Äpfel vom einzigartigen Ersheimer Kapellen-Baum

Georg Wieder hat eine ganz besondere Entdeckung gemacht. Der Hirschhorner Landwirt entdeckte auf seinem Acker neben der Ersheimer Kapelle einen ganz besonderen Apfelbaum. Dieser ist an die 100 Jahre alt und wurde von seinem 1877 geborenen, gleichnamigen Großvater, gepflanzt. Leider ist er „abgängig“, wird also in den kommenden Jahren absterben. Doch Georg Wieder sorgte kürzlich durch Revitalisierungs-Schnitte dafür, dass der Baum nochmals gute Edelreiser bildete. Diese können dann zur Obstbaum-Veredelung genutzt werden.

Wieder meldete seinen Fund auch dem Arbeitskreis „Historische Obstsorten Pfalz-Elsass-Kurpfalz“ vom Promologen-Verein Deutschland. Dieser widmet sich dem Erhalt von historischen Obstsorten und damit deren genetischer Vielfalt. Diese einzigartige Sorte, die „Ersheimer Kapellen-Apfel“ heißen soll, gelte es genetisch zu erhalten, heißt es. Die Stadt Hirschhorn plant deshalb, durch eine Baumschule neue Bäume anfertigen zu lassen. Diese werden etwa Mitte/Ende November zum Sonderpreis von 29 Euro auch an Bürger und Interessierte abgegeben, allerdings nur auf Vorbestellung. Die Stadt plant darüber hinaus, auf stadteigenem Gelände einige Ersheimer Kapellen-Apfelbäume auszupflanzen.

Großvater Wieder betrieb damals eine sogenannte „Baumschule“ in Hirschhorn. Diese Art der Baumschulen – nicht mit heutigen vergleichbar – wurde von sachkundigen Baumwarten geführt, die gezogene und dann veredelte Obstbäume in die nähere Umgebung ihrer Wirkungsstätte abgaben. Entstanden ist dieses Unikat von einem Apfelbaum wohl aus einem Kern aus ausgepresstem Apfeltrester. Die jeweiligen Elternseiten (Baumblüte und Bestäuber) sind nicht bekannt. Es handelt sich um einen sogenannten Findling, vergleichbar einem Findelkind, bei dem Mutter und Vater nicht bekannt sind.

Georg Wieder hat auch einige Infos zum Ersheimer Kapellen-Apfel parat: Er ist pflückreif ungefähr Mitte September und sofort genussreif (im Gegensatz zu sogenannten Winteräpfeln, bei denen Pflück- und Genussreife zwei bis vier Monate auseinander liegen). Man kann ihn sehr gut frisch verzehren, er hat ein süß-säuerliches Aroma. Dieses wird nach vier Wochen Lagerung allerdings deutlich schwächer. Zum Backen ist er in den ersten zwei bis drei Wochen gut geeignet, sogar hervorragend für Apfelmus. Beim Versaften erteilt Georg Wieder die Note „gut“, fürs Vermosten sogar „sehr gut“. Der Hirschhorner Landwirt fasst zusammen: „eine nicht nur erhaltenswerte Sorte, sondern auch eine mit guten Verwendungsmöglichkeiten. Und ein Original aus Ersheim, das es anderswo gar nicht gibt.

Info: Wer einen oder mehrere Bäume im November auspflanzen möchte, melde sich bitte bei der Stadtverwaltung Hirschhorn, damit die Anzahl der zu vermehrenden Bäume ermittelt werden kann. Kontakt und Bestellung über Werner Hildwein, Telefon 06272/923-136 oder E-Mail werner.hildwein@hirschhorn.de bis zum 15. Februar.

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