Ohne eine vernünftige Anbindung an die Bergstraße geht gar nichts

Auch wenn die B38 im Weschnitztal einige Kilometer entfernt ist, so hat sie doch direkte Auswirkungen auf die Arbeit der Igena in Wald-Michelbach. Wie der technische Leiter Steffen Reinsch gleich zu Beginn des Besuchs von SPD-Landratskandidat Gerald Kummer verdeutlichte, „gab es schon Absagen von Firmen, nach dem die einmal den Weg von der Autobahn hierher gefahren sind“. Nichtsdestotrotz sehen Reinsch und Geschäftsführer Werner Lipp den Industriepark einige Jahre nach seiner Gründung auf einem sehr guten Weg.

Das Thema B38-Umgehung kam wie aus der Pistole geschossen auf Kummers Frage, was der Kreis für ein Unternehmen wie die Igena tun könne. „Hier muss sich so bald wie möglich etwas bewegen“, betonte Lipp. Er halte wenig von Zuschüssen, denn das Geld dafür müsse ja auch wieder irgendwo her kommen. Außerdem bedeute die Beantragung viel Bürokratie. „Es wäre gut, wenn mehr Nachfrage von der Bergstraße her kommt“, sagte er. Nach wie vor würden einige Unterhemen durch die schlechte Verkehrsanbindung abgehalten.

„Bei der B38 müssen wir alle an einem Strang ziehen“, forderte Kummer. Aufgrund der derzeit kursierenden unterschiedlichen Infos „wollte ich konkret wissen, woran es hängt“, so der SPD-Kandidat. Seinen Worten zufolge wurde per Eilantrag gegen die Planfeststellung mit Sofortvollzug geklagt. Dieser Antrag wiederum „liegt unbearbeitet vor Gericht“. Und zwar deshalb, „weil die Finanzierung nicht steht“. Die Argumentation des Gerichts sei, wenn noch keine Gelder im Bundeshaushalt für das Projekt eingestellt seien, „ist der Eilantrag auch nicht eilig“.

„Die verantwortlichen Bundespolitiker aus dem Kreis müssen sich für die Bewilligung der Haushaltsmittel einsetzen“, forderte der SPD-Politiker. Mit Michael Meister (CDU) und Parteifreundin Christine Lambrecht habe man zwei hochkarätige Vertreter in Berlin sitzen. Und der Bundesverkehrsminister solle sich mal mit anderen Themen als der Maut beschäftigen, so Kummer. „Wenn der Sofortvollzug rechtskräftig ist, wird gebaut“, sagte er. Die Planfeststellung als solche könne noch jahrelange beklagt werden.

Deutliche Worte fand in Bezug auf die Bauverzögerung der erste Beigeordnete von Wald-Michelbach, Peter Bihn. Meister und Lambrecht seien so hoch in der Partei- und Regierungshierarche angesiedelt, dass bei ihm der Eindruck entstehe, „die können oder wollen es nicht“. Es sei doch „eine Farce, was hier abläuft“, machte er seinem Ärger Luft. Er als Unternehmer bekomme schon fast keine Spedition aus Mannheim mehr, weil diese den langen Anfahrtsweg scheue.

Mit einem Bau der Umgehung „kehrt auch die Lebensqualität zurück“, ergänzte Kummer. Und nicht zuletzt brauche man für eine starke Wirtschaftsregion die entsprechenden Verkehrswege. „Wir müssen Farbe bekennen, dass die B38a notwendig ist“, betonte er. Sie könne eine Aufwärtsspirale in Bezug auf Wirtschaftsansiedlung und Bevölkerungsentwicklung Gang setzen.

Mit der Igena-Gründung sei die Gemeinde ein hohes Risiko eingegangen, erläuterte Reinsch dem Gast und seiner Begleitung von örtlichen SPD-Politikern die Vorgeschichte. Doch: „Es hat sich gelohnt“, verdeutlichte er. Inzwischen schreibe man Gewinne und sei selbst zum Auftraggeber von örtlichen Firmen geworden. 300.000 Euro gingen als Aufträge in die Region, von den angesiedelten Firmen noch einmal um die 200.000 Euro. Nicht zuletzt profitiere auch die Gemeinde durch etwa 100.000 Euro, die auf die eine oder andere Weise im Haushalt ankämen. Er könne allerdings die damaligen Vorbehalte bei Gründung gut nachvollziehen, ergänzte Lipp.

Das Thema Finanzen wurde auch in einem größeren Kontext behandelt. Werner Lipp übte Kritik an der „schwarzen Null“ im Bundeshaushalt. Die müssten doch letztendlich die Kommunen bezahlen. Bei Landrat Wilkes habe es das Prinzip gegeben: „Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch.“ Das vermisse er immer mehr. So müssten etwa die Kindergärten inzwischen überall knapsen, weil die Landesmittel fehlten. „Da sind wir inhaltlich voll auf einer Linie“, pflichtete Gerald Kummer bei. „Ich habe es noch nie erlebt, dass das Konnexitätsprinzip wirklich angewendet wurde.“

37 Millionen Euro, die der Bund in Hessen den Kommunen für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung stelle, „werden nicht weitergereicht“, sagte er. Sie verblieben beim Land. Denn das stelle sich auf die Position, dass die den Städten und Gemeinden zur Verfügung gestellten Pauschalen reichen müssten. „Tun sie aber nicht“, so Kummer. Und wenn das seitens der Kommune ausgesprochen werde, dann werde man vom Land so hingestellt als könne man „nicht mit Geld umgehen“. Für den SPD-Politiker „ein Unding“.

„Man spürt an der bemerkenswerten Atmosphäre im Raum, dass hier die Chemie stimmt“, zollte Kummer dem Igena-Team Lob. Diesem Urteil pflichtete Reinsch bei. Man treffe sich in kleinem Kreis, um Grundsatzentscheidungen zu diskutieren und zu treffen. Viele eigene Ideen fänden Eingang, sagte Lipp, es seien alte Kontakte aktiviert worden, um das Projekt Igena zu Beginn auf die Beine zu stellen. Die sind es auch hauptsächlich, die zu neuen Mietern führen.

„Wir versuchen Neugründer zu unterstützen und bieten flexible Konditionen“, so Reinsch. „Es ist Leben in der Bude“, meinte er. Bei Raumgröße oder Mietpreis könne man ab und zu geben. Auf diese Weise habe man schon so manche Firma angelockt, die zuerst in kleineren Räumen anfing und danach kräftig aufstockte. Etwa Jöst mit zuerst 200, jetzt 1200 Quadratmetern angemieteter Fläche. Oder Cortec mit früher 500, jetzt 3000 Quadratmetern. Ein Rundgang übers Gelände mit Besichtigung der Holzhackschnitzelanlage schloss sich an.

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