Große Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge

Hirschhorn. „Das klappt richtig gut“, ist Bürgermeister Rainer Sens erfreut über die Zusammenarbeit in der Flüchtlingsunterbringung. Seien es die Betreuung vor Ort, die Absprachen oder die Zuteilung: Er sei „sehr zufrieden“, wie das Thema beim Kreis-Flüchtlingsamt angepackt werde. „Man muss doch auch mal loben“, so das Hirschhorner Stadtoberhaupt. Auch vor Ort sind seine Erfahrungen der vergangenen Monate positiv: Drei Flüchtlingsfamilien mit einem guten Dutzend Personen sind mittlerweile am Neckar untergebracht, mehr werden erwartet. Sie werden von einem zehnköpfigen ehrenamtlichen Helferkreis betreut.

Bürgermeister Sens ist die Feststellung wichtig, dass es eine „faire Abrechnung“ der städtischen Leistungen durch den Kreis gebe. Die Flüchtlingsunterbringung bedeute keine zusätzlichen Ausgaben für die Stadt. Hirschhorn habe eine gewisse Anzahl von Menschen aufzunehmen. Aufgrund der Belegungsvereinbarung mit dem Kreis müsse die Stadt eine Unterkunft mit einfachsten Möbeln zur Verfügung zu stellen. Die Flüchtlinge lebten auf menschenwürdigem Niveau, „aber bestimmt nicht im Luxus“, so Sens.  Während die kleineren Kinder den städtischen Kindergarten besuchten, würden die größeren mit dem Taxi in eine Integrationsklasse nach Ober-Abtsteinach gefahren. Sicherlich eine weitere Strecke, aber laut Sens wohl die günstigere Lösung als überall solche Klassen einzurichten.

Inzwischen hat sich dem Bürgermeister zufolge in der hessischen Neckar-Stadt ein Helferteam aus Bürgern und Mitgliedern der beiden Kirchengemeinden gebildet, „dem auch ich angehöre, weil es mir ein Anliegen ist“. Die muslimische Gemeinde wolle man ebenfalls mit einbinden. Es gehe zum einen darum, die materielle Hilfe zu koordinieren, aber auch Unterstützung im täglichen Leben zu geben. Seitens der Hirschhorner Bürgerschaft habe es bei Ankunft der Menschen „eine sehr große Hilfswelle“ gegeben.

Die Hirschhorner Vereine verhalten sich dem Bürgermeister zufolge „sehr offen“ gegenüber den Flüchtlingen. Und das alles „ohne Aufforderung von öffentlicher Seite“, was ihn besonders freue. Als Beispiel nennt er die Fußballer des FCH. Es sei „ganz toll“, wie dort die Flüchtlingskinder bei den Bambini Aufnahme gefunden hätten. Gerade sie würden sehr schnell integriert und lernten „atemberaubend schnell Deutsch“. Oder: Die katholische Kirchenmusik fördere ein muslimisches Kind beim Erlernen eines Blasinstruments.

Sowieso hat Sens beobachtet, dass innerhalb der Menschen das Zusammenleben „über Religionen und Nationen hinweg“ sehr gut klappt. Die einzige negative Erfahrung habe man im benachbarten badischen Eberbach gemacht: Dort wollte seinen Worten zufolge keiner der sechs ansässigen Gynäkologen eine Flüchtlings-Frau behandeln. Über die Gründe kann er nur spekulieren. Somit sei nur der Weg ins 35 Kilometer entfernte, wiederum hessische Erbach geblieben.

Derzeit richte der Helferkreis im alten Amtsgericht eine Kleiderkammer ein. Dort würden die vielen Spenden entgegen genommen, werde die Ware verwaltet, um sie dann gerecht und dosiert zu verteilen. Diese geplante Kleiderkammer solle aber dazu dienen, „den Kontakt mit den Flüchtlingen zu halten“ und fungiere als Anlaufstelle. Rainer Sens kann sich durchaus vorstellen, dass sie mittelfristig auch für andere Bedürftige geöffnet wird. Entsprechende Planungen seien schon am Laufen.

Jeder Flüchtlings-Familie habe man zwei Lotsen zur Seite gestellt, die als erste Ansprechpartner dienten. Sei es beim Arztbesuch, im täglichen Leben, beim Einkaufen oder bei schulischen Problemen der Kinder. Deutschkurse für die Flüchtlinge, eigentlich in der Zuständigkeit des Kreises, wolle man demnächst auch anbieten, so der Bürgermeister. Denn im ländlichen Raum seien diese von Kreisseite aus schwer zu organisieren, auch begännen sie erst nach drei Monaten Aufenthalt.

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