Ein Unternehmer von altem Schrot und Korn

Peter Jöst ist genau der Typ Mittelständler, um den das Ausland Deutschland so beneidet. Mit seinen 73 Jahren ist der Gründer und Geschäftsführer von „Jost Abrasives“ in Affolterbach vor Ideen sprühend, agil, jeden Morgen um 8 Uhr im Büro, in der Region verwurzelt, sozial engagiert, um das Wohl seiner Mitarbeiter besorgt. Patente sammelt er wie andere Leute Bierdeckel. Ein mehr als interessanter Gesprächspartner somit für den SPD-Landratskandidaten Gerald Kummer.

Der jetzige Landtagsabgeordnete war aber nicht allein gekommen. Mit ihm statteten Karin Hartmann, ebenfalls MdL und wohnhaft im Nachbarort Grasellenbach, der Erste Beigeordnete Peter Bihn, SPD-Fraktionsmitglied Wolfgang Wojcik und der Ortsvereinsvorsitzende Sascha Weber dem Werk einen Besuch ab. Jöst Abrasives stellt Schleifmittel und Schleifsysteme für viele namhafte Unternehmen in aller Welt her. Sei es für Auto-, Möbel-, Stahl, Schiffsbau, Flugzeug- oder Kunststoffbau. Würth, Honda, VSM oder Umicore zählen zu den Kunden der Firma aus Affolterbach.

Mit 50 Mitarbeitern wird auf 8000 Quadratmetern ein Jahresumsatz von etwa acht Millionen Euro erwirtschaftet. Eigentlich ist die Firma Jöst damit ein Zwerg in der Branche – aber nicht, wenn es um Erfindungen geht. Denn Peter Jöst ist ein Tüftler. Seine Ideen sind so gut, dass große Konzerne ihm die Patente streitig machen wollen. In der Hoffnung, dass Jöst nicht die notwendigen finanziellen Mittel hat, um aufwendige Gerichtsprozesse durchzustehen. Aber weit gefehlt. Jöst macht als David den Goliaths immer wieder das Leben schwer, wehrt sich mit Zähnen und Klauen und nimmt den (erfolgreichen) Kampf gegen milliardenschwere Global Player auf.

So etwa im Fall einer Multiloch-Scheibe, deren Patent er mit Erfolg gegen einen französischen Bauprodukte-Konzern verteidigte. Ein Kampf, der ihm immer wieder an die Substanz geht. Und ihm bei einer Niederlage um die Zukunft seiner Firma und vor allem der Mitarbeiter fürchten lässt. Aber nachgeben wird und will er trotzdem nicht. Denn für Peter Jöst ist klar: „Die Mitarbeiter sind das Herz des Betriebs.“ Viele arbeiten schon Jahre und Jahrzehnte hier.

„Ich habe noch nie einen einzigen Euro Zuschuss beantragt“, ist der Unternehmer stolz. Und beantwortet damit auch indirekt Gerald Kummers Frage, was er sich von der Politik wünsche. Allerdings fände er es sinnvoll, staatliche Zuschüsse auch an den Umgang mit den Mitarbeitern zu koppeln. Wer Geld bekomme, der dürfe nicht Arbeitnehmer vor allem mit Zeitverträgen beschäftigen und nach zwei Jahren wieder auf die Straße setzen.

Für Jöst ist eine soziale Absicherung in Form unbefristeter Arbeitsverträge auch gesellschaftspolitisch wichtig. Denn so könnten Arbeitnehmer Fuß fassen, sesshaft werden, eine Familie gründen. Wenn man sie dagegen immer wieder auf die Straße setze, dürfe man sich auch nicht beklagen, dass es immer weniger Kinder und Familien gebe. „Das zeichnet Sie aus, dass Sie so denken“, meint Kummer in Richtung des Unternehmers. Und Karin Hartmann ergänzt: „Es ist bedauerlich, dass es immer weniger Familienunternehmen gibt, die so langfristig denken.“

Denn trotz des Exports in alle möglichen Weltregionen ist die Firma im Odenwald verwurzelt. Jöst selbst kommt aus Ober-Abtsteinach, in die Firma sind inzwischen die beiden Söhne Christian und Dominik eingestiegen. In Wald-Michelbach ist der Betrieb im örtlichen Leben präsent und bringt sich auch sozial unterstützend ein, etwa bei der Einrichtung der Kleiderkammer.

Christian Jöst kann daneben keinen Standortnachteil erkennen. Pakete seien zu 99 Prozent am nächsten Tag deutschlandweit bei den Kunden. Seit der Einführung des schnellen Internets mit 50 Mbit/s surfe man nun besser als in manchen Großstädten. Wenn die Förderung des Landstrichs so fortgeführt werde wie unter dem bisherigen Landrat, ist er zuversichtlich. Die Firma investiere laufend, gerade aktuell wieder in zwei neue Fertigungsmaschinen.

Es werde immer mehr am Mittelstand rumgeknapst, so SPD-Kandidat Kummer. „Irgendwann gibt es ihn nicht mehr.“ Man dürfe nicht nur von Förderung reden, sondern müsse sie auch praktizieren. Sowohl für einen Landrat als auch für einen Unternehmer sei es wichtig, mit den Bürgern bzw. den Beschäftigten zu reden „und nicht im Elfenbeinturm zu sitzen“, postulierte er. Ein Landrat dürfe nicht spalten, „er muss die Menschen zusammenführen“.

Zu Beginn hatte Peter Jöst seinen Lebens- und Berufsweg skizziert: Wie er als 15-Jähriger eine Schlosserlehre bei Freudenberg begann, danach in Rumänien, China, Japan und den USA für das Unternehmen tätig war, ehe er mit knapp 40 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. 1981 war es dann soweit, er gründete am Standort Wald-Michelbach die noch heute bestehende gleichnamige Firma. Die wurde zwischenzeitlich beständig erweitert und stößt immer wieder an Kapazitätsgrenzen. „Denn wir haben immer neue Produkte und Patente entwickelt“, so Jöst. Jetzt wurden 1200 Quadratmeter bei Coronet zusätzlich angemietet.

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