Langbein-Museum: Der Arbeitskreis ist „restlos begeistert“

Das Langbein-Museum in der hessischen Neckarstadt darf sich nun „regionales Kulturerbe“ nennen. Die entsprechende Urkunde brachte der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf aus Heppenheim mit nach Hirschhorn. Er überreichte sie beim gestrigen Neujahrsempfang zusammen mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Bergsträßer Heimat- und Geschichtsvereine, Heidi Adam. Vergangenes Jahr hatte die Lindenfelser Postkutsche diese damals zum ersten Mal verliehene Auszeichnung erhalten, nachdem sich Schimpf zufolge der „Arbeitskreis regionales Kulturerbe“ im Mai 2013 gegründet hatte.

Dessen Ziel sei es, einerseits eher unbekannte Kulturobjekte im Kreis Bergstraße zu bewahren, andererseits aber auch bekannter zu machen. Was an „geschichtlichen Fetzen“ in den verschiedenen Heimatmuseen schlummere, solle das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Anhand der Mitgliedernamen verdeutlichte Matthias Schimpf, dass es sich um ein Gremium „mit viel Sachverstand“ handle. Mit der Übergabe der Urkunde verband er auch seinen Dank an alle, „die sich um das Museum kümmern“.

Das geschieht in Hirschhorn vor allem ehrenamtlich durch den Museumsverein. Weswegen Schimpf besonders hervorhob, dass ohne dieses ehrenamtliche Engagement die Langbein-Sammlung „gar nicht erhalten und auf diese Weise präsentiert werden könne“. Für den Verein zeigte sich Vorsitzender Dr. Ulrich Spiegelberg mehr als erfreut über die prominente Auszeichnung, die er zusammen mit Bürgermeister Rainer Sens und dem stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz entgegen nahm.

„Damit nichts vom Reichtum unserer Region verloren geht“: Mit diesem Motto habe sich der Arbeitskreis regionales Kulturerbe gegründet, verdeutlichte Heidi Adam. Sie ging detailliert auf das Museum und seinen Namensgeber, Carl Langbein, ein. Vor ein paar Monaten hätten sich die Mitglieder des Arbeitskreises das Museum von Dr. Spiegelberg präsentieren lassen und waren „restlos begeistert“.

Carl Langbein (1816-81) habe sich selbst als „Naturalist“ bezeichnet. So nannte er ab 1854 auch das in diesem Jahr erworbene Gasthaus, an dessen Stelle heute Rathaus und Bürgerhaus stehen. Heidi Adam bezeichnete Langbein als „Odenwälder Weltbürger“. Denn dieser kam aufgrund seines Berufs als Kaufmann für einen Menschen seiner Tage viel herum, besuchte unter anderem die Weltausstellung 1851 in London. Langbein habe sich früh zum Ziel gesetzt, „das, was vielleicht in späterer Zeit verloren gehen könnte, zu bewahren“.

Heidi Adam zufolge war Langbein an vielen Dingen interessiert: Gemälde, Möbel, Bücher, alte Urkunden, Waffen, Handwerksgegenstände, Muscheln, Mineralien. Leidenschaftlich gern präparierte er Tiere. Davon konnte ein bekannter amerikanischer Schriftsteller ein Lied singen bzw. eine Geschichte schreiben: Mark Twain, der den Aufenthalt in Hirschhorn nach einer Neckar-Floßfahrt in seinem „Bummel durch Europa“ thematisiert. Twain konnte kaum einschlafen, weil ihn die gläsernen Augen einer großen ausgestopften weißen Eule „beobachteten“.

Ohne Langbein, ist Heidi Adam sicher, gäbe es heute in Hirschhorn nicht so viele Zeugnisse der städtischen Geschichte. „Er hat vieles aus Kloster und Schloss in Sicherheit gebracht.“ Da Carl Langbein „das Sammeln, aber nicht das Ordnen“ liebte, sah der Haushalt wohl aus „wie eine Wunderkammer“ – Untertitel der Sammlung im alten Forsthaus, wo sie seit 1985 untergebracht ist.

Dazwischen liegt laut der Arbeitskreis-Vorsitzenden eine wechselvolle Geschichte: Nach dem Tod Langbeins gingen seine Schätze an Schwester Ida über, die sie später dem Land Hessen vermachte. Das brachte sie im Rittersaal des Hirschhorner Schlosses unter. Nach dessen Umwandlung zum Hotel 1959 sei mit ihnen aber sehr lieblos umgegangen worden. Erst der Rückkauf durch die Stadt 1967, die Gründung des Museumsvereins 1981 und der Umzug ins alte Forsthaus neben dem Rathaus hauchte Langbeins Vermächtnis neues Leben ein.

Heidi Adam lobte in höchsten Tönen das neue Museumskonzept, „das ich ganz zauberhaft finde“. Jeder Raum habe sein eigenes Motto. Einzigartig sei, dass die Gäste per Audioguide virtuell von den Stimmen der Menschen durchs Museum begleitet würden, die dort vertreten sind. Übrigens: Die Lindenfelser Postkutsche fand im Nachklapp zur Auszeichnung Mitte 2014 als Motiv den Weg auf eine Sonderbriefmarke der Post. Das wäre doch auch fürs Hirschhorner Museum eine schöne weitere Ehrung?

Info: Aus Anlass der Auszeichnung hat das Langbein-Museum (Alleeweg 2, 69434 Hirschhorn) am Sonntag, 1. Februar, von 11 bis 17 Uhr außer der Reihe geöffnet. Um 14 Uhr gibt es eine Führung für Klein und Groß, um 15 Uhr eine Rätselreise im Museum, um 16 Uhr eine Führung durch Carl Langbeins Reich.

 

Zum Bild: Das Langbeinmuseum-Museum in Hirschhorn ist „regionales Kulturerbe“. Unser Bild zeigt bei Übergabe der Urkunde v.l. den stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz, Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf, Bürgermeister Rainer Sens, Museumsverein-Vorsitzenden Dr. Ulrich Spiegelberg und Heidi Adam.

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