Lärmaktionsplan greift nicht in Fürth: „Zu wenig Fahrzeuge“

Für die lärmgeplagten Anwohner der Ortsdurchfahrt B 38/B 460 wird sich wohl so schnell keine Besserung einstellen. Bürgermeister Volker Oehlenschläger machte auf der Versammlung der Bürgerinitiative (BI) „Lärmschutz Fürth“ den Anwesenden wenig Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit leiser zugehen könnte. Einziger Lichtblick: der Kreisel am Ortseingang von Krumbach kommend. Hier rechnet der Rathauschef mit einer Fertigstellung innerhalb von zwei Jahren – wenn alles glatt geht.

BI-Sprecher Guido Wetzel thematisierte zu Beginn die im Auftrag des Regierungspräsidiums erstellte Lärmkartierung. Nach der fahren an den neuralgischen Stellen zu wenig Autos durch Fürth und seine Lärm belasteten Ortsteile, damit daraus ein Handlungsbedarf resultieren könnte. Wenn sich alle an Tempo 50 hielten, so Wetzel, „dann wäre das noch in Ordnung“. Aber schon bei 60 und mehr Stundenkilometern schnelle die Dezibelzahl stark nach oben und die Lärmbelastung nehme zu.

Oehlenschläger bestätigte, dass Fürth nicht vom sogenannten „Lärmaktionsplan“ profitiere, der an besonders neuralgischen Punkten Lärm mindernde Maßnahmen vorsehe. Denn man sei „unterhalb des Schwellenwerts“. Somit werde seitens des Landes argumentiert: „Es fahren zu wenig Fahrzeuge durch den Ort, also sind keine Maßnahmen erforderlich“, verdeutlichte der Bürgermeister. Das sei leider der Stand der Dinge.

Da die Bundesstraßen eine überörtliche Netzfunktion hätten und für sie somit auch der Bund zuständig sei, „können die Gemeinden nur Wünsche äußern“. Sie seien aber „nicht das handelnde Organ“, betonte das Ortsoberhaupt.  Er wies darauf hin, dass an elf Stellen auf Fürther Gemarkung mobil geblitzt werde, um die Autofahrer zur Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit zu bewegen.

Um die mobilen Blitzer wiederum ging es BI-Sprecher Wetzel nicht vorrangig. Er forderte mehr stationäre Kontrollanlagen. Neidvoll ging nicht nur sein Blick in die angrenzenden Orte, wo es viel mehr blitze als in Fürth. In Rimbach etwa sei der Lärm nach Inbetriebnahme einer solchen Station erträglicher geworden, habe er von dort gehört. In Fürth gebe es nur eine festinstallierte Anlage, und zwar in Weschnitz, so Wetzel.

Bürgermeister Oehlenschläger wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Blitzanlagen nicht wegen hoher Lärmbelastung installiert werden dürften, sondern nur an Gefahrenpunkten wie etwa Bushaltestellen oder Zebrastreifen. Zwei Anlagen in Krumbach seien abgelehnt worden. Eine Meinung, die Wetzel allerdings nicht teilen wollte. „Lärm zählt scheinbar nicht, die Leute können damit zugemüllt werden“, meinte er. „Da rührt sich keine Behörde.“

Albert Emig, der frühere Ortsvorsteher von Krumbach, machte seinem Frust über die zu lauten Motorradfahrer Luft (wobei er die gesetzestreuen ausdrücklich ausnahm). Doch diejenigen Kradfahrer, die schon weit vor dem Ortsausgang Richtung Gumpener Kreuz „kräftig aufdrehen“ und dann röhrend an den Häusern vorbei fahren, trieben ihm die Zornesröte ins Gesicht.

Zwei Grundübel machte er aus: zum einen gehöre an die Motorräder auch vorn ein Kennzeichen, damit sie besser erkennbar seien. Zum anderen müsse ein veränderter Auspuff in Papieren sichtbar gemacht werden. Punkte, bei denen der Gesetzgeber gefordert sei. Emigs Meinung nach hat die Nachbargemeinde Lindenfels die Geschwindigkeitsreduzierung am Ortsaus- bzw. -eingang viel besser gelöst – „obwohl es in Krumbach viel gefährlicher ist“. Er verstehe nicht die Unterschiede.

Angesprochen wurde bei der Versammlung auch der geplante Kreisel am nördlichen Ortseingang, von dem man sich gewisse geschwindigkeitsverringernde Effekte erhofft. Laut Oehlenschläger hängt dessen Verwirklichung vom Fortschritt des dort geplanten Rewe-Neubaus ab. Er rechne mit einer Realisierungszeit von etwa zwei Jahren. Die Maßnahmen müssten parallel laufen, erläuterte er. Denn sowohl Rewe als auch Aldi steuerten einen Obolus von 250.000 und 100.000 Euro (plus Umsatzsteuer) zum Kreiselbau zu, der sonst nicht finanzierbar sei. Den Rest müsse dann die Gemeinde übernehmen.

Wie viel das sein wird, vermochte Oehlenschläger noch nicht zu beziffern. Verkehrskreisel kosteten in der Regel zwischen 400.000 und 600.000 Euro. Der Bund wird laut dem Bürgermeister an dieser Stelle nicht tätig, weil es nach dessen Kriterien keine Notwendigkeit gebe. „Wir probieren dort, wo wir was tun können, auch etwas zu tun“, sagte er. Gleichzeitig gehe es natürlich darum, „jeden Cent, den man sparen kann, mitzunehmen“.  Weswegen eine zeitgleiche Bauausführung geboten sei.

Für Wolfgang Pieper, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung, sind Statistiken wie die Lärmkartierung grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Er plädierte für eine Strategie der kleinen Schritte. Eine Maßnahme nach der anderen solle angegangen werden, um nach und nach eine Verbesserung der Lärm-Belastung zu erreichen und für mehr Sicherheit im Ort zu sorgen. Andererseits wünschte er sich auch von den zuständigen übergeordneten Verkehrsbehörden, über ihr „strenges Vorgehen rein nach Paragrafen nachzudenken“.

Ähnlich äußerte sich Guido Wetzel: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, meinte er. Die zuständigen Gremien sollten nicht „auf Paragrafen reiten“. Pessimistisch ist er in Bezug auf die Ortsumfahrung B38a. Während Wetzel die für Mörlenbach mittelfristig noch als realistisch ansieht, ist er in Bezug auf Fürth „nicht überzeugt, dass es in den nächsten fünf Jahren etwas damit wird“.

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