Geistreiche Ourewäller Landrats-Ideen beim hochprozentigen „Eintopf“

Zugegeben, die Schnapsidee hat was: das „Ourewäller Landratsamt“ in einem Schloss auf der Tromm, von wo aus der Schlossherr sein ganzes Reich im Blick hat. Der Erbächer Landrat und der „vun Hepprum“ lediglich noch als Ortsvorsteher ihrer Regionen. Gedankengänge, dem übermäßigen Alkoholgenuss des „Ourewäller Landrats“ entsprungen, wie ihn Bernd Ginader bei der Premiere des Stücks „Eintopf“ im Nibelungencafé des Hotels Gassbachtal verkörpert. Sein Hannes, dargestellt von Hans Dörsam, lieferte den ausschweifenden Phantasien im neuen Programm (zu dem auch der „Ourewäller Flugtag“ gehört) eifrig Vorschub.

Dass der Ourewäller Landrat die Herrschaft über die beiden Landkreise an sich reißen will, ist einer Verschwörung der beiden dortigen Landräte geschuldet, wie sie ihm der Hannes während einer „Eintopf-Verkostung“ steckt. Dass dieser Eintopf hochprozentig war („aber alles Obst“), lässt sich leicht an der Schnapsidee selbst erkennen. Die allerdings wird von den beiden Protagonisten in den wildesten Farben ausgeschmückt.

Bis hin zum „Ourewäller Kaiserreich“, in dem über die beiden Fahnenflüchtigen vom Neckartal, die Bürgermeister von Neckarsteinach und Hirschhorn (sie flüchteten wohl eher vor des Landrats Fahne), kräftig gewettert wurde. Ein Ausscheren wird nicht toleriert, macht der Ourewäller Kaiser Willes unmissverständlich deutlich. Eine Wiederwahl muss er nicht mehr fürchten. „Ich danke vielleicht mal ab“, gibt er seinen Untertanen mit.

Die wiederum waren vom „Hannes und dem Ourewäller Landrat“ sehr angetan. Das Mundart-Kabarett gibt es inzwischen schon mit dem vierten eigenen Programm. Der trottelige, aber bauernschlaue Hannes mit seinen vielen Wortverdrehungen und den Sprachfehlern sorgt immer wieder für Lacher, wenn er dem Gespräch damit eine völlig andere Wendung gibt. Und mit seinen permanenten Fehlern (Bohne statt Bowle) dem Landrat jedes Mal aufs Neue die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Die allerdings, siehe oben, kommt nicht nur vom Zorn, sondern auch von zu viel Bohne, pardon, Bowle. Die in „Eintopf“-Form sollte der Ourewäller Landrat auf dem Weg zum Frühlingsfest nur kurz probieren. Aber aus dem Probieren wurde dann doch viel Studieren, Philosophieren und Phantasieren, sodass zum Schluss die nüchterne Eröffnungsrede auf dem Fest extrem feucht-fröhlich ausarten würde.

Beim anderen Sketch, dem „Ourewäller Flugtag“, nehmen die beiden Komödianten Hans Dörsam und Bernd Ginader eine alte Tradition aus den 1950er und 1960er Jahren aufs Korn. Denn der Landrat möchte die Skisprungschanze auf dem Hardberg in Siedelsbrunn wieder aufbauen und ein Skispringen veranstalten. Bühnenhintergrund ist unter anderem eine alte Fotografie der Schanze. Dass Willes den Eröffnungssprung in persona machen will, versteht sich natürlich von selbst. Hannes, sein treuer Amtsbote, übernimmt das Training, um seinen Chef aufs Springen vorzubereiten.

Die Zuschauer werden Zeuge, wie Ginader mit dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, telefoniert. Und sich mit dem Sie und Du ebenso verheddert wie mit dem Versuch, Hochdeutsch zu reden. Immer wieder entsteht Situationskomik, wenn der schusselige Hans die Worte seines Chefs missversteht und selbst mit seinen Wortverdrehungen für Lacher sorgt. Natürlich muss die Nachricht über die Zusage fürs Internationale Skispringen erst einmal mit einem Schnaps begossen werden – dem logischerweise weitere folgen.

Der geplante Eröffnungssprung stellt den Landrat vor ungeahnte Probleme. Seine Körperfülle ist immer wieder das Ziel von Hannes‘ Spott. Der schreibt sich immerhin auf die Fahnen, „schon so manchen Ochs zum Springen gebracht zu haben“. Trotzdem hält das Training so manche Lachmuskel beschäftigende Hindernisse bereit. Aber mit Schnaps lässt sich bekanntlich jede Form von Angst bekämpfen.

Wortreich wird auch um die Gäste des besonderen Ereignisses gefeilscht. Zusätzlich regt Hannes ein Wettrennen mit dem „Seppl von Hepprum in seinem Rot-Kreuz-Wagen“ an. Gemeint ist natürlich Sebastian Vettel im Ferrari. Immerhin: Zur Finanzierung darf der findige Ourewäller Landrat eine Mautstation auf der Kreidacher Höhe einrichten. CSU-Verkehrsminister Dobrindt hat ihm das zugesagt.

Dörsam und Ginader sind inwischen in der vierten Comedy-Saison aktiv. Begonnen hat alles mit einer „Schnapsidee“ in der Backstube des Nibelungencafés. Im Frühjahr 2012 war Premiere mit den beiden Stücken „Treibjagd auf der Tromm“ und „Das Nibelungenland“. Nach dem großen Erfolg wurden zwei neue Sketche geschrieben. 2013 hieß es „Uff em Wiesemarkt“ und „Das Dienstjubiläum“. Nachdem auch diese beiden Stücke beim Publikum großen Anklang gefunden hatten, ging es 2014 weiter mit dem „Kreisfeuerwehrtag“ und dem „Wahlkampf“ – immer auf der Bühne des Nibelungencafés.

Inspiriert wurden die beiden Odenwälder Bäckermeister bei der Erschaffung ihrer Bühnencharaktere vom SWR-Sendeformat „Hannes und der Bürgermeister“. Sie transportierten den Stoff aus dem Schwäbischen in den Odenwald. Die lustigen Geschichten auf „Ourewällerisch“, das eine große Rolle in der Handlung spielt, dürfen natürlich nicht fehlen. Auch in den neuen Stücken kommt der Lokalkolorit zum Tragen. Nachbargemeinden, -kreis und -bürgermeister bekommen kräftig ihr Fett weg.

Damit der kulinarische Aspekt nicht unter den Tisch fällt, ist die Vorstellung in ein Vier-Gänge-Menü aus der Küche des Hotels Gassbachtal eingebettet. Für die musikalische Unterhaltung auf dem Akkordeon sorgt Ludwig Lammer. Weitere Aufführungen gibt es am Freitag, 24. April, und Pfingstsamstag, 23. Mai, jeweils um 19 Uhr. Infos unter www.landrat-willes.de oder Telefon 06207/94000.

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