Geballte Kraft der Männerstimmen von Sängerbund Oberflockenbach und MGV Union Wald-Michelbach

Ein Fest für die Männerstimmen: Drei Chöre gestalteten ein ausverkauftes Konzert in der Mehrzweckhalle Trösel. Der Männerchor des Sängerbunds Oberflockenbach und der MGV Union Wald-Michelbach, beide unter der Leitung von Hans-Joachim Karl, hatten sich als Gäste das angesehene Männerchor-Vokalensemble Camerata Musica Limburg unter der Leitung von Jan Schumacher eingeladen. „Stimme, Stimmung, Emotion“ lautete der Titel des besonderen Höhepunkts im Sängerjahr.

Camerata Musica hatte im vergangenen Jahr ein Crowdfunding-Projekt gestartet, bei dem der Chor übers Internet finanzielle Unterstützer für die Produktion einer CD-Reihe suchte. Die zwei Karl-Ensembles entschlossen sich kurzerhand, diesem Projekt als Hauptsponsor beizutreten. Als Dankeschön erhielten sie ein exklusives gemeinsames Konzert. Neben den Besuchern aus Limburg rundete die Uraufführung einer Komposition von Alwin Michael Schronen das Konzert ab, der zu diesem Anlass aus dem Saarland anreiste.

Den Beginn machte die Union Wald-Michelbach, die eine kontrastreiche Kostprobe aus dem Repertoire der vergangenen zwei Chorprojekte vorstellte. Für einige Sänger, so der ansagende Uwe Jansen, war dies das erste große Konzert. Der Chor trug fünf Stücke vor, darunter den „Geistertanz“ von Franz Schubert, ein rhythmisch herausforderndes Chorwerk, sowie das italienische „Sabato di Sera“ von Gianni Malatesta, das eine Liebesgeschichte am Lago Maggiore beschreibt.

Auch das bekannte „Africa“, das Alex Morris basierend auf dem 80er-Jahre Welthit von Toto arrangiert hatte, gehörte zu diesem ersten Programmteil. Hans-Joachim Karl präsentierte stolz die einstudierten Stücke und den besonderen Chorklang, den er über viele Jahre verfeinert und nun mit neuen Stimmen angereichert hatte. Der brausende Beifall der etwa 300 Gäste, viele von ihnen bekannte Chorliebhaber aus der Region, belohnte alle für die Darbietung.

Nun betraten die 16 Sänger von Camerata Musica die Bühne. Chorleiter Schumacher, seines Zeichen Universitätsmusikdirektor und Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt, beglückwünschte die Gastgeber für die besondere Chorarbeit, deren Qualität stark von Hans-Joachim Karl beeinflusst sei. Er hatte in den Stunden zuvor zusammen mit den gastgebenden Chören in einem Workshop ausgewählten Stücken den letzten Schliff verpasst.

Das Programm beinhaltete verschiedene Lieder aus der vom Chor aufgenommenen CD-Reihe, welche zum Ziel hat, alle von Franz Schubert komponierten Stücke für Männerchöre zu vertonen. Die so entstandenen fünf Tonträger hatten die Gastgeber mit dem erwähnten Crowdfunding im vergangenen Jahr unterstützt. Neben diesen bat der Chor zudem ausgewählte Komponisten, eigens Stücke mit einem Bezug zu Schubert für das Projekt zu komponieren.

Schumacher war besonders geehrt, dass mit Alwin Schronen ein Komponist dieser Stücke anwesend war. Sein Werk „Ein heller, lichter, schöner Tag“ wurde neben den Schubert-Originalen wie „Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch“ und „Die Nacht“ mit einem beeindruckenden Chorklang und Präzision vorgetragen. Eingefangen von dem besonderen Klang des Ensembles, der die gesamte Halle auszufüllen schien, war die Begeisterung des Publikums schon während der Liedbeiträge zu spüren.

Ansager und Sänger Aren Hahn stellte den Männerchor Oberflockenbach zu Beginn des zweiten Programmteils vor. Den Anfang machte „O Sacrum Convivium“, ein weiteres Lied von Alwin Schronen. Daneben kamen unter anderem „Barbarossa“ von Friedrich Silcher und ein Udo Jürgens-Arrangement von Oliver Gies zum Vortrag. Ein besonderer Höhepunkt war „Trees“ des zeitgenössischen lettischen Komposition Ēriks Ešenvalds, bei dem der Chor den stimmungsvollen Gesang mit dem Klang von mit Wasser gefüllten Weingläsern mischte, die durch das Kreisen der Finger über den angefeuchteten Rand zum Singen gebracht wurden.

Beim zweiten Auftritt von Camerata Musica gab es eine Hommage an die King’s Singers zu hören, ein weltbekanntes Ensemble aus England. Die vorgetragenen Beiträge reichten von der Renaissance mit „Matona mia Cara“ von Orlando di Lasso über die Romantik mit „The winter is gone“ von Ralph Williams und einem modernen südafrikanischen Stück bis zum Abschluss mit dem Pop-Arrangement von „Eternal Flame“ durch Oliver Gies.

Jetzt waren die beiden Gastgeberchöre mit der Uraufführung des Stücks „Nachklang II“ dran, das Alwin Schronen eigens komponiert hatte. Es stellt das zentrale Element einer Trichotomie über das Leben Goethes dar. Karl berichtete über die Entstehung des Werks, welche er hautnah in der Zusammenarbeit mit Schronen miterleben durfte. Ein Gedicht Goethes an seine Frau beschreibt bildlich die Beziehung zur ihr in der Gestalt eines Blümleins. In Form eines Echos entstand dabei eine beeindruckende Klangwelt, die Schronen als Spiel zwischen den Chören entwickelt hatte.

Begleitet von tosendem Applaus betrat der Komponist nach Abschluss der Aufführung die Bühne und bedankte sich bei den zwei Chören und Hans-Joachim Karl. Als besondere Überraschung hatten diese zusammen mit Camerata Musica eine Aufführung von „Ergo Bibamus“, ebenfalls von Schronen, vorbereitet. Dieses Stück, so Karl, sei eines seiner bekanntesten Werke und werde von Chören Land auf, Land ab gesungen. Schronen kam der Bitte, es selbst zu dirigieren, begeistert nach.

Zum Abschluss trugen alle drei Chöre das äußerst klangvolle „Ave Maria“ in der Fassung von Franz Biebl vor. Karl überraschte dabei den jungen Nachwuchsdirigenten und Oberflockenbacher Sänger Alexander Schmitt und übergab ihm das Dirigat nach der ersten Hälfte des Stücks. Nach langen stehendem Applaus brachte Camerata Musica im Anschluss noch als Zugabe das lustige Lied „Zehn kleine Bierlein“ auf die Bühne.

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Schimmeldewäer stiegen im Glockenturm über sich selbst hinaus

Ein spezielles Glockenläuten für 20 kletterfreudige Besucher: Beim Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde im Haus des Gastes gab es Ende September ein „Familienduell“. Das machte den Teilnehmern viel Spaß, freute sich Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Matthias Staat. Deshalb wurden alle zu Siegern erklärt und zu einem besonderen Event eingeladen, dem „Frühstück auf dem Glockenturm“ von St. Johannes der Täufer. Jetzt war es soweit: 20 Kinder und Erwachsene stiegen hinauf.

Über zwei Leitern ging es zunächst oberhalb der Orgel durch eine Luke in den großen Kirchenspeicher, der sich über den gesamten Kirchenraum erstreckt. Hier kamen von den Kindern schon die ersten Ideen: „Wow, ist der riesig, was man da alles machen könnte.“ Weiter ging es dann in den Turm und dann erneut über eine steile Treppe etwa drei Meter weiter nach oben in den Glockenstuhl. Dort hängen die vier Glocken der Pfarrkirche.

Die älteste stammt aus dem Jahr 1404. Sie läutet jeden Tag zum Engel des Herrn. „Die alte Glocke“ trägt auf Latein die Inschrift „Im Jahre des Herrn 1404 nach dem Feste des Hl. Michael zu Ehren des hl. Kreuzes“, läutet in b und wiegt 400 Kilo. Die jüngste, „Ave Maria“, die große Glocke, wurde 1978 gegossen. Die läutet zu den Gottesdiensten an allen Sonn- und Feiertagen und schlägt zur vollen Stunde.

Die beiden mittleren Glocken, „Hl. Johannes der Täufer“ und „Christus König“, wurden in den Weltkriegen eingeschmolzen und im Jahr 1950 wieder gegossen. „Hl. Johannes der Täufer“ wiegt 230 Kilo und läutet in c. „Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste“ ist dort zu lesen. Die Glocke stammte aus dem Jahr 1813 und wurde 1942 verschrottet. „Meister Hamm goss mich im Heiligen Jahr für Unter-Schönmattenwag“, ist anlässlich der „Wiederauferstehung“ 1950 zu lesen.

„Christus König“ stammt ursprünglich aus dem Jahr 1911. Die 550 Kilo schwere Glocke läutet in g. Sie wurde bereits im Ersten Weltkrieg 1917 eingeschmolzen, 1930 neu gegossen, 1942 wieder vernichtet und 1950 aufs Neue erneuert, ebenfalls von Hermann Hamm. „Lamm Gottes gib uns den Frieden“, heißt es hier. Die „alte Glocke“ von 1404 durfte immer Jahre im Turm hängen bleiben.

1978 beschloss man auf Initiative des damaligen Pfarrers Haßlinger, eine vierte Kirchenglocke anzuschaffen, die das Geläute zu einem schönen Klangkörper aus den Tönen c, b, g, und f vervollkommnen sollte. Sie wurde in Bad Friedrichshall gegossen. Mit 20 Zentner ist „Ave Marie“ in f die größte im Ensemble. Für diese Glocke musste Platz geschaffen werden, sodass die vorhandenen im Glockenstuhl nach außen rutschten.

Interessant war auch der Bericht über die Herstellung von Glocken. Sehr aufwändig werden diese mit heißer Bronze in eine gemauerte Form gegossen, erläuterte Staat. Sie müssen mehrere Tage auskühlen, bis sie dann ausgegraben werden können. Danach werden sie zum ersten Mal angeschlagen und man hört am Klang, ob die wochenlange Vorarbeit und der Guss gelungen sind.

Matthias Staat, der auch noch weitere Infos gab, schlug dann die „alte Glocke“ mit der bloßen Faust an. Es war still und man konnte minutenlang den Nachklang hören. Ein Zeichen für die außerordentlich gute handwerkliche Leistung beim Glockenguss, der jetzt schon mehr als 600 Jahre zurückliegt. Ergänzt wurde die Schilderung mit einer Videodokumentation zu einem Glockenguss.

Interessantes über Glocken gab es von Pfarrer Peter Pristas zu hören. So sollten Glocken früher das Böse vertreiben. Natürlich gab es auch Rivalitäten in benachbarten Orten, wer wohl mit der größeren Glocke das Böse in die Nachbargemeinden (ver-)treibt. Die größte frei schwingende Glocke in Deutschland hängt im Kölner Dom. Die Kölner nennen sie liebevoll ihren „Dicken Peter“. Sie wiegt 24 Tonnen.

Wichtig waren die Glocken zu jeder Zeit als Uhr, denn früher hatten die Bauern keine Armbanduhren wie heute. So riefen sie zum Mittagessen oder zum Feierabend. Heute rufen sie vor allem zum Gebet und zu den Gottesdiensten. Mit mehreren Rücksäcken war von den Helfern das Frühstück in den Turm transportiert worden. Es gab Tee, Kaffee, Kaba, belegte Brötchen, Würstchen und selbstgebackene Muffins. Es schmeckte allen – wurde aber schnell zur Nebensache bei so viel Interessantem.

Ein Höhepunkt war, als von Staat zunächst jede Glocke einzeln und dann alle vier gemeinsam geläutet wurden. Pfarrer Pristas meinte, „heute sind die Schimmeldewäer über sich selbst hinausgestiegen“. Begeistert waren die Kinder vom Läuten aller Glocken und von den vielen Leitern, bis man oben ist. Nach fast zwei Stunden stiegen alle wieder in die Kirche hinab, sehr angetan von der tollen Aktion.

Noch immer den Klang der Glocken in den Ohren, wurde es zum Abschluss noch einmal still im Kirchenraum. Flüsternd beteten die Teilnehmer gemeinsam mit Pfarrer Pristas das „Vater unser“. „Das war ein tolles Erlebnis“, waren sich alle einig. Weitere besondere Events in den Kirchen sollen folgen, sagte der PGR-Vorsitzende.

Solardraisine sorgt für viele Tagestouristen

Eine wie die Solardraisine gibt es sonst in Deutschland nicht, meinte Philipp Gruber. Für den zweiten Vorsitzenden des deutschen Draisinenverbands ein guter Grund, zusammen mit elf anderen Vereinsmitgliedern (von 21 bundesweit) eine Reise in den Überwald zu machen. Am Bahnhof Ober-Wald-Michelbach wurden sie von Solardraisinen-Geschäftsführer Holger Kahl, Bürgermeister Dr. Sascha Weber und dem Vorsitzenden der hiesigen Draisinenfreunde, Peter Maier, empfangen.

„Unser Ziel ist es, die Strecke und die kulturhistorischen Bauwerke zu erhalten“, sagte Kahl. Nicht nur um der Draisine willen, sondern vielleicht um auch irgendwann den ÖPNV auf der Überwaldbahn reaktivieren zu können. Die touristische Funktion ist elementar: „Wir locken damit die Städter aufs Land“, betonte er, „und zeigen, was der Odenwald zu bieten hat.“ Mit dem Ziel, dass die Ausflügler wiederkommen und so Geld in die Region bringen.

Bei der Solardraisine „handelt es sich um eine sehr erklärungsbedürftige Dienstleitung“, meinte der Geschäftsführer Richtung Besucher. Es geht um Fragen, ob der Hund mitgenommen werden kann oder was bei Regen passiert. „Es gibt viel Einweisungsbedarf“, so Kahl, „damit keiner dem anderen hintendrauf fährt“. Vier Personen sind ganzjährig im Büro tätig, vier weitere, externe Mitarbeiter kommen in der Saison für die Technik dazu.

Die Draisine macht im Jahr einen Umsatz von 430.000 Euro, berichtete er. Das sei „angesichts der Kosten viel zu wenig“. Betrieb und Instandhaltung der Strecke verschlingen das meiste Geld. Ohne die Zuschüsse der drei beteiligten Gemeinden und des Kreises Bergstraße ließe sich alles nicht stemmen. „Tunnel und Viadukte sind etwas ganz Besonderes“, hob er hervor, haben aber auch einen hohen Pflegeaufwand.

Laut Kahl wurde ein Großteil der an der Bahnstrecke notwendigen Maßnahmen bereits erledigt. „Jetzt sind wir an den Fahrzeigen dran“, erläuterte er. Denn der Verschleiß der Akkus ist zu hoch. Diese jedoch bedeuten einen hohen Kostenfaktor. Man wolle weg vom reinen Fahrbetrieb und die Draisine zum Erlebnis machen, postulierte der Geschäftsführer. Als ein Beispiel dafür nannte er die Teilnahme an der Überwälder Traumnacht.

26 Draisinen verkehren derzeit auf der Strecke zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach. In jede passen acht Personen. „Fahren Sie mindestens zu zweit“, empfahl Kahl augenzwinkernd. Denn der Beifahrer kann dann nach dem Tunnel die Ampel drücken, damit die Draisine ungefährdet die Straße überquert.

Wald-Michelbach sei mit 27 Prozent nach dem Kreis der zweitgrößte Anteilseigner, verdeutlichte Bürgermeister Weber. Die Gemeinde profitiere angesichts der damit in den Überwald kommenden Touristen vermutlich aber am meisten, meinte er. Seit es die Draisine gibt, „hat sich die Zahl der Tagestouristen stark erhöht“, berichtete er. Zwecks Weiterentwicklung der Fahrzeuge arbeite man mit drei verschiedenen Prototypen, so Weber.

Peter Maier stellte die Mithilfe des Vereins beim Erhalt der „wunderschönen Bahnstrecke“ heraus. Für ihn als „alten Eisenbahner“ sei dieses Ziel ganz wichtig. Nach der Aufgabe in den 1990er Jahren sei alles verwildert gewesen. Auch heute noch werde ein großer Aufwand für die Unterhaltung betrieben. „Wir helfen, wo es geht“, sagte er. Maier warf einen kurzen Blick zurück in die Geschichte. Von 1898 bis 1901 gebaut, umfasste die Strecke zwischen Mörlenbach und Wahlen sechs Bahnhöfe und zwei Haltestellen, sagte er.

Die Bahnanbindung Richtung Rheinebene war zum einen wichtig, damit die Arbeiter in die Industrieregion Rhein-Neckar kommen konnten, zum anderen, um Erze aus dem Bergbau transportieren zu können. Drei kleine Viadukte und das große bei Vöckelsbach, dazu noch der 679 Meter lange Tunnel unter der Kreidacher Höhe verschlingen heute den Hauptteil der Kosten. „Es wäre traurig, diese schönen Dinge nicht zu erhalten“, so Maier.

Seit 2010 treffen sich die Mitglieder des Draisinenverbands jährlich an einer anderen Strecke, erläuterte Gruber. Letztes Jahr war Thüringen dran. „Anschauen und der Erfahrungsaustausch“ stehen ganz oben auf der Liste. Es geht aber auch darum, Werbung für den jeweils anderen zu machen und sich die Bälle bzw. Gäste zuzuspielen. „Wir wollen in spe überall gewesen sein“, sagte er. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland bis hin nach Mecklenburg-Vorpommern. Überwiegend betreiben sie Fahrraddraisinen.

Heiße Musik im heißen Café Central

Es dampft im Café Central. Aus zwei Gründen: heiße Sounds von „Lacuna Coil“ und heiße, verbrauchte, schwitzige Luft, weil keine Fenster geöffnet werden (dürfen?) und weil es wohl keine Lüftung gibt. Für die italienische Metal-Band um Frontfrau Cristina Scabbia weniger ein Problem, für manche Fans eher. Die müssen ab und zu mal nach draußen zum Luftschnappen. Was sie aber drin geboten bekommen, entschädigt: Die Mailänder beweisen eindrucksvoll, warum sie zur Speerspitze ihres Landes in ihrem Musik-Genre gehören.

Einerseits sehr melodisch, dann aber wieder metallisch bis hin zu den harten Death Metal-Growls von Andrea Ferro, deckt die Band ein ziemlich weites Spektrum an musikalischen Einflüssen ab. Das zeigt sich auch an der Bandbreite des Publikums. Da sind die eingefleischten Rocker dabei, aber auch etliche junge Leute, die die Band mit ihren am Zeitgeist angelehnten Songs anspricht. Von Alltagsklamotten bis hin zu Metal-Shirts von Iron Maiden ist alles vertreten.

Dazu kommen noch ein paar Relikte der wilden 70er Jahre, bereits etwas verlebt aussehend, denen man abnimmt, dass sie schon mit Ozzy Osbourne um die Häuser gezogen sind, angereichert mit ein paar ganz „normalen“ Fans, denen man mit Designerbrille, grau meliertem Haar und modischem Haarschnitt nicht unbedingt die Vorliebe für die härteren Töne ansieht. Sie alle eint, dass sie auf die Musik des Quintetts abfahren. Der Saal im Café Central ist vollgestopft bis oben hin, sodass selbst der hintere Eingang mit Bar ziemlich belagert ist.

Nach verhaltenem, sehr melodischem Beginn, bei dem die Personen auf der Bühne aufgrund der andauernd wechselnden Scheinwerfer kaum zu erkennen sind, geht’s in die Vollen. Der Kontrast zwischen der sanften Alt-Frauenstimme und dem männlichen Reibeisenorgan macht die Besonderheit aus. Leise, akustische Momente werden abgelöst von brachialen Krachern, aber auch einprägsamem zweistimmigen Gesang.

Im Gepäck hat die Band neben dem vor zwei Jahren entstandenen Album „Delirium“ auch die neue Live-DVD „119“, die genau am Auftrittstag erscheint. Dass die (englischsprachigen) Songs nicht nur in Italien eine begeisterte Fan-Schar finden, sondern auch in der Sauna des Café Central, zeigt sich bereits bei den ersten Klängen. Die Gäste gehen bis in die letzten Reihen mit, singen, klatschen, bis der Schweiß in Strömen läuft, und sind von der professionellen Performance beeindruckt.

Denn „Lacuna Coil“ hat‘s nicht nur musikalisch drauf, die Band bietet auch was fürs Auge. Die Instrumentalisten sind, Gothic-Einflüssen angelehnt, weiß-gruselig geschminkt, was mit zunehmendem Konzert in der Hitze ins Fließen kommt. Als „definitly a hot show in every way“, einer im wahrsten Sinne des Wortes heißen Show, bezeichnet Cristina Scabbia augenzwinkernd den Auftritt. Das kleine Energiebündel, in rotem Kleid ein Blickfang, gibt den Songs, so heavy sie auch sein mögen, den mit ihrem Organ einen melodiösen Anstrich. Wohl nur wenige Bands vollführen derart virtuose Ausschläge in alle Richtungen und verbinden sie mit einem sehr druckvollen Sound, der im Saal sehr gut rüberkommt.

Dass sich selbst so bezeichnende Death- und Nu-Metaller auch ganz sanft können, zeigt die Ballade „When a dead man walks“. Die war im Vorfeld von den Fans auf Facebook stark nachgefragt worden, deshalb fand sie jetzt auch ihren Niederschlag im Live-Programm. „My Wings“, „Blood, Tears, Dust“ oder „Tight Rope“ sind andere Stücke, die das Vorurteil absolut widerlegen, bei der Musik der Truppe könnte es so heftig zugehen, dass kaum noch ein paar zusammenhängende Töne zu erkennen wären.

Im Gegenteil: Was „Lacuna Coil“ in Weinheim präsentieren, ist für Metal-Begriffe fast schon mainstreamtauglich. Die Growls werden eher dezent eingesetzt, passen sich in die Songstruktur ein, wechseln sich mit Gesangduetts ab. Gründungsmitglied Marco Coti Zelati (Bass, Gitarre, Keyboard), der neue Schlagzeuger Ryan Blake Folden und Gitarrist Diego Cavallotti sorgen für den instrumentalen Unterbau, der manchmal fast ein bisschen geleckt rüberkommt.

Treibende Rhythmen, eine wummernde Double-Bassdrum, filigrane Gitarrenriffs: Die Band zeigt, warum sie schon mehrmals nach Wacken verpflichtet wurde und bereits die ganz Großen der Szene auf deren Tour begleiten durfte. Die Musiker wiederum sind jedes Jahr aufs Neue beeindruckt, wie das Publikum mitgeht, die Songs schon beim ersten Ton erkennt und kräftig mitsingt. „Ohne euch wären wir gar nichts“, gibt es deshalb ein großes Lob von Scabbia.

Zu hören gibt’s ein Best-of der vergangenen mehr als 20 Bandjahre: „One Cold Day”, „Heaven‘s a Lie“ oder „The House of Shame” sind da ebenso dabei wie das 2006er Depeche Mode-Cover „Enjoy the Silence”, das den Italienern viel Aufmerksamkeit verschaffte. „Nothing Stands in Our Way“ heißt es ganz zum Schluss, als letzte Zugabe. Schweren Herzens mussten dann die Fans doch zu später Stunde den Weg nach Hause antreten – zwei Stunden super Musik reicher.

Stolze kleine und große Drachenbastler in Wald-Michelbach

Die Kinder und Erwachsenen der katholischen Pfarrgruppe hatten dieser Tage viel Spaß beim Drachen-Basteln und dem anschließen Steigen-Lassen in Wald-Michelbach. Der Einladung zu dem rund zweieinhalbstündigen Bastelevent am Samstagvormittag waren über 20 Kinder gefolgt, freute sich Irina Burger vom Orga-Team. „Es war für uns ein Riesen-Erfolg, dass auf die Einladung so viele kamen“, sagte sie. „Damit hatten wir nicht gerechnet.“

Unter der Leitung von Pfarrer Peter Pristas, K. Gölz-Ehret und ihr selbst malten, klebten und bastelten die Kleinen und Großen hochkonzentriert an den Drachenbausätzen, die zu so manch einer Herausforderung einluden. Denn es handelte es sich doch dabei um einen Bausatz für ältere Grundschulkinder. Die jüngsten Teilnehmer waren auch gerade einmal vier Jahre alt. Doch wurde einander geholfen und unterstützt, wo man nur konnte.

Und so gelang es tatsächlich, alle Drachen am Mittag fertig zu stellen. Am darauffolgenden Tag luden die Organisatoren dann alle Teilnehmer zur gemeinsamen Gottesdienst-Feier ein, um im Anschluss daran die neu gebastelten Drachen auf dem nahe gelegenen „Weißkopf“ einer Feuertaufe zu unterziehen.

Ganz wohlgesonnen war jedoch das Wetter den Unternehmungslustigen nicht. Es nieselte, als man am Sonntag aus der Kirche trat. Doch dem Enthusiasmus der Kinder und Erwachsenen tat dies keinen Abbruch. So sah man auf der Höhe schon bald die ersten Drachen am Himmel fliegen. Durchnässt, aber stolz gingen die kleinen und großen Drachenbastler später nach Hause.

Der Odenwald als kulinarischer Geheimtipp

Frankfurt, Köln oder Berlin kennen sie alle. Aber den Odenwald? „Da war ich noch nie, obwohl ich oft die A5 nach Süden fahre“, meint Journalist Carsten Grubach, der für 13 dänische Zeitungen schreibt und dort das „kulinarische“ Segment bedient. Wie ihm geht es auch den argentinischen Kollegen aus Buenos Aires oder der Norwegerin in der Truppe. Sie waren auf Einladung der Deutschen Zentrale für Tourismus auf Studienreise zum Thema „Kulinarik“ in Deutschland. Die Hessenagentur baute das Weingut Rothweiler in Auerbach und die Odenwälder Feinen Brände in Litzelbach mit in die Tour ein.

„Ich will meinen Lesern zeigen, dass es etwas anderes gibt als nur die Strecke entlang der Autobahn“, verdeutlicht Grubach seine Zielrichtung. Essen und Trinken ist seiner Beobachtung nach „hier viel billiger als in Dänemark“. Ihm geht es darum, „etwas Neues zu entdecken“. Und das lässt sich nicht in Frankfurt tun, sondern abseits der üblichen Routen. Viele dänische Rentner „machen fünf oder sechs Mal im Jahr Urlaub“, weiß er.

Als Reiseziel ist der Odenwald seinen Worten nach optimal. „Die Restaurants haben sehr gute Speisekarten mit ungewöhnlichen Spezialitäten“, beobachtete er. „Jeder weiß, was es in New York gibt“, aber die Bergstraße ist nur wenige hundert Kilometer weiter nördlich im Nachbarland unbekannt. Jedoch ist die Region optimal fürs Wandern oder Fahrrad fahren und zum Abschalten, so Grubach. Die Schnäpse und Liköre in der Brennerei von Monica und Johannes Gehrig „sind was Einmaliges“. So etwas hatte er zuvor noch nie probiert.

Emilio Jurado Naón kannte Deutschland bisher nur aus einem einwöchigen Berlin-Aufenthalt. Die Busfahrt von Bensheim aus über die Odenwald-Hügel in den Überwald empfand er als herrlich. Die Landschaft „entspricht in etwa meinen Vorstellungen, die ich vom ländlichen Deutschland hatte“, sagt der Argentinier. Sein Heimatland kennt verschiedene Liköre als regionale Produkte, „aber Schnaps ist nicht so populär, teilweise sogar unbekannt“.

Es war für ihn etwas Neues, neben Aachen, Köln oder Frankfurt auch Bekanntschaft mit den südhessischen Besonderheiten aus Küche und Keller zu machen. Aus der von deutschen Auswanderern besiedelten Provinz Cordóba kennt Jurado Naón zwar die ähnlich hergestellten Liköre, aber nicht die hochprozentigeren Getränke.

„Die sind schon sehr stark“, lächelt er und blickt zu einem 40-prozentigen Obstbrand. Der ist was ganz Besonderes: Denn die hierfür verwendeten Roten-Boskoop-Äpfel werden nach dem Mondkalender geerntet. Seinen Lesern, die als Touristen nach Deutschland kommen, will der Argentinier empfehlen, den Blick über die Großstädte hinaus zu richten und im Hinterland das „richtige deutsche Leben“ kennenzulernen.

Die Norwegerin Tjodunn Dyrnes bedauert es, „leider oft nur auf der Autobahn durchzufahren“. Deshalb ist ihr der Odenwald auch unbekannt. In einer Brennerei war sie sowieso noch nicht. „Pretty amazing“, ziemlich erstaunlich, meint sie denn auch über die Geschichte dahinter, wie Schnäpse und Liköre entstehen. Denn die erklärt Johannes Gehrig im Anschluss noch direkt vor dem Kessel.

Der Odenwald ist für die Osloerin eine ganz klare Empfehlung, die sie ihren Lesern auf den Weg geben will. Die sollen abseits der Durchgangsstraßen einen Abstecher 20 oder 30 Kilometer in die Hügellandschaft machen, um sich an den dortigen kulinarischen Spezialitäten zu erfreuen, von denen sie sich überzeugen konnte. Das Brennerehepaar zeigte sich von den wissbegierigen Gästen begeistert. „Die haben sehr interessierte Nachfragen gestellt“, freute sich Johannes Gehrig. Eine lautete, welches denn sein Favorit in der großen gebrannten Vielfalt ist. „Ich trinke lieber ein Bier“, meinte er nur trocken. Kein Wunder, wenn man tagein, tagaus seine eigenen Brände probieren muss….

Die Hardrock-Ikone aus Hollywood – alles nur ein großer Fake?

23 Jahre macht Michael Wiegand den Job nun schon. Aber so etwas ist dem Betreiber des „Café Central“ auch noch nicht untergekommen, dass sich ein Musiker seine Geschichte, Videos, Bookingagentur und Vorverkaufszahlen komplett ausdenkt – und damit am Anfang auch noch Erfolg hat. „Jered Threatin“ aus Hollywood, Kalifornien (wobei das inzwischen auch in Frage gestellt werden müsste), hatte für seine gleichnamige Metal-Band am 16. November das Café Central gebucht. Inzwischen wurde das Konzert abgesagt – ebenso wie der Rest der Tournee.

„Mir kam das von Anfang an komisch vor“, meint er im Rückblick. Am 2. Juni traf die Anfrage von einem Buchungsagenten namens Casey Marshall von StageRight Bookings ein. „Threatin kommt aus Hollywood“, hieß es dort. Die Band sei bei SPV Records (Whitesnake, Motörhead) unter Vertrag. Die letzte Single habe die Top 40 in sieben Ländern erreicht. Die Band sei bereits auf Tour mit Größen wie Avenged Sevenfold, Marilyn Manson und Fall Out Boy gewesen. Man rechne mit mehr als 250 Besuchern.

Die Booking-Agentur hatte eine offizielle Website, aus der hervorgeht, dass mehrere Bands in der ganzen Welt betreut werden. Anklicken kann man nichts außer dem Kontaktformular. Weswegen inzwischen davon ausgegangen wird, dass Booker Casey von Jered Threatin schlichtweg erfunden wurde, um ein professionelles Image vorzutäuschen. Dazu kommen wohl gekaufte Facebook-Likes für die Bandseite und zusammengeschnippelte YouTube-Videos, die eine begeisterte Zuschauerschar simulieren sollen. Allerdings sind die Aufnahmen wahlweise unscharf oder es ist nur der Musiker oder nur die Fans zu sehen.

„Nach ein paar Tagen habe ich gemerkt, dass der Vorverkauf nicht lief“, sagt der Besitzer im Rückblick. Für ihn war das erst einmal egal, denn die Rechnung über 1000 Euro Miete war postwendend bezahlt worden. Klar wären ein paar Getränke-Einnahmen am Abend auch von Vorteil gewesen, damit sich die Veranstaltung trägt. Selbst gebucht hätte Wiegand die Gruppe aber nicht, denn sonst wäre der Kartenverkauf an ihm hängen geblieben, betont er.

Außerdem hat der Café-Central-Mann nach mehr als zwei Jahrzehnten in dem Business seine Ansprechpartner oder kennt die meisten Bands persönlich. „Es war sehr suspekt“, meint er. Wie richtig diese vorsichtige Vorgehensweise war, zeigte sich jetzt: „Gerade mal ein Ticket ging im Vorverkauf weg“, schmunzelt Wiegand.

Nach den ersten Tour-Konzerten, die unter anderem in London gerade vor drei Zuschauern stattfanden und nach denen schon zwei gebuchte Musiker absprangen, „habe ich per E-Mail nachgefragt, was der Blödsinn soll“. Denn er wollte nicht selbst absagen, um Regressansprüche zu vermeiden. Die Entscheidung wurde dem Weinheimer abgenommen: „Kurz danach kam die Absage durch die Band.“

In den ganzen Jahren als Central-Betreiber „habe ich das noch nicht erlebt“, weiß Michael Wiegand nicht ganz, ob er dem Treiben des Musikers nun Anerkennung aufgrund der Unverfrorenheit zollen soll oder einfach nur entsetzt ist, was sich durchs Internet alles „faken“ lässt. Er kommt sich auf jeden Fall vor „wie im Zoo“. Wiegand will nicht ausschließen, dass durch den ganzen Hype um die auf Lügen aufgebaute Tour Jered Threatin jetzt richtig bekannt wird – und dann irgendwann tatsächlich dann die Europa-Tour bekommt, die er gerne gehabt hätte. Man sieht es doch heute überall, dass der Schein mehr zählt, sagt er.

Die einschlägigen Szene-Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass Jered Threatin ein ganzes Imperium an Fake-Unternehmen gegründet hat, um eine Europatour für seine Band an Land zu ziehen. Darunter befand sich neben der Agentur auch ein Label namens Superlative Music Recordings, das angeblich schon 1964 gegründet wurde. Inzwischen ist vieles wieder aus dem Netz verschwunden, aber vorherige Belege sind noch auffindbar.

Es wurden zu Beginn der „Tour“ sechs Konzerte in London, Newcastle, Glasgow, Bristol, Manchester und Birmingham gespielt. Bei allen, heißt es, gab Threatin auf Nachfrage der Veranstalter wohl viel zu hohe Zahlen für den Vorverkauf an. Tatsächlich kamen praktisch keine Zuschauer. Nachdem durch Mund-zu-Mund-Propaganda der Fake aufgeflogen war, wurde zuerst das Konzert in Belfast gecancelt, dann auch das in Paris und Weinheim.

„Breaking the World“ war die Tour betitelt, jetzt sieht es so aus, als würde die selbsternannte Hardrock-Ikone Jered Threatin, als welche er Veranstalter narrte, daran selbst zerbrechen. Beim Café Central, das nach den ersten schlechten Nachrichten die Sache genau im Auge hatte, nahm man es mit viel Humor.

„Das Threatin-Konzert am kommenden Freitag ist nun offiziell abgesagt“, ist auf Facebook zu lesen. „Wir denken, das kommt für keinen wirklich unerwartet (lol).“ Ein Nachholtermin wird auch als eher unwahrscheinlich angesehen, so der augenzwinkernde Kommentar weiter. Kommentare unter diesem Post lassen vermuten, dass aber möglicherweise Wienands Vermutung aufgegangen wäre und einige gekommen wären, um den Fake-Papst der Metal-Szene live zu sehen.