Das Feuerrad: eine feurig-schöne Brauchtumspflege

Langenthal. Mit dem Feuerrad-Rollen sollen am Fastnachtsdienstag, 17. Februar, in Langenthal die bösen Geister verbannt und der Winter ausgetrieben werden. Veranstalter des Events ist die örtliche Freiwillige Feuerwehr. Um 14 Uhr beginnt das traditionelle Fastnachtsrad-Binden „Am Eichbrunnen“ in Richtung „Klapperquelle“. Besonders für die Kinder ist dies immer ein riesiger Spaß. Fürs leibliche Wohl ist dort gesorgt. Am Abend treffen sich alle interessierten Kinder, die am Fackellauf teilnehmen möchten, um 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus (Mütter oder Väter sind zur Unterstützung willkommen). Um 20 Uhr werden die Männer der Langenthaler Feuerwehr – nach dem Fackeltragen der Kinder und dem Schwingen der Bienenkörbe – das Feuerrad zu Tal bringen. Gäste aus nah und fern sind zu dieser feurig-schönen Brauchtumspflege eingeladen. An der Einfahrt der Firma Mayr in Langenthal gibt es kalte und warme Getränke sowie Bratwürste.

Das Feuerrad wird in Langenthal (wieder) seit 1962 durchgeführt. Eigentlich gibt es diese Tradition im Hirschhorner Ortsteil aber schon im 19. Jahrhundert, wie die alten Postkarten belegt. Zuerst wurde es von den „jungen Dorfburschen“ organisiert. Die waren aber damals schon überwiegend in der Feuerwehr als Ehrenamtliche tätig. Später wird dann der Feuerwehrverein als Organisator genannt, der es auch bis heute durchführt. Beim „Strohtrippeln“ (Stroh weich treten für das Binden) sind bis heute um die 15 bis 20 Kinder anwesend, eine ähnliche Anzahl beim Fackellauf.

Beim Feuerrad sind hauptsächlich die Aktiven der Feuerwehr beteiligt. 39 davon zählt die Langenthaler Wehr, davon elf Frauen. Die Alters- und Ehrenabteilung beteiligt sich auch jedes Jahr beim Binden und unterstützt die Verpflegung der zahlreichen Besucher. Die Bienenkörbe (heute Stahlkörbe) sind nur zur Schau, zumindest wurde nichts schriftlich überliefert.

Langenthal ist einer der wenigen Orte in Deutschland, in denen dieser alte germanische Brauch wieder gepflegt wird. Während in Süddeutschland das Feuerrad zu Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch zu Tal gebracht wird, hat sich im Norden und Osten die Tradition erhalten, diese Brauchtumspflege am Ostersonntag zu zelebrieren. Heddesbach, Darsberg, Neckarkatzenbach, Schönau und Wilhelmsfeld, alle im Odenwald gelegen, sind ebenso wie Dühren und Steinsfurt im Kraichgau hiesige Veranstaltungsorte.

Den ersten schriftlichen Beleg für einen Feuerbrauch dieses Typs in Deutschland bietet die Chronik des Klosters Lorsch. Am 21. März 1090 vernichtete ein Feuer große Teile des Klostergebäudes, hervorgerufen durch eine brennende Holzscheibe, die als Volksbrauch zur Frühlingstagundnachtgleiche in die Luft geschleudert wurde. Ein solcher Brauch ist auch heute noch als Scheibenschlagen bekannt und wird am gleichen Tag um 19 Uhr in Neckarsteinachs Ortsteil Darsberg gepflegt.

Auch zum vierten Fastensonntag, dem Laetare, wurden in Teilen Deutschlands Feuerräder gerollt, so beispielsweise bei Eisenach und in Franken. Den Brauch bei den Franken beschreibt auch Jacob Grimm 1854 in seinem Werk „Deutsche Mythologie“. Es wird angenommen, dass das Feuerrad in vorchristlichen Zeiten ein Frühlingsbrauch zum „Äquinoktium“ (Tag- und Nacht-Gleiche am 21. März)  gewesen ist, der sich nach der Christianisierung in die Verbindung mit der Fastenzeit in Südwestdeutschland und mit der Osterzeit im nördlichen Deutschland aufspaltete.

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