kerala stammende Cyril Thundathil trat nach der Schule in den Karmeliten-Orden ein. 2003 wurde er nach drei Jahren Theologiestudium zum Priester geweiht. Im Oktober 2004 kamen die drei Patres nach Deutschland. Zuerst in Bonn und danach in Köln lernte Cyril die deutsche Sprache, war danach fast fünf Jahre Mitglied im Karmeliterkloster Mainz.

Vor der Pastoralausbildung absolvierte Pater Cyril zwei Praktika, eines als Krankenhausseelsorger an der Charité in Berlin und eines in der Gemeindepastoral der Pfarrgruppe Nieder-Olm in Rheinhessen. Seit November 2006 war er dann im Bistum Mainz tätig, zuerst zwei Jahre als Kaplan erneut in Nieder-Olm und danach für ein Jahr in Nierstein/Oppenheim.

Dass es Pater Cyril aus Kerala nach Deutschland verschlagen würde, war nicht vorgezeichnet, aber auch kein absoluter Zufall. Denn die indische Niederlassung des dortigen Karmeliterordens war vor einigen Jahrzehnten von einem Deutschen gegründet worden. Kurz nach Cyrils Priesterweihe kam die Anfrage, ob sich die Drei ein Wirken in Deutschland vorstellen könnten.

Denn den hiesigen Karmelitern gehen die Mitbrüder aus, da sich immer weniger junge Leute zum Priester weihen ließen. Von der Tätigkeit der indischen Patres in Deutschland profitiert aber auch der indische Ordensableger, erläutert Cyril: Ein Teil seines Gehalts werde zur Unterstützung an die dortige Karmeliter-Niederlassung überwiesen.

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