Das Internet soll Warp-Geschwindigkeit erreichen

Hirschhorn. Ohne schnelles Internet geht heutzutage nichts mehr. In den Städten sind Download-Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr fast schon normal, im ländlichen Raum müssen die Bürger froh sein, wenn sie ein Zehntel davon abbekommen. DSL ist ein Standortfaktor, der mitunter die Grundstückspreise bestimmen sowie über Zuzug oder Wegzug entscheiden kann. Wer bei der Arbeit aufs schnelle Internet angewiesen ist, aber beim Abrufen von E-Mails erst einmal Kaffee trinken gehen kann, sucht sich die neue Wohnung lieber dort, wo das DSL flutscht.

Im hessischen Neckartal ist man sich dessen bewusst. Neckarsteinach und Hirschhorn streben deshalb in Zusammenarbeit mit Nachdruck eine flächendeckende Versorgung auch der weiter entfernten Ortsteile an. Wenn die zeitliche Planung hinhaut, dann sollen alle Haushalte beider Städte bis etwa Mitte 2016 mit Bandbreiten zwischen 30 und 50 Mbit/s surfen können. Den entsprechenden Vertrag will man in Hirschhorn möglichst mit der Haushaltsgenehmigung im späten Frühjahr 2015 abschließen.

Schon seit Längerem sind Hirschhorn und Neckarsteinach bemüht, DSL auch ins letzte Haus von Grein oder Igelsbach zu bringen. Aber auch am Neckar gelegene Häuser sind „nachrüstungsbedürftig“, wenn sie nicht gerade in Reichweite der Kabel-BW-Leitungen liegen. Ursprünglich war eine Realisierung über die IKbit (Interkommunales Breitbandnetz), die zehn Gemeinden im Überwald und Weschnitztal versorgt, angedacht. Doch nachdem sich laut Hirschhorns Bürgermeister Rainer Sens die HSE als deren DSL-Anbieter zurückgezogen habe und keine neuen Projekte mehr angehe, musste man per öffentlicher Ausschreibung die Suche aufs Neue starten.

Für Hirschhorn im Nachhinein nicht die schlechteste Lösung. Denn das Modell IKbit hätte 1,6 Millionen Euro gekostet, für Neckarsteinach waren etwa 800.000 Euro veranschlagt. Mit dem neuen Anbieter, einem großen deutschen Telekommunikationskonzern, sinken die Hirschhorner Kosten auf nicht einmal ein Zehntel davon. „Aktuell sind wir bei 120.000 Euro“, so der Bürgermeister, und es könnte noch günstiger werden – je mehr Lehrrohre man finde, in die die DSL-Kabel geschossen werden könnten. Es sei „ein richtig gutes Angebot“, meint Sens. „Das ist sehr gut gelaufen.“ Es gehe für Hirschhorn nun nur darum, die Deckungslücke für bisher nicht verkabelte Gebiete zu finanzieren. Mit einem einmaligen Zuschuss werde somit das komplette Stadtgebiet abgedeckt.

Denn das Teure an dem Projekt sind die Erdarbeiten. Das bekommt Neckarsteinach derzeit schmerzhaft zu spüren. Denn der dortige Kostenvoranschlag ist gegenüber der IKbit-Summe nicht wirklich gefallen – wenn überhaupt. Was vor allem mit den Leerrohren zu tun hat. Für Hirschhorn kommt noch preismindernd hinzu, dass für die anderthalb Kilometer vom Neckar bis nach Igelsbach voraussichtlich ein Leerrohr der Eberbacher Stadtwerke genutzt werden kann. Das ließen diese vor nicht allzulanger Zeit einziehen, als sie die EnBW als Strom-Grundversorger ablösten und eine sichere Erdleitung in das geteilte Dorf legten (Igelsbach ist halb badisch, halb hessisch).

Zum Bild: Auch der Weiler Igelsbach, zehn Straßenkilometer von der Kernstadt entfernt, soll ans schnelle Breitbandnetz angeschlossen werden, wenn die Verhandlungen der Stadt Hirschhorn mit einem großen Telekommunikationskonzern von Erfolg gekrönt sind. Verwendet werden könnte ein Leerrohr der Stadtwerke Eberbach, das vom Neckar aus bis zum ersten Stromkasten am Igelsbacher Ortseingang führt.

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