Mit dem Frühlingsfest wird eine alte Tradition fortgeführt

Der Umzugsweg war diesmal etwas kürzer als sonst, verrät Ortsvorsteher Helmut Gremm. Grund: das schlechte Wetter. „20 Kinder waren trotzdem mit dabei“, zollt er dem Nachwuchs Lob, dem ständigen Nieselregen die Stirn geboten zu haben. Der Ortsbeirat hatte am 1. Mai zu Frühlingsfest und Umzug mit Sommertagsstecken eingeladen. Geschmückte Fahrräder und Kinderwagen sowie der Motivwagen des Kindergartens dominierten das Bild.

Begleitet wurde der Umzug durch den Ort von der Trachtenkapelle Kocherbach. Die war danach bei der Verbrennung des Winters in Gestalt eines Schneemanns mit dem Lied „Winter ade“ auch aktiv. Gebaut wurden Schnee- sowie Fichten- und Strohmann von den Kindergartenkindern mit ihren Eltern. Die Figuren sollten Sommer und Winter symbolisieren. Der evangelische Kirchenchor hatte im Vorfeld des Festes im Ort gesammelt, damit die am schönsten geschmückten Räder und Sommertagsstecken durch eine Jury prämiert werden konnten.

Das Frühlingsfest blickt laut Gremm auf eine lange Tradition zurück. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg sei es wieder gefeiert worden – und der Ansturm war auch dieses Jahr groß. In der Sporthalle war nach dem Umzug praktisch kein Platz mehr zu ergattern. 250 bis 300 Gäste zählte er. „Wäre das Wetter besser, hätten wir draußen nochmal die gleiche Anzahl an Gästen“, sagt Gremm. Aber auch so ist er mit der Resonanz sehr zufrieden – „ein gelungenes Fest“.

„Vom Lehrer Jungmann wurde es damals ins Leben gerufen“, weiß Helmut Gremm zu berichten, in der Volksschule hätten die Schüler noch die Sommertagsstecken gebastelt. Lange Jahre richtete dann der OWK das Frühlingsfest aus. Dieses Jahr übernahm es der Ortsbeirat, dem es wichtig gewesen sei, „die alten Traditionen zu erhalten“, wie Gremm betonte. Unterstützung bekam er dabei von den örtlichen Vereinen.

Auf diese Weise soll laut Gremm gesichert werden, „dass das Maifest weiterhin einen festen Platz im örtlichen Veranstaltungskalender hat“. Erfreut war er über das große Engagement der Jugend-Spielgemeinschaft von TV und SG. „Sehr viele junge Leute standen hinter Theke und Grill und halfen abends beim Abräumen“, zollte er den Jugendlichen Lob. In deren Vereinskasse floss dann auch der Gewinn aus der Bewirtung.

Bürgermeister Joachim Kunkel sagte in seiner Begrüßung: „Das Fest gehört zum örtlichen Leben mit dazu.“ Es sei schön, dass diese Tradition weitergeführt werde. Gremm hatte zuvor die vielen Besucher in der Halle willkommen geheißen. Die Kindergartenkinder hatten mit einem Tanz und Frühlingsliedern die Gäste unterhalten. Davor und danach spielte die Trachtenkapelle Kocherbach auf.

Einen Blick in die Geschichte warf im Gespräch der stellvertretende Ortsvorsteher Alfred Wolf. Früher seien für den Umzug noch Motivwagen gebaut worden, „war er ein richtiger Wettbewerb“. Die verschiedenen Schulklassen hätten in Klassenverbänden teilgenommen. Im Vorfeld wurden Geld und Naturalien gesammelt. Bauern und Gastwirtschaften beteiligten sich an der Prämierung des besten Apfelweins oder des besten Handkäses.

Eine Gaudi mit einer Tradition mindestens so alt wie das Frühlingsfest ist der „Hammelstanz“. Bei ihm laufen Paare zur Musik rund um den Maibaum über einen Strick, der von zwei Personen gehalten wird. Nach ein paar Runden gibt im Wald der Förster einen Schuss ab. Das Paar, das vor oder über dem Strick steht, ist der Gewinner. Gab es in früheren Jahren noch einen echten Hammel zu gewinnen, so wurde der Preis vor einiger Zeit aus Tierschutzgründen in einen Geldbetrag umgewandelt.

36 Paare beteiligten sich in diesem Jahr am „Hammelstanz“, für den man auf eine Regenunterbrechung wartete. Wegen des Wetters waren es etwas weniger Teilnehmer als sonst. Gewinner diesmal: das Ehepaar Gremm. „Seit 42 Jahren machen wir nun mit“, erzählt der Ortsvorsteher schmunzelnd, „aber hatten bisher noch nie gewonnen“.

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