Als Unternehmer mit dem „Chef-ABC“ Fallstricke vermeiden

„Die größten Fallen und Irrtümer in der Geschäftsführung“ hatte Martin Proba von der IHK Darmstadt Rhein-Main-Neckar sein Referat „Chef-ABC“ überschrieben, das er beim Werkstattgespräch der Zukunftsoffensive Überwald vor interessierten Unternehmern hielt. In 14 Punkten räumte er mit weit verbreiteten Irrtümern auf. Das Format (Frühstück und Vortrag) wurde laut ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder „von den Anwesenden begrüßt“. Stand dieses Mal Probas Referat im Vordergrund, wolle man das nächste Mal den Dialog stärker in den Vordergrund rücken.

„Grundsätzlich muss ein Geschäftsführer keine besonderen Qualifikationen vorweisen“, leitete Proba ein. Ausnahmen seien Tätigkeiten wie Transportunternehmer oder Versicherungsvermittler, die einer Erlaubnis oder Genehmigung bedürften. Bei Handwerksbetrieben müssten die spezifischen rechtlichen Voraussetzungen gegeben sein. Ein Geschäftsführer könne nicht nach Belieben die Gesellschaft verlassen, erläuterte der IHK-Vertreter. Denn die Kündigungsfristen unterlägen den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften.

Anders herum sei es auch nicht möglich, einen Geschäftsführer jederzeit zu entlassen. Dies sei nur „bei groben Pflichtverletzungen möglich“. Wie Proba weiter ausführte, gebe es keinen unbeschränkten Handlungsspielraum. Dieser sei vielmehr im Innenverhältnis durch Gesellschaftsvertrag, Geschäftsführervertrag oder Weisungen in Form von Gesellschafterbeschlüssen vorgegeben. Anders verhalte es sich im Außenverhältnis, dort seien „derartige Beschränkungen grundsätzlich nicht wirksam“.

Dass die Verantwortung bei mehreren Gesellschaftern teilbar sei, ist laut Proba ein Trugschluss. Auch bei einer Aufgabenteilung und Ressortbildung bestehe „grundsätzlich Gesamtzuständigkeit und Gesamtverantwortlichkeit“. Er empfiehlt in diesem Zusammenhang, das eigene Tun zu dokumentieren. Damit könne man nachweisen, die Pflichten wahrgenommen zu haben, „um eine persönliche Haftung für das Fehlverhalten anderer zu vermeiden“.

Wer denkt, nach dem Ausscheiden als Geschäftsführer frei von allen Pflichten zu sein, unterliegt Proba zufolge einem Irrtum. Denn Verschwiegenheit, Einhaltung des vertraglich vereinbarten nachvertraglichen Wettbewerbsverbots sowie die Auskunftspflicht über die Geschäfte und Vermögenswerte der GmbH seien nach wie vor gefordert.

Wenn risikoreiche Entscheidungen anstünden, dann sollten Geschäftsführer diese mit den Gesellschaftern abstimmen und die Gründe für ihre Entscheidung dokumentieren, so Martin Proba. „Wirtschaftlicher Erfolg erfordert immer auch ein gewisses Maß an Risikobereitschaft.“ Wenn dadurch allerdings ein Schaden für die Gesellschaft entstehe, könne dies unter Umständen zu einer Schadensersatzpflicht des Geschäftsführers führen.

„Meist ist der Mensch die Schwachstelle im System“, wies der IHK-Geschäftsbereichsleiter darauf hin, dass sich ein Unternehmen ebenfalls gegen Risiken nach innen absichern solle – neben den externen Faktoren Markt-, Sicherheits-, Umwelt-, Unfall- und Prozessrisiko. Auch mittelständische Betriebe könnten mit dem Kartellrecht in Konflikt geraten, warnte er. Dies etwa bei den Punkten Preis- oder Konditionenabsprachen, Marktaufteilung, Höchstpreisbindung, Preisempfehlungen oder Meistbegünstigungsklauseln.

Haftungsrisiken gibt es Probas Worten zufolge nicht nur im Falle einer Insolvenz. Wesentliche gesetzliche Pflichten eines Geschäftsführers seien auch Aufstellung der Jahresabschlüsse, Sicherstellung der ordnungsgemäßen Buchführung oder Schutz des Stammkapitals vor verbotenen Auszahlungen. Dazu kämen in der Krise die Information der Gesellschafter, die Erfüllung der Steuerpflichten und die Insolvenzantragspflicht.

„Augen auf dem Unternehmenskauf“, empfahl Proba. Er listete „zehn goldene Regeln“ auf. Unter anderem: Ziele sollten definiert, Alternativen geprüft werden. Andere Punkte seien die Informationssammlung über das Zielunternehmen, die Risikoabschätzung oder eine intelligente Finanzierung. Ein 120-Tage-Plan für die Umsetzung der Ziele sei notwendig, aber bei aller Fokussierung auf die Übernahme gelte: „Vergessen Sie nicht Ihr Tagesgeschäft“.

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