Wenn die Postbotin auch das Hundefutter im Gepäck hat

„Hier, schnappen Sie sich mal das Paket und dann geht’s die Treppen hoch.“ Post-Zustellerin Susanne Sieber freut sich, dass sie von mir zumindest zu Beginn ihrer Auslieferungs-Tour begleitet wird. Denn Internet-Bestellungen „machen es möglich“: Schwere Pakete mit Hundefutter oder sogar mit Zement für Arbeiten am Haus werden heute tagtäglich per Paketpost versendet. Maximal 31,5 Kilo sind es dann, die vom Postboten ins Haus geschleppt werden müssen.

Zum Glück für mich ist es diesmal ein leichtes Paket. Das aber postwendend wieder den Weg zurück in den typischen gelben Transporter antritt, weil gerade niemand in den Weidenklingen zuhause ist. Auf dem Weg bergab werden von mir noch ein paar Briefe an diesem Tag ausnahmsweise in den Briefkasten geworfen, ehe sich dann Susanne Sieber allein auf die restliche Tour durch Wald-Michelbach macht. Etwa 700 Haushalte fährt sie in etwa jeden Tag an. 60 Pakete hat Sieber dabei im Schnitt im Auto, geht es auf Ostern oder Weihnachten zu, können es auch schon mal 90 sein.

Bevor sie aber in den Transporter steigt, liegt schon viel Arbeit hinter ihr. Das Sortieren ist dabei noch die leichtere Übung, auch wenn sie genau hinschauen muss, damit alle Briefe, Zeitschriften, Zeitungen und Werbeflyer in der richtigen Reihenfolge liegen. Denn die werden von ihr schon nach Straßen und Hausnummern vorsortiert, sodass vor Ort nicht noch mühsam gekramt werden muss. Der morgendliche Frühsport beginnt in der Folge draußen: Bei Wind unter Wetter muss die „Verbundzustellerin“ – wie die Briefträgerin von damals heute heißt – die Pakete erst scannen und dann eigenhändig in ihren Transporter laden.

„Auf körperliche Fitness wird bei der Ausbildung und Einstellung geachtet“, sagt deshalb auch Stefan Heß von der Pressestelle Mitte der Deutschen Post in Frankfurt, unter anderem zuständig fürs südlichste Hessen. Heutzutage hat der frühere Briefträger eine zweijährige anerkannte Ausbildung mit Abschluss bei der örtlichen IHK durchlaufen ist dann „Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen“. Dieser Titel befähige auch zu Logistik-Jobs außerhalb der Post, so Heß.

Susanne Sieber begann schon ihre Ausbildung bei der Bundespost in Weinheim, als von dieser speziellen Berufsbezeichnung, von Privatisierung, DHL oder Worldwide Logistics noch nicht die Rede war. Nach elf Jahren Familienpause stieg die in Korsika wohnende („bei Schimmeldewog“, sagt sie lachend) vor ein paar Jahren beim „Zustellstützpunkt“ (ZSP) in Wald-Michelbach wieder ein.

Dieser „ZSP“ gehört wiederum zum „ZSPL“ (Zustellstützpunkt mit Leitungsfunktion) im badischen Eberbach. Vor dort aus werden nach den Worten seines Leiter Andreas Becker – ohne „Rücksicht“ auf Kreis- oder Ländergrenzen – elf ZSP mit 120 Bezirken betreut. Die reichen von Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis über den hessischen Kreis Bergstraße bis hin zum nordbadischen Hemsbach im Rhein-Neckar-Kreis.

Die nächstgelegenen von Wald-Michelbach aus sind Hirschhorn und Mörlenbach. Wobei ZSP nicht mit der Postfiliale als solcher verwechselt werden dürfe, führt Becker aus. Denn diese werde inzwischen fast durchgehend von Servicepartnern betrieben – wie auch in Wald-Michelbach, wo vorn Post draufsteht, aber „nur“ der hintere ZSP noch wirklich zum Konzern gehört. In diesem Zusammenhang betont Heß, dass bis auf 990 Bezirke deutschlandweit noch 100.000 Post-angestellte Mitarbeiter im Zustellungsbereich arbeiteten.

Elf Bezirke sind es, die von Wald-Michelbach aus betreut werden. Zum gesamten Gemeindegebiet kommt noch Abtsteinach hinzu. Im Schnitt sind es rund 13.300 Briefsendungen am Tag, die vom Briefzentrum Mannheim gegen 8 Uhr im Überwald angeliefert werden. Aus Speyer kommen die Pakete: Hiervon treffen gut 500 Stück täglich etwa zur selben Uhrzeit in Wald-Michelbach ein, berichtet Stefan Heß. In den näher an Weinheim gelegenen Orten kommt die Post morgens etwas an, da sie auf der Strecke in den Überwald liegen.

Mit dieser Anlieferung beginnt in der Regel auch der Arbeitstag der Zusteller. Während die Standardbriefe schon vorsortiert nach Bezirken in Plastikkisten auf Susanne Sieber warten, muss sie Großformatigeres wie etwa Zeitungen und Zeitschriften per Hand einsortieren. Und die Pakete einladen. Gegen 10 Uhr ist Sieber dann in der Regel abfahrbereit und macht sich auf ihre Tour. Zwischen 16 und 17 Uhr kommt sie von dort wieder zurück. Etwas länger kann es dann dauern, wenn – wie just am Tag des OZ-Besuchs – ein Kollege krank ist und dessen Bezirk von den übrigen Zustellern mit übernommen wird.

„Es gibt feste Bezirke“, aber auch sogenannte „rollierende“, erläutert Andreas Becker. Man schaue darauf, dass diese von den Anforderungen her gleich verteilt seien und „nicht einer eine ruhige Kugel schiebt“. Die Postzustellung im ländlichen Raum unterscheide sich stark von der in der Großstadt, ergänzt Stefan Heß. In Frankfurt könne es passieren, dass ein Zusteller „nur“ für ein Hochhaus mit etlichen Parteien zuständig sei und viele Geschäftspakete ausliefern müsse. Auf dem Land wiederum gehe die Arbeit stark in die Fläche, sind es eher Briefsendungen oder Zeitschriften. So oder so: Gefordert wird jeder Zusteller, egal wo er arbeitet.

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