Die Verwaltung ist personell am Limit

Hirschhorn. Die personelle Situation in der Kernverwaltung beschäftigt Bürgermeister Rainer Sens derzeit stark. Das merkt man ihm an, als er beim Hirschhorner Neujahrsempfang dieses Thema anschneidet. Ganz leicht fällt ihm an diesem Tag der Spagat zwischen Trauer und offizieller Veranstaltung sowieso nicht. Denn nur wenige Stunden vorher wurde ein städtischer Mitarbeiter beigesetzt, der kurze Zeit zuvor überraschend verstorben war. Da außerdem zwei leitende Rathauskräfte schwer erkrankt sind, spricht Sens davon, dass „wir personell am Limit“ sind.

Die Kernverwaltung müsse eh schon „ungeheuer viel leisten“, sodass „die Leute auch durch den Arbeitsdruck krank werden“, sagt Sens. Zahlreiche Überstunden sind Normalität. Für den Bürgermeister ist klar, dass es trotz aller Sparanstrengungen im Rahmen des kommunalen Schutzschirms so nicht weitergehen kann. „Wir müssen intelligente Lösungen finden und eventuell auch wieder neu einstellen“, fordert er. Es gelte, das Funktionieren der Verwaltung sicherzustellen und die jetzigen Mitarbeiter „nicht zu verheizen“.

Eine Grenze nach unten ist Sens zufolge „irgendwann erreicht“. Dann gelte es eine Entscheidung darüber zu treffen, ob man Leistungen der Verwaltung reduziere oder „Personal aufstocke“. Schon in der kommenden Stadtverordnetensitzung will der Bürgermeister nach Möglichkeit beantragen, die Wiederbesetzungssperre für eine Stelle aufzuheben.

Weitere Themen seines Rückblicks auf 2014 und Ausblicks auf 2015, die er mit Journalist Felix Hüll im Rahmen eines „Vier-Augen-Gesprächs“ vorstellte, waren die kommunalen Finanzen, das Stadtbild als solches, die demografische Entwicklung oder das schnelle Internet. Angesprochen wurde auch der geplante Windpark am „Greiner Eck“. Sens machte hierzu deutlich, dass dieser „nicht in Hirschhorn oder Neckarsteinach beschlossen oder verhindert wird“, sondern auf der Ebene des Regierungspräsidiums oder der Regionalversammlung. Eine Fertigstellung sei bei reibungsloser Planung frühestens in zwei Jahren zu erwarten. Kämen viele Einsprüche, könnte es auch der Sankt Nimmerleinstag werden, so der Bürgermeister sinngemäß.

Ob die Frage nach Sens‘ Wohnsitz ein paar Kilometer außerhalb von Hirschhorn, wie Hüll sie stellte, in den Rahmen eines offiziellen Neujahrsempfangs passt, sei dahingestellt. Auch das permanente städtische Hintergrund-Gemurmel, dass seitens der Verwaltung im Parlament zu wenig informiert werde, ist nicht unbedingt zwingend in einer solchen Veranstaltung abzuhandeln. Sondern passt eher in die Stadtverordnetensitzung. Ganz abgesehen davon, dass das Frage-Antwort-Spielchen mit zunehmender Dauer zäh wie Kaugummi wurde.

Streiflichter aus der Hirschhorner Geschichte präsentierte zum Schluss Dr. Rüdiger Lenz, der Leiter des Eberbacher Archivverbunds. Dem gehört neben Hirschhorn auch Neckarsteinach an. Er startete mit Beginn der Herrschaft der Hirschhorner Ritter und leuchtete einige markante Punkte in der Stadtgeschichte aus. Entsprechende Originalurkunden lassen sich im Archiv finden, die Lenz mit einer Powerpoint-Präsentation den Bürgern zeigte. Neben der sukzessiven Ausdehnung der Stadt und der Geschichte der Stadttore war auch die Rolle Hirschhorns während der badischen Revolution ein Thema. Abgerundet wurde sein Vortrag mit einem Blick auf die Lebensgrundlage der Bevölkerung, etwa durch die Arbeit in Sandsteinbrüchen.

Eröffnet worden war der Abend durch den stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz, der die erkrankte Vorsteherin Katharina Korner vertrat. Rektorin Christel Herrmann von der Neckartalschule, in deren Turnhalle der Neujahrsempfang stattfand, nutzte die Gelegenheit, die Bildungseinrichtung kurz vorzustellen. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von den „Hirschhorner Vielharmonikern“, Richard Köhler und Ulrich Spiegelberg.

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