Der Überwald: Wie der Bergbau eine ganze Region prägte

„Grube Aussicht – das fast vergessene Bergwerk“ hat Geopark-Vor-Ort-Begleiter Andreas Arnold seine Tour betitelt, die er am Sonntag, 3. Mai, erstmalig anbietet. Treffpunkt ist um 13 Uhr der Parkplatz Kuhklingen („Hundeplatz“ in der Spechtbach) Wald-Michelbach. Ziele der zweieinhalbstündigen, 5,5 Kilometer langen Wanderung sind unter anderem das Freiheitsdenkmal, der Kottenberg sowie und das Grubenfeld „Aussicht“ mit Infos zum früheren Abbau von Manganerz.

Vom Parkplatz aus geht es zum Denkmal für die Freiheitskämpfer von 1848/49. Beim Rückzug kam es laut Arnold hier zu einem Gefecht zwischen den Reichstruppen und Freischärlern, zehn von ihnen fielen rund um Wald-Michelbach und Siedelsbrunn. Am Waldrand in der Gemarkung „Kuhklingen“ steht zum Andenken an die Gefallenen ein Gedenkstein. Im Volksmund wird die Stelle auch „Freischärlergrab“ genannt.

Am Kottenberg wurde, wie an vielen weiteren Stellen im Überwald, dem Köhlerhandwerk nachgegangen, berichtet Andreas Arnold über seine nächste Station. Der Begriff „Kottenberg“ beziehe sich auf die Form des Berges, der einer „Kote“, einer Köhlerhütte, ähnele. Mitte des 18. Jahrhunderts war dann der Waldbestand so stark geschrumpft, „dass die Köhlerei für ein knappes halbes Jahrhundert verboten wurde“. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich Arnold zufolge durch Wiederaufforstung der Bestand so weit erholt, dass sie wieder erlaubt war.

Über das Wegekreuz am Zollstock ist die nächste Station die Grube „Aussicht“ im „Seufzen“ – als eines der sichtbaren Überbleibsel des Überwälder Manganerz-Bergbaus. Ab etwa 1890 wurde hier industriell Manganerz abgebaut, so der Geopark-Begleiter. Größtes Feld sei die Grube „Aussicht“ gewesen, wo in sieben Stollen gearbeitet wurde. In Spitzenzeiten waren dort Arnold zufolge etwa 150 Bergmänner, Fuhrleute und Handwerker beschäftigt.

Anfangs wurde das Erz noch mit Pferdekarren nach Hirschhorn an den Neckar oder Weinheim gefahren. Mit dem Bau der Überwald-Eisenbahn ging dann die Konstruktion einer Seilbahn von fast drei Kilometern Länge von den Stollen bis zum Bahnhof Unter-Wald-Michelbach einher, berichtet er. Ab dieser Zeit geschahen die Transporte über die Eisenbahn.

1911 wurden laut Arnold der Bergbau im Grubenfeld „Aussicht“ eingestellt. Hauptgrund waren die aufkommenden politischen Spannungen mit Frankreich. Denn das Überwälder Erz wurde zu dieser Zeit hauptsächlich für die französische Rüstungsindustrie verwendet. Gebäude und Seilbahn wurden abgebaut, die Mundlöcher der Stollen verschüttet, erläutert er. „Trotzdem sieht man auch heute noch recht gut die Bergbau-Relikte aus jener Zeit.“

An mehreren Stellen könne man eingebrochene Gänge erkennen, zudem ließen sich gut die Stellen erahnen, an denen sich das Maschinenhaus der Seilbahn sowie deren Umlenkstation befanden. Mehrere Abraumhalden, die größte heiße im Volksmund „Eselsbuckel“, sowie das Areal des Bergbaubüros und der Werkstatt seien ebenfalls noch gut zu erkennen, sagt Arnold. Weitere und ausführlichere Informationen zu den einzelnen Stationen gibt es dann auf der Wanderung.

Info: Anmeldung unter Telefon 06207-922335 oder E-Mail a.arnold@kleiderbuegel24.de. Bei Gewitter und Unwetterwarnung findet die Tour nicht statt. Deshalb werden alle Teilnehmer gebeten, bei der Buchung ihre E-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu hinterlegen. Bitte festes Schuhwerk und etwas zu trinken mitnehmen. Für Rollstuhlfahrer ist die Strecke nicht geeignet.

Bergbau Grube Aussicht mit Erläuterungen - Kopie

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