In vielen Bereichen reichen sich beide Städte die Hände

Hirschhorn/Neckarsteinach. In Zeiten knapper Kassen wird die interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) fast schon als Zauberformel postuliert, um die Handlungsfähigkeit der Gemeinden zu erhalten. Entsprechendes lässt sich auch im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen nachlesen. Doch der Zauber ist mit Vorsicht zu genießen, denn der Teufel steckt im Detail. Hirschhorn und Neckarsteinach etwa arbeiten im Bereich der hoheitlichen Aufgaben wie Ordnungs- oder Standesamtsbezirk schon lange zusammen.

Eine Vertiefung scheitert bisher aber daran, dass die Umsatzsteuerfrage auf Bundesebene noch nicht gelöst ist. Denn wollten beide hessischen Neckartalstädte wechselweise jeweils – außer dem genannten hoheitlichen Bereich – Aufgaben für die jeweils andere Kommune erledigen, müssten sie diese der nach aktueller Gesetzgeber mit Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Da laut Hirschhorns Bürgermeister Rainer Sens aber das Land die IKZ nur bei 15 Prozent Ersparnis fördere, ergebe sich daraus ein Verlustgeschäft. Eine Gesetzesänderung durch den Bund sei zwar angestrebt, aber noch nicht verwirklicht.

Sens sieht eine Vertiefung der IKZ sowieso mit Fragezeichen. Seinen Worten zufolge würde das, „was noch an Potenzial da ist, wohl nicht zu weiteren Kostenreduzierungen führen“. Eventuell seien aber Spezialisierungen der einzelnen Mitarbeiter möglich. Und, gerade in Zeiten von Personalknappheit durch Stellenabbau wichtig, Vertretungen im Krankheitsfall. Als „ideal“ skizziert der Hirschhorner Bürgermeister einen Gemeindeverwaltungsverband (GVV), wie es ihn bereits im benachbarten Baden-Württemberg gibt. Da könnte man die badischen Exklaven Brombach und Heddesbach, beide direkt angrenzend an Hirschhorner Gemarkung, mit ins hessische Boot nehmen. Das Problem: Einen GVV gibt es in Hessen bisher nur in der Experimentalphase, während er in Baden-Württemberg schon seit mehr als 40 Jahren existiert.

Andererseits gibt es laut Sens etliche Bereiche außer der „offiziellen“ IKZ, in denen man (nicht nur) mit Neckarsteinach zusammenarbeite. Etwa die Bereiche Windkraft (mit dem geplanten Standort „Greiner Eck“ auf der Gemarkungsgrenze) und Breitbandausbau. Dazu noch den Qualitätswanderweg „Neckarsteig“, der auch auf Gemarkung der beiden hessischen Neckarstädte verläuft. Oder den Tourismusverband „Romantische Vier“, in dem noch die beiden anderen badischen Neckarstädte Eberbach und Neckargemünd mit an Bord seien.

Oder den Archivverbund Eberbach, in dem sogar „über alles Kreis- und Landesgrenzen“ Gemeinden des angrenzenden Neckar-Odenwald-Kreises mit betreut würden. Beim Abwasserverband Laxbach wiederum orientiert sich Hirschhorn auch nach Norden. Hier ist Beerfelden im Odenwaldkreis zusammen mit Heddesbach und Eberbach mit dabei. Für Sens ein sicheres Zeichen, „dass wir hier mehr interkommunale Zusammenarbeit als in anderen Regionen praktizieren“.

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