Ein Hauch von Las Vegas bei der Kerwe in Hartenrod

Volles Haus beim „Hitreder Owend“ im Mehrzweckhaus. Gesangverein Immergrün und der Ortsbeirat als Organisatoren der Kerwe waren „sehr zufrieden“, wie Ortsvorsteher Stefan Aßmann sagte. Drei Stunden lang boten die örtlichen Akteure dem Publikum volles Programm und unterhielten es aufs Beste. Motto diesmal: „Las Vegas“. Entsprechend bunt war die Show, auch wenn sie manchmal nur indirekt mit dem amerikanischen Zockerparadies zu tun hatte: Unter anderem gaben sich Elvis, die Backstreet Boys oder die Blue Man Group die Ehre.

„Jedes Jahr haben wir ein neues Motto“, erzählt Stefan Doetsch, der sowohl mit dem Chor als auch bei der Blue Man Group auf der Bühne stand. Das vergangenes Jahr stand im Zeichen von „Wetten, dass?“. Gleich nach Weihnachten, sagt er, „beginnen die Vorbereitungen für die nächste Kerwe“. Die Proben würden, je näher die Veranstaltung kommt, immer intensiver. Um die 30 Aktive sind jedes Mal aktiv. Der älteste davon, „Zauberer“ Bernd Schwappacher, ist 73, der jüngste Teilnehmer mehr als 60 Jahre jünger.

Der Startschuss für den bunten Abend kam vom GV Immergrün mit Liedern von „Country home“, „Lollipop“ oder den berühmten „Über sieben Brücken musst du gehen“ von Karat. Dann wurde es amerikanisch. Danilo Fioriti als Larry King und Ulrike Gölz als Mary Sue enterten nach Anmoderation von Silja Scholz die Bühne, um mit US-Slang durchs weitere Programm zu führen. Natürlich durfte das Glücksrad nicht fehlen, an dem im Laufe des Abends das eine oder andere Mal gedreht wurde.

Zauberer Bernd Schwappacher sorgte mit seinem Assistenten Stefan Aßmann nach dem Solo-Tanz von Valentina Gölz für einen Hauch von Magie im Mehrzweckhaus. Freiwillig unfreiwillig durfte Silja Scholz bei den Kunststückchen assistieren. Dann traf Hollywood auf das Musikbusiness: Elke Jöst, Ulrike Gölz und Silja Scholz als Bette Midler, Cher und Kylie Minogue rockten die Bühne. Mit den „Backstreet Boys“ (im Hartenroder Fall: und „Girls“).

Nach der verdienten Pause ging’s in die zweite unterhaltsame Runde unter der Leitung von Danilo Fioriti und Ulrike Gölz. Die Blue Man Group mit Markus Temper, Stefan Aßmann, Stefan Doetsch, Marcel Gölz und Ralf Scholz enterten die Bühne mit Musik, Zirkusclownerie und Performance. Nach dem Tanz unter der Leitung von Nicole Schmitt und diversen Lotterien später dann der „King“ himself, Elvis wie er leibt und (doch noch) lebt. Herbert Fath sorgte für den gelungenen Abschluss des „Hitreder Owends“, ehe dann im großen Finale die Akteure nochmal ihr Bestes gaben. Natürlich war danach noch lange nicht Schluss, im Mehrzweckhaus saßen Gäste und Darsteller noch einige Zeit zusammen.

„Wie immer hat er nicht geklappt“, meint Ortsvorsteher Stefan Aßmann verschmitzt zum Fassbieranstich bei der Kerweeröffnung im kleinen Wald-Michelbacher Ortsteil. Aber irgendwie sei es auch schon eine Gaudi an sich, wenn beim Einschlagen des Zapfhahns etwas schief gehe, meint er. Auf die Rede, die er sowieso nicht hatte, habe zugunsten des fröhlichen Festtreibens gerne verzichtet, so Aßmann lächelnd.

Der erste Abend gehörte der Musik: Harald Walz spielte erst zur Unterhaltung, dann zum Tanz auf. Besucherwünsche waren dabei gerne willkommen, und so wurde es auch ganz schnell später bzw. früh. „Bis 3 Uhr morgens ging es“, so der Ortsvorsteher. Er ist, wie die anderen Aktiven auch, mit der gut besuchten Kerwe mehr als zufrieden. Die werde inzwischen seit mehr als 20 Jahren ausgerichtet und habe seit einiger Zeit mit dem Mehrzweckhaus einen sehr guten Ort gefunden. Die Gäste strömten in großer Zahl: Jeden Tag war die Halle voll, was über die drei Tage etwa doppelt so viele Besucher wie Einwohner (250) bedeutete.

Um die 40 Helfer von Gesangverein Immergrün und Ortsbeirat sind an den drei Tagen fast nonstop im Einsatz, berichtet Aßmann. Normalerweise feiere man sogar vier Tage lang, aber der Feiertag 1. Mai wurde dieses Jahr außen vor gelassen. „Man trifft die mal wieder, die man sonst das ganze Jahr über kaum zieht“, sagt er, denn viele arbeiteten doch auswärts.

Frühschoppen, Mittagessen unter Begleitung von Klängen der Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach und die nachmittägliche Unterhaltung mit Harald Walz leiteten über zur Kerwepredigt des neuen Kerwepfarrers Peter Gölz. Der hatte so manche örtliche Begebenheit im Blick und „führt die alte Tradition hervorragend weiter“, wie Aßmann sagte.

„Als naije Kerweparre staih isch hier“, wies Gölz gleich zu Beginn darauf hin, dass es nach zehn Jahren einen Wechsel auf dem Kerwepfarrer-Podium gab. „Fußball spiel isch bei de Mischelbäscher SG“, nannte er seine sportlichen Vorzüge. Für Heiterkeit sorgte sorgte das winterliche Grillexperiment seiner Mutter. Die ließ nämlich das heiße Utensil draußen stehen und wollte es erst am nächsten Tag ausschalten. Ergebnis: „De näxte Moiend de Opa ist gonz wild, die Heizung die iss nett im Bild“. Denn der Grill stand die ganze Nacht neben dem Thermostat, das dann 100 Grad hatte und prompt abschaltete…

Ziel seines Spotts waren daneben der letztjährige missglückte Fassbieranstich, der Vereinsausflug „in de Siede“ und „Ernas rode Ohre“, weil sie beim neuen Auto nicht die Gebrauchsanweisung las und somit die Fensterheber nicht bedienen konnte. „Die Gas is weg – wo dut se bloas stecke?“, kommentierte Peter Gölz den missglückten Versuch seiner Mutter, in Gumpen Ziegenzuwachs zu organisieren. Doch der Vierbeiner machte sich im Ort selbstständig, als plötzlich die Hundebox im Auto aufging. Doch Ende gut, alles gut, nach ein paar Stunde war die Flüchtige gefunden…

Der gestrige Montag stand im Zeichen des Kerwe-Ausklangs. Nach dem Frühschoppen folgte nahtlos das deftige Mittagessen mit Grillhaxen und Spießbraten, ehe die Hartenroder daran gingen, sich vom diesjährigen Fest zu verabschieden. „Das ist echt gut gelaufen“, resümiert Aßmann. Die nächste Kerwe kommt bestimmt…

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