Wo setzen die Landrats-Kandidaten ihre Prioritäten? Start: Birgit Reinemund

Dass Hessen bis an den Neckar reicht, ist schon Frankfurtern meist unbekannt. Von den Kasselanern wollen wir gar nicht erst reden. Und manchmal haben Einwohner aus Hirschhorn und Neckarsteinach sogar in Heppenheim oder Bensheim Schwierigkeiten, ihre Zugehörigkeit zum Kreis Bergstraße nachzuweisen. Kein Wunder: Sind doch die beiden hessischen Neckartal-Gemeinde eine Exklave des Kreises, rundherum fast komplett von Baden umgeben und nur in einem schmalen Streifen an den ebenfalls hessischen Odenwaldkreis angrenzend.

Themen wie die Debatte über die B38a im Weschnitztal oder die B47-Umgehung Rosengarten werden am Neckar zwar registriert, sind aber nur periphär von Interesse. Hier sind es ganz andere Punkte, die die Bürger beschäftigen. Etwa die extreme Randlage im Kreis Bergstraße, verbunden mit weiten Entfernungen zu den Behörden, die „reicheren“ badischen Nachbarstädte und die Nahversorgung im ländlichen Raum. Wie sind im Vorfeld der Wahl am 22. März die Positionen der vier Landrats-Kandidaten dazu? Neckartal-Nachrichten hakte nach und wollte unter dem Motto „Drei Fragen zum hessischen Neckartal an…“ von Christian Engelhardt (CDU), Gerald Kummer (SPD), Dirk Hennrich (Linke) und Birgit Reinemund (FDP) Folgendes wissen:

  1. Demografischer Wandel/bessere Nahversorgung: Wie sehen Ihre Lösungsvorschläge aus, welche Verbesserungen sind für Hirschhorn und Neckarsteinach möglich, was werden Sie als gewählter Landrat als Erstes angehen?
  2. Was kann der Kreis Bergstraße/ein Landrat tun, um den Bürgern im hessischen Neckartal die Behördengänge zu erleichtern: z.B. Landratsamt, Jobcenter, Arbeitsamt, Amtsgericht sind derzeit alle 30-40 km entfernt. Können zusätzliche Außenstellen eingerichtet oder Sprechstunden abgehalten werden?
  3. Ihre Stellungnahme zum Thema Landeswechsel Neckarsteinach/Hirschhorn als letzte Konsequenz wegen schlechter finanzieller Ausstattung durch das Land: Was halten Sie von diesen postulierten Ansichten, wie kann es speziell für die beiden Neckartal-Gemeinden finanziell besser werden (denn andere Kommunen des Kreises Bergstraße würden evtl. von der geplanten KFA-Neufassung profitieren)?

„Drei Fragen zum hessischen Neckartal“, heute Start mit den Antworten von Birgit Reinemund (FDP), im Internet www.landraetin2015-bergstrasse.de

  1. Der S-Bahn Anschluss war ein Segen für das Neckartal – ein wichtiger Standortfaktor für junge Familien und Pendler. Verbesserungswürdig sind die Verbindungen Richtung Bergstraße. Meine Priorität: a) beide Städte müssen in ein gemeinsames Tourismuskonzept vom Überwald bis Heidelberg eingebunden werden, um die Highlights von Hirschhorn und Neckarsteinach intensiver zu vermarkten. Dringend fehlt z.B. ein akzeptabler Radweg zwischen Hirschhorn und Wald-Michelbach. b) Wirtschaftsförderung werde ich auf die Kernaufgaben fokussieren: die Bedürfnisse ansässiger Unternehmen erfragen, damit sie am Standort bleiben und beide Städte aktiv als Wirtschaftsstandort bewerben.

2. Ich werde mit den Bürgermeistern sprechen, welche Dienstleistungen am meisten nachgefragt sind und gegen Verrechnung von den Gemeinden wahrgenommen werden können. Was bei der Kfz-Zulassung klappt, kann auch in anderen Bereichen klappen, bei weniger Bürokratie. Weitere elektronische Verwaltungs- und Serviceangebote ersparen den Menschen lange Wartezeiten und Anfahrtswege und führen zu einer schlankeren Verwaltung. Die Gerichtsstandorte liegen in der Kompetenz des Landes; ich befürchte, dass bereits geschlossene Gerichte nicht wieder eröffnet werden.

3. Wir haben erfolgreich für die Einheit unserer alten Kurpfalz, der Region Rhein-Neckar, gekämpft, damit wir Landesgrenzen überwinden, in Wirtschaftsräumen denken und diese mit Leben füllen. Ein Hin und Her über die Landesgrenzen kann nicht ernsthaft die Lösung sein – eher ein Ruf verständlicher Verzweiflung. Ich stehe voll hinter dem Kreis und den Kommunen: Das Land Hessen muss seine Kommunen gemäß der Verfassung finanziell ausreichend ausstatten. Wenn der Finanzminister nicht einlenkt, werden die Gerichte ihm das wiederum vorgeben müssen. Dafür werde ich weiter kämpfen.

Die Antworten von Christian Engelhardt (CDU), Gerald Kummer (SPD) und Dirk Hennrich (Linke) folgen in unregelmäßigen Abständen bis zur Wahl am 22.3.

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