Schmetterlingsraupen fressen Laubbäume kahl, aber Vögel wiederum die Raupen

Die Frostspanner sind im Wald unterwegs. Dahinter verbergen sich allerdings keine unangenehmen frierenden Zeitgenossen, sondern Schmetterlingsraupen. Aktuell steuere man – nach mehr als zehn Jahren Pause – wieder auf eine sogenannte „Gradation“, also Massenvermehrung, beim kleinen und großen Frostspanner sowie bei der Eichenminiermotte zu, erläutert der ehemalige Birkenauer Revierförster Siegfried Winkler. Die Schwankungen fallen seinen Worten zufolge lokal unterschiedlich aus.

Im Vorderen Odenwald, im Weschnitztal und Überwald, „spüren und hören die Menschen das Rieseln des Kots beim Spaziergang etwa in Eichenwäldern“. Anrufe bei den Revierförstereien zeigten, dass dies den interessierten Waldbesuchern nicht verborgen geblieben sei. Bei genauerer Betrachtung handle es sich um kleine schwarze stecknadelkopfgroße Klümpchen, die besonders unter Eichen, Hainbuchen und Wildkirschen auf dem Boden zu finden sind, so Winkler. Dies seien Exkremente der vielen Schmetterlingsraupen, die zurzeit auf diesen Laubbäumen an den Blättern fräßen.

Winkler, der sich in seiner Berufszeit als Waldschutzbeauftragter für Südhessen intensiv mit diesem Thema beschäftigte, weist darauf hin, dass dies eine normale Schwankung im Zuge der Populationsdynamik von Schädlingen sei, eine „wiederkehrende Zeiterscheinung“. Wohlgemerkt seien dies „Insekten, die wir als Schädlinge bezeichnen, weil sie wie auch die Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher zu Massenvermehrungen neigen“.

Alle zwölf bis 15 Jahre komme es zu einer Massenvermehrung von kleinen Schmetterlingen, die im November und Dezember des vergangenen Jahres in großen Mengen an den Lichtquellen in Waldnähe anzutreffen waren. Die Hauptakteure dieser im Forstjargon „Frühjahrsschadgesellschaft“ genannten Insekten seien die „Frostspanner“.

Die grünen und graubraunen Raupen seien nach dem langen Winter vor kurzem aus den Eiern geschlüpft. „Sie sind in der Lage, manchen Baum kahl zu fressen“, sagt der ehemalige Revierförster. Allerdings reagierten die Bäume darauf und bildeten im Juni einen neuen Blattaustrieb, den sogenannten „Johannistrieb“. Der Fraß sei somit „für die Bäume nicht grundsätzlich tödlich“, sie würden aber in ihrer Vitalität geschwächt.

„Einen täglichen Festtagsschmaus“ erlebten dadurch aber die insektenfressenden Singvögel. Diese hätten es aktuell besonders leicht, an Futter für ihre jetzige Brut zu kommen. Da kein Futtermangel herrsche, „werden viele Vogelpaare sogar mit einer zweiten und dritten Brut reagieren“. Was wiederum zeige, dass Singvögel, die gerne unbehaarte Raupen fressen, „von der Massenvermehrung profitieren“, so Winkler.

Neben den Vögeln habe laut Winkler auch andere Gegenspieler wie Raupenfliegen und Schlupfwespen „einen reich gedeckten Tisch“ und könnten sich ebenfalls stark vermehren. „Dadurch wird die Raupeninvasion auf Dauer gebremst.“ Was für ihn bedeutet: „In der Regel reguliert sich die Natur dadurch selbst.“

Die Raupen der Frostspanner sind seinen Worten zufolge „für Waldbesucher völlig ungefährlich“. Allerdings sollte man sich vor behaarten Raupen an Eichen, die an der Baumrinde in Gespinsten zu finden seien, fernhalten. Hier könne es sich um Raupen des Eichenprozessionsspinners handeln, „deren Behaarung stark entzündliche Prozesse auf der Haut hervorrufen können“, warnt der ehemalige Revierförster Winkler.

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