Landratswahl: Aus dem „Duell“ wurde ein angeregter Dialog

Ob nun ein Kandidat oder zwei: Die Bürger kamen dennoch in den Rathaus-Sitzungssaal, um sich ein Bild des SPD-Landratskandidaten Gerald Kummer zu machen. Da CDU-Bewerber Christian Engelhardt terminlich verhindert war, wurde aus dem erhofften Duell ein Dialog zwischen Moderator, Kummer und Bürgern. „Eine Gegenüberstellung der Kandidaten wäre zwar für die Wähler und uns als Initiatoren wünschenswert gewesen, nichtsdestotrotz kann der Abend als Erfolg verbucht werden“, so der Vorstand des einladenden demokratischen Bürgerforums Überwald.

Er sei hier, „um mit den Bürgern einen Dialog zu führen und nicht einen Monolog“, so Gerald Kummer einleitend. Vorstandsmitglied und Moderator Jörg Maletz, freute sich, zumindest ihn begrüßen zu können, denn das persönliche Gespräch sei immer die bessere Alternative. Sechseinhalb Monate Wahlkampf lägen nun hinter ihm und seinem Team, erläuterte der Kandidat – ein langer Zeitraum, den er aber nicht missen wolle. „Eine bewegte, anstrengende und fordernde Zeit, in der ich viel dazu gelernt und viel erfahren habe. Würde man mich fragen, ob ich es nochmal machen würde, würde ich das ganz klar bejahen.“

„Ich möchte hier Landrat sein, weil ich die Vielfalt, die Heterogenität dieser Region so schätze. Ich möchte diesen Kreis weiterentwickeln, wobei mein besonderes Augenmerk auf einer guten Sozialpolitik liegt“, bekräftigte der Kandidat in seiner emotionalen Vorstellung. Er sei kein Revolutionär, sondern wolle eher als Reformer die Dinge im positiven Sinne bewegen. „Die Kommunen sind die Basis unserer Demokratie, Demokratie findet hier vor Ort statt“, so Kummer. Der SPD-Politiker und ließ daran keinen Zweifel, dass er es auch genauso meint.

Vertrauen gewinnen und Bezug zur Basis schaffen seien für ihn oberstes Gebot. Themen wie soziale Gerechtigkeit und ungerechte Vermögensverteilung stehen im Vordergrund. Gerald Kummer betonte, dass er ein klarer Verfechter der Vermögenssteuer sei. „Und damit meine ich nicht die Besteuerung von Omas kleinem Häuschen.“ Hier gebe es Möglichkeiten, um diese auszuschließen, sagte der derzeitige SPD-Landtagsabgeordnete.

Jörg Maletz sprach die verheerende Wahlbeteiligung vom 22. März an. „Den Parteien, Kirchen und Vereinen rennen die Mitglieder davon.“ Nun würden auch die Wähler immer weniger. „Wie kann man dem entgegenwirken?“ Man dürfe nicht pauschal über die Gruppe der Nichtwähler schimpfen, betonte Kummer. Wichtig sei es, verstärkt den Bürger mitzunehmen, vielleicht ihn mehr einzubinden durch ein verändertes Angebot. Etwa Veranstaltungen und öffentliche Sitzungen zu anderen Zeiten und an gut gewählten Orten.

„Man muss eben ernsthaft Wege suchen anstatt geringe Beteiligung zu akzeptieren.“ Es bedeute Arbeit, den Bürger als Wähler zurückzugewinnen. „Die gilt es zu investieren“, sagte der SPD-Kandidat mit Nachdruck. „Kummer kümmert sich“ ist seinen Worten zufolge nicht nur eine Wahlfloskel. Es gehe in der Politik immer darum, „mit den Menschen in einen Dialog zu treten und über die Sorgen von Betroffenen zu reden“.

Ehrenamtliches Engagement bei der Betreuung von Flüchtlingen dürfte die hauptamtliche Arbeit nur unterstützen, nicht ersetzen, hieß es. Nach drei Monaten solle man den Flüchtlingen die Option auf eine vergütete Anstellung bieten, sagte Kummer. Weitere Themen waren die Tourismus-Förderung (als Teil eines Gesamtkonzepts), der Verzicht auf Leuchttürme zugunsten einer nachhaltigen Politik oder die Schaffung von kurzen Wegen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz.

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