Mit Uli Krell ist musikalisch immer zu rechnen

Die Musik spielte im Leben von Uli Krell schon seit je her eine große Rolle. Bereits als Jugendlicher nahm er die Gitarre zur Hand, später kamen dann weitere Saiteninstrumente wie Drehleier, Mandoline oder Bass dazu. „Ich bin sehr ohrenfixiert“, meint der 67-Jährige schmunzelnd über sein Hobby, aus dem vor fünf Jahren der Hammelbacher Klangwanderweg entstand. Etwas ganz anderes als sein früherer Beruf: Mathe- und Physik-Lehrer am Überwald-Gymnasium.

Vor 30 Jahren hatte Krell seine eigene Band, die sich auf historische Musik spezialisierte. Mangels Moneten baute er Harfe oder Drehleier selbst. Da seine Fächer am ÜWG „sehr kopforientiert“ waren, machte er eine Weiterbildung in Arbeitslehre. In diesem Rahmen absolvierte der Wahl-Hammelbacher ein Schreiner-Praktikum. „Das verstärkte in mir die Liebe zur Arbeit mit Holz“, erzählt er. Denn „Musik und Klänge waren schon immer mein Ding“.

Diese Vorlieben brachte er auch am Gymnasium mit ein, als er vor langen Jahren zwei Folk-Gruppen betreute. Denn früher „saßen die Kids noch mit der Gitarre auf dem Schulhof“, so der 67-Jährige. Aber als Angebot gab es damals nur ein Blockflötenorchester. Noch heute pflegt er Kontakte zu den früheren Schülern. Sobald es wieder möglich ist, will Krell wieder mit den Ehemaligen Musik machen. „Das ist für mich sehr wichtig“, betont er. Das fehlte ihm sehr, als wegen der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen galten und für größere Gruppen noch immer gelten.

Als es um die Instrumente für den Outdoor-Klangwanderweg ging, war klar, dass sich der Werkstoff Holz nur bedingt eignet. Klar wäre er für die Resonanzen besser, weiß Krell, aber eben nicht witterungsbeständig. „Ich habe schon genug Arbeit damit, alle Instrumente zu stimmen“, lacht er. Mit dem Fahrrad macht er regelmäßige Inspektionstouren, um nachzuschauen, ob überall die (richtigen) Töne erklingen. Aktuell hat er aus den Spenden bei seinen Führungen noch Reserven, um die „Ersatzteile“ zu bezahlen.

In den vergangenen Wochen erreichten Krell viele Fragen von außerhalb, ob der Klangwanderweg frei zugänglich ist. „Ich konnte die Leute alle beruhigen“, sagt er. „Es ist einiges los“, weiß er, aber natürlich gibt es auf acht Kilometern kein Gedränge. Abstände lassen sich ohne Probleme einhalten. Der Musikfan bekommt für sein „Baby“ durchweg positive Rückmeldungen, es erfreut sich großer Beliebtheit. Erst vor kurzem legte er wieder 200 Flyer nach.

Nach wie vor gibt es seine Idee des „klingenden Dorfs“: Krell baut auf Wunsch gegen Materialkostenerstattung Klangobjekte für den heimischen, privaten Garten. Allerdings wurde das bisher aus dem Ort selbst wenig in Anspruch genommen, lediglich aus Litzelbach. Er möchte „nach Corona“ eventuell in Form von Workshops seine Kenntnisse darüber weitergeben, worauf man beim Bau von Windspielen achten sollte.

Der 67-Jährige geht noch mit einer anderen Idee schwanger: ein kleines „Indoor“-Klangmuseum. Denn wenn Instrumente aus Holz (und nicht Metall) gebaut sind, „dann klingen sie viel schöner“, erläutert Krell. Da er sich aber die Miete für Räumlichkeiten nicht leisten kann, hofft er, dass es möglicherweise jemanden gibt, der diese ihm umsonst zur Verfügung stellen würde. Für ein Klangerlebnis im Inneren hat er letztens einen Klangstuhl gebaut.

Auch ein anderes Projekt führt der umtriebige Musikliebhaber weiter: Zusammen mit dem Organisten Marius Skibka stellte er bereits die beiden Instrumente in den Hammelbacher Kirchen vor. Er erklärte die verschiedenen Pfeifenformen, machte erfahrbar, wie Klang und Klangfarben zustande kommen. „Das würde ich gern in anderen Orten auch anbieten“, wenn die Kirchengemeinde Interesse hat.

Während Corona gab’s bei den Krells viel „Odenwälder Hausmusik“. Denn seine drei Söhne haben sein Faible fürs Musizieren geerbt. Und im Haus ließ sich ohne technische Verstärkung ein Krell-Ensemble ins Leben rufen. Der Hammelbacher sehnt sich aber auch nach dem gemeinsamen Musizieren mit vielen anderen, wie es vor dem März stattfand. „Aktuell ist es nur ein Bruchteil“, vermisst er dies stark – und hofft, dass es bald wieder losgeht.

Uli Krell (67) wurde in Groß-Bieberau geboren. 1979 kam er nach seinem Lehramtsstudium (Mathe/Physik) nach dem ersten Staatsexamen ans Wald-Michelbacher Überwald-Gymnasium. Dort legte er auch das zweite Staatsexamen ab. 39 Jahre, bis zur Pensionierung 2018, unterrichtete Krell am ÜWG. Seit 1989 wohnt er im Grasellenbacher Ortsteil.

Die Idee für den Hammelbacher Klangwanderwerg kam Uli Krell 2009, als er zusammen mit seiner Frau Bettina den im Luxemburger Ort Hoscheid besuchte. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern.

Die Windleier, das erste Objekt auf der von ihm konzipierten Strecke oberhalb von Hammelbach, hängt bereits acht Jahre. Nach und nach, je nach Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu. Etwa das Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich.

Oder der Achtklang: Es waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen. Die Lion-Windharfe wurde genau an dem Tag montiert, als sein erster Enkel auf die Welt kam. Weshalb sie auch dessen Namen erhielt. Im September 2015 war Einweihung der Strecke.

Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Der Weg hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach.

Zur Betreuung des Klangwanderwegs sucht Uli Krell noch Mitstreiter, die ihm bei der Instandhaltung zur Hand gehen. Weitere Infos bei Facebook unter Hammelbacher Klangwanderweg oder E-Mail klangwanderweg@gmail.com.

Kitzretter waren wieder auf Tour

Dieses Mal blieben die Kitzretter – zum Glück – ohne Fund. Aber es gab auch andere Einsätze, erinnert sich Jagdpächter Jürgen Behrens, als auf den Feldern das eine oder andere Rehjunge gefunden und gesichert wurde. Vor kurzem waren wieder zehn Ehrenamtliche auf Wiesen, die danach gemäht werden sollten, unterhalb von Siedelsbrunn unterwegs. Die liegen zusammen mit anderen im Gebiet von Behrens Pacht.

„Die Landwirte rufen vorher an“, schildert er das Prozedere, „und sagen, ich will wieder mähen. Habt ihr Zeit durchzugehen?“ Die Zeit findet sich immer. Um die 40 Telefonnummern hat der Jagdpächter in der entsprechenden WhatsApp-Gruppe gespeichert, in die er dann die Nachricht sendet. Ein Jäger begleitet am betreffenden Tag die Kitzsucher-Gruppe, vor allem aus Frauen bestehend.

Ist eines gefunden, wird ein Korb darüber gestülpt und mit einem Netz auf dem Boden befestigt. Zwei große Stangen kommen daneben, um dem mähenden Landwirt zu signalisieren, dass er an dieser Stelle aufpassen soll. Der mäht dann logischerweise um diesen Fleck herum. Ist der Bauer fertig mit der Arbeit, lassen die Helfer das Kitz wieder springen.

Dieses aufwändige Prozedere hat seinen Grund. Zum einen „müssten wir die Rehjungen mit Kraft anfassen und hochheben“, schildert Behrens das Problem. Und dann würde das Kitz von der Mutter nicht mehr angenommen, wenn dieses den Mensch daran riecht. Zum anderen würde es, außerhalb des Feldes abgesetzt, wieder ins ungemähte Gras springen, um Deckung zu suchen. Denn die Tiere „drücken sich und warten, bis die Gefahr vorüber ist“ – beim Mähen genau das falsche Verhalten.

Wenn auch glücklicherweise oft keine Kitze gefunden werden, gibt es durchaus Felder, wo es dann sogar mehrere sind. So betreut der Jagdpächter auch zwei andere Wiesen in der Nähe der Wittmannskurve an der Straße von der Kreidacher Höhe nach Wald-Michelbach. Binzig, Königsbuckel, Geisberg, Mühlklingen, Fischerloch und Galkenhöhe sind neben dem Schwimmbadweg bis hoch zur Landesstraße ebenfalls Teil der der betreuten Fläche.

Seit Behrens 2014 die Pacht in diesem Gebiet übernommen hat, arbeitet er mit den Landwirten zusammen. Die könnten doch gerne, so sein Wunsch, ihre Mähaktion nicht oft erst von einem Tag auf den nächsten ankündigen. Denn die meisten Helferinnen sind berufstätig und nicht so kurzfristig verfügbar. Neue Aktive gibt es über Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder. „Die melden sich dann und fragen, ob sie mitmachen können“, freut er sich.

Auch wenn Behrens seit 1993/94 Jäger ist, gibt es die Kitzrettung erst seit 2014. Sein damaliger Mitpächter brachte ihn auf die Idee, erzählt er. Eigentlich, lächelt er, liegt das Thema in der Verantwortlichkeit der Landwirte, denen man damit unter die Armen greift. Aber die Helfer(innen) werden natürlich gerne tätig und es ist ein schönes Erfolgserlebnis, ein Kitz im hohen Feld zu entdecken und damit vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Dass es in diesem Jahr erst so wenige Funde gibt, erstaunt den Jäger fast etwas. Denn vom Hochsitz aus erblickte er bereits einige Jungtiere. Allerdings „ist das kein Automatismus“, dass sich dann etliche in den Feldern verstecken, erläutert er. Und letztlich ist es ja umso besser, wenn sie in der sicheren Deckung bleiben.

Kohlenmeiler löst sich in Rauch auf

Vor zwei Jahren die hohe Waldbrandgefahr, jetzt Corona: Schon wieder muss der Kohlenmeiler auf der Raubacher Höhe ausfallen. Am 24. Juli wäre die glühende Holzkohle in den Quendel, den Schacht, hinabgelassen worden. Sie wäre dann zehn Tage vor sich hin gekohlt. Krönender Abschluss des Events: die Hochlandspiele. Doch jetzt mussten die veranstaltenden Vereine FC Odin Unter- und Gesangverein Harmonie Ober-Schönmattenwag die Notbremse ziehen. Die scharfen Vorschriften können von den Ehrenamtlichen nicht gestemmt werden.

„Wir können die Verantwortung als Verein nicht übernehmen“, erläutert FC-Vorsitzender Bernd Egner auch im Namen seines Kollegen Christof Klos. Ein Hygienekonzept erstellen und dann über zehn Tage umsetzen: „nicht machbar“, ergänzt der Sängerchef. Sein schwacher Trost: Es gibt auch sonst keine Veranstaltung, anderen Vereinen ergeht es ähnlich.

„Vier Jahre lang fällt quasi unsere Haupteinnahmequelle weg“, erzählt Egner. Denn der Raubacher Meiler wird im zweijährlichen Wechsel mit dem Hinterbacher ein paar Meter weiter unterhalb entzündet. Da es dort und auch in Wald-Michelbach ebenfalls Veranstaltungen gibt, „können wir einen Ersatz nicht beliebig legen“, sind einem „Nachholmeiler“ kalendarische Grenzen gesetzt. Denn bisher feierten die Schimmeldewäer in den geraden, die anderen beiden in den ungeraden Jahren.

Jetzt wäre es vom Wetter her gegangen, das vor zwei Jahren einen Strich durch die Rechnung machte, ärgert sich der FC-Vorsitzende – aber dann kam Corona dazwischen. Da jedoch eine Absage schon länger im Raum stand, wurden dieses Jahr zumindest nicht so viele Vorbereitungen getroffen wie 2018. Dann damals trudelte die Absage erst am Eröffnungstag bei den beiden Vereinen ein, die ersten Gäste standen praktisch schon auf dem Platz.

Egner befürchtet, dass es nach diesem Ausfall-Doppelschlag beim nächsten Mal schwierig sein könnte, wieder ehrenamtliche Helfer zu motivieren. Denn die richteten bisher ihren Urlaub an den Kohlenmeiler-Tagen aus und könnten in Zukunft darauf keine Rücksicht mehr nehmen. Dann aber wäre das Großevent nicht mehr zu stemmen, wenn nicht möglichst viele anpacken.

Im Gespräch mit Bürgermeister Dr. Sascha Weber ging es vor kurzem um das Ausloten von Möglichkeiten, die Veranstaltung doch durchziehen zu können. Da der Meiler jedoch einen anderen Charakter als etwa eine große Hochzeit hat, wäre er besonderen Hygienevorschriften unterworfen, sagt Egner – eben denen für Großveranstaltungen. Und da hört es für die Vereine auf, noch organisier- und abschätzbar zu sein.

Dazu kommt: „Wir haben einige ältere Helfer, denen das Risiko zu hoch ist“, weiß der FC-Vorsitzende. Die Besucher würden bestimmt kommen, aber „mit einer reduzierten Helferzahl und diesen Bestimmungen ist es leider nicht zu machen“. Denn Abstands- und Hygieneregeln wären sehr personalintensiv in der Umsetzung. Somit ist es die Summe von allem, die die Absage begründete.

„Es ist zum Haare raufen, wenn ich noch welche hätte“, ärgert sich Bernd Egner. Doch ändern können weder er noch Klos etwas. „Es ist halt so“, meint der Gesangvereins-Vorsitzende. „Abhaken, weitermachen und vorwärts schauen“, ergänzt der Fußballer. Beide bedauern wie auch Weber die Entscheidung. Unter diesen Umständen hält sie der Rathauschef aber „für die einzig richtige“. Egner hofft zumindest für 2021 auf planbare Bedingungen.

Wie die meisten des übrigen Kohlenmeiler-Teams hatte auch der FC-Mann bereits seinen Urlaub für Ende Juli und Anfang August eingereicht. Der bleibt bestehen, nur wird er ihn woanders verbringen. Denn Bernd Egner ist frischgebackener Opa und wird dann ein paar Tage mit Tochter und Enkel in München verbringen. Jede Enttäuschung bringt eben auch etwas unverhofft Gutes mit sich.

Die große Freiheit auf der Tromm genießen

Die Malerei hatte es Ingrid Scholz schon als Jugendliche angetan. So blieb es bis heute, „außer“ dass für die Künstlerin die Arbeit an Skulpturen dazukam. Früher, in ihrer Bremer Heimat, radelte sie oft nach Worpswede zur dortigen Künstlerkolonie. „Die hat mich sehr inspiriert und interessiert“, erzählt sie. Paula Modersohn-Becker war ein großes Vorbild. Heute, auf der Tromm, bezeichnet sie es „als großes Glück“, hier zu leben.

Anfang August gibt es normalerweise in jedem Sommer auf der Tromm ein großes Bergfest, „an dem ich mich auch beteiligt habe“, erklärt Scholz. Das fällt in diesem Jahr wegen Corona aus. „Aber auch ohne diesen jährlichen Fixpunkt arbeite ich an mehreren Kunstprojekten“, so die Künstlerin. Deshalb empfindet sie aktuell „nicht das Gefühl, eingeschränkt zu sein“.

Sicherlich am eindrucksvollsten ist von ihren aktuellen Arbeiten die sechs Meter hohe Bikerskulptur. Für sie wurde zuerst ein kleines Modell gefertigt. Denn bei sechs Metern, „muss man sich im Klaren sein, was man wie gestaltet“, schmunzelt die Künstlerin. Am langen Stahlrohr werden – wie bei einer Pusteblume – im oberen Teil der Stange ringsherum kleine Stahlstangen angeschweißt, an deren Enden sich Räder drehen sollen, erklärt Ingrid Scholz den Aufbau.

„Ich experimentiere noch etwas mit dem Material, das zwischen die Speichen geklemmt wird, damit sich die Räder dann im Wind drehen können“, schildert sie weiter. Bei der Arbeit entdeckt sie immer wieder etwas Neues: Speiche, Rad oder Kugellager. Wenn das Werk fertig ist, wird es auf der Skulpturenwiese der Tromm installiert. Der Stein dafür liegt schon bereit.

Aus einem Projekt, das sie vor einigen Jahren in Breuberg realisierte, gibt es noch Aluminiumplatten, erläutert die Wahl-Odenwälderin weiter. Die sind unterschiedlich lang und zu einem U gebogen. In Breuberg wurde daraus eine Art Himmelstürmer. „Im Moment versuche ich noch einen guten Ausgleich zwischen Breite und Höhe der Skulptur zu finden“, erklärt sie. Die Künstlerin überlegt, ob sie die offene Seite mit anderem Metall schließt oder nur mit Strukturen versieht.

Malend verbringt sie viel Zeit vor einem Bild, dessen Vorbild bei Bürgermeister Dr. Sascha Weber im Büro hängt. Es ist abstraktes Werk mit dem Titel „Wald-Michelbach“. Scholz bezeichnet es als sehr optimistisch. „Es reizt mich, einen neuen Rhythmus in der Verbindung von Sonne, Bach und Wald zu realisieren“, schildert sie den Ansatz. Wenn die Schulen wieder geöffnet sind, wird sie an der Grundschule in Unter-Schönmattenwaag fünf Holztürme aufstellen und mit den Kindern neu gestalten.

Dazu kommen noch drei Aufträge. Einmal geht es um die Darstellung von Familie, also Vater, Mutter und Kind. Dafür bekam sie von einem Hammelbacher sehr alte Eichenbalken. „Die liegen nun in unserem Carport“, lacht sie, und werden Eingang in die Skulptur finden. Holz als Material „ist auf der Tromm eigentlich ein Problem“, meint sie. Aber Eichenbalken dieses Alters werden lange halten, denkt Scholz. „Ich verbinde sie auch mit Edelstahl und verknüpfe so alte Materialien mit neuen.“

Zwei ihrer weiteren Aufträge hängen miteinander zusammen. Es geht um Metallskulpturen, die auf einem abgesägten Baumstamm einen Blickfang in einem großen Garten bilden sollen. In einem Fall steht das Konzept fest, erzählt sie: Zwei große Äste, die von dem Stamm links und rechts abgehen, wurden nicht abgesägt und ragen nun aus ihm hervor.

Zwischen ihnen wird ein großer Fisch aus Edelstahlstangen und Aluminiumplatten befestigt – ein Verweis auf den großen Fischteich, der zum Garten gehört. „Wenn diese Skulptur steht, so werden wir sehen, was auf den zweiten Stamm kommt“, lässt sich die Gestalterin überraschen. Denn es soll ja zu diesem Fisch und zum Garten insgesamt passen. In der Natur „fallen mir tolle Sachen ein“, erzählt Ingrid Scholz. Sie liebt es, mit Edelstahl zu arbeiten. Ihr gefällt die Spiegelung in der Metallplatte.

„ich kann die Dinge in Ruhe gestalten und mir Zeit lassen“, gewinnt die Künstlerin der Corona-Entschleunigung auch etwas Gutes ab. Sie hat dann die Muse, sich richtig auf etwas einzulassen und kann dem Werk mehr Konzentration gönnen. „Warum in die Ferne schweifen, wenn es sich auf der Tromm gut leben lässt“, ist ihre Maxime. Es zieht sie nicht in die Großstadt. Scholz schätzt das Arbeiten auf dem Höhenzug. Schöner könnte es nicht sein, meint sie. Eben die „große Freiheit Tromm“ abseits der Zwänge und des Trubels.

Ingrid Scholz stammt aus Bremen und studierte dort an der Kunsthochschule Design. 1974 zog sie mit ihrem Mann Gerold und zwei Kindern in den Odenwald nach Zotzenbach. Scholz studierte dann noch einmal, Kunst und Polytechnik in Kassel. Sie wurde aber nicht Lehrerin, profitiert aber vom zusätzlichen Studium in ihrer Kunst und durch den erlernten Umgang mit Maschinen.

1984 ergab sich die Möglichkeit, ein altes Haus mit einem großen Garten und einer Wiese auf der Wald-Michelbacher Seite der Tromm zu kaufen. Das war die Voraussetzung dafür, sich auf Malerei und vor allem auf Skulpturen konzentrieren zu können. Seitdem lebt Ingrid Scholz hier, führt die Galerie „artstract“ und beteiligt sich am Kunstgeschehen in der Region.

Scholz malte mit Kindern und Jugendlichen im Lernmobil in Viernheim Züge an, beteiligte sich an mehreren Kunstwanderwegen, initiierte mit ihrem Mann den Bau eines Spielortes auf der Tromm, beteiligte sich an verschiedenen Bergfesten sowie hat ihre Wiese und ihren Garten zu einem Skulpturenpark ausgebaut.

Bei schönem Wetter kommen viele Leute auf die Tromm, um die herrliche Natur zu erleben und zu genießen, weiß sie. Ingrid Scholz öffnet gern tageweise ihr Atelier und ihren Garten für kleine Gruppen. Sie bittet aber um Anmeldung unter E-Mail artstract985@gmail.com oder telefonisch unter 06207/6560.

 

Mittel der modernen Brandbekämpfung

Die Wärmebildkamera kam für die Feuerwehr Wald-Michelbach gerade zum richtigen Zeitpunkt. „Unsere ist vor einiger Zeit kaputtgegangen“, freute sich Wehrführer Peter Capuani über den Ersatz in Form einer Spende durch die Sparkassen-Versicherung (SV). Er nahm diese in Anwesenheit von Tobias Johann und Bürgermeister Dr. Sascha Weber seitens der Gemeinde von Michael Schneider entgegen. Der war mit seinen Kollegen Marcus Braun und Frank Richter in die Überwald-Gemeinde gekommen.

Die SV, betonte Schneider, fördert seit vielen Jahren die Feuerwehren. Schutz und Rettung von Menschenleben stehen bei beiden Organisationen im Fokus, hob er hervor. Natürlich geht es auch um die Gebäuderettung und die Verhütung von Schäden. Jubiläumsprämien, Zuschüsse zu Brandschutzkoffern und vor allen innovative Feuerwehrausrüstung wurden in den vergangenen Jahren gefördert, erläuterte der Sparkassenmann.

Die Spende einer Wärmekamera ist laut Capuani quasi eine „Win-win-Situation“. Die Feuerwehr kann damit Brandherde und Glutnester lokalisieren, ohne gleich das Dach einreißen zu müssen. Was wiederum der Versicherung zugutekommt, die dann möglicherweise einen geringeren Schaden begleichen muss. Ganz davon abgesehen, dass Menschenleben gerettet werden.

Viele Einsatzabteilungen der Feuerwehren verfügen noch nicht über eine Wärmebildkamera, so Schneider. Bei der SV versicherte Kommunen können nun eine im Wert von 1600 Euro kostenfrei erhalten. Dieses Programm wird noch einige Zeit fortgesetzt. Damit, führte er aus, wird die Einsatzfähigkeit der Wehr gestärkt und der kommunale Haushalt entlastet.

Der Sparkassen-Vertreter bezeichnete solche Geräte als „Mittel der modernen Brandbekämpfung bei Gebäudebränden“. Ihr Einsatz ermögliche es, einen Brandherd zu lokalisieren und effektiv zu bekämpfen. Damit lassen sich außerdem Brand- und Löschwasserschaden reduzieren. Außerdem, betonte Schneider, „kann man die Kamera auch gezielt zur Personensuche und -rettung einsetzen“. Denn sie wandelt die Infrarotstrahlung, die von einer Wärmequelle ausgeht, in ein für Menschen sichtbares Bild um.

Deshalb kann es sein, erklärte er, dass man mit bloßem Auge in einem verrauchten Raum nichts erkennen kann, aber mit der Wärmebildkamera mehr und besser sieht. Somit können vermisste Personen schneller gerettet werden. Bei Lagebeurteilung, Gefahrguteinsätzen oder bei der Personensuche nach Verkehrsunfällen ist sie ein wichtiges Hilfsmittel.

Capuani bezeichnete das Gerät als sehr gute Ergänzung bei Einsätzen. Es kommt auf den Einsatzleitwagen, erläuterte er. Dort war die andere, kaputt gegangene Kamera auch untergebracht. Aktuell, sagte er, ist die Wald-Michelbacher Wehr gut ausgestattet. Eigentlich hätte man gern in diesem Jahr den Gerätewagen Gefahrgut ausgetauscht, da das bisherige Gefährt ein halbes Jahrhundert alt wird. Erst einmal ist aber jetzt die durch die Behörden geforderte Drehleiter dran.

Gemeinden mit Gebäuden von über acht Metern Brüstungshöhe müssen eine haben, so Capuani. In Wald-Michelbach gibt es diese, aber keine Drehleiter. Von Mörlenbach oder Oberzent dauert es zu lange, bis das Fahrzeug im Überwald ist. Denn für solche Fälle gilt eine Hilfsfrist von zehn Minuten. Innerhalb dieser Zeit muss die Leiter am jeweiligen Ort sein.

Eine Drohne wäre „nice to have“, schmunzelte der Wehrführer, aber eben ein besonderes Schmankerl. Sie könnte bei Waldbränden einen Blick von oben eröffnen. Da allerdings die Feuerwehr Geräte braucht, die auch bei schlechtem Wetter Bilder liefern, wäre das benötigte Equipment teurer als die handelsüblichen Waren. „Was wir haben müssen, haben wir auch“, machte er klar, dass derzeit keine Lücke in der Ausrüstung besteht.

Der Feuerwehrmann lobte die Kreativität der Sparkassenversicherung, wenn es um notwendige Anschaffungen geht. Vor Jahren gab es schon einmal ein Strahlrohr. Außerdem spendete die SV sechs Rauchvorhänge. „Sehr sinnvoll“, so Capuani, denn diese verhindern, dass Rauch in andere Gebäude eindringt und damit dort auch Schaden entsteht. „Die machen sich wirklich Gedanken, was geeignet ist“, freute er sich. Natürlich auch vor dem Hintergrund, das Schadensausmaß zu verringern und somit als Versicherer geringe Summen regulieren zu müssen.

Langsame Rückkehr zur Normalität

Ganz langsam geht der Übungsbetrieb bei den Freiwilligen Feuerwehren im Überwald wieder los. Seit Anfang des Monats dürfen Übungen in kleinem Rahmen bis sechs Personen wieder stattfinden. „Anfang März wurde nach Abstimmungen im Kreis der Übungsbetrieb zunächst eingestellt“, erzählt Carsten Kling, Gemeindebrandinspektor (GBI) von Abtsteinach. Ein Ausgleich bildeten  „Video-Gruppen-Chat-Übungen“. Zunächst nur theoretisch, „wurden später auch per Übertragung aus dem Gerätehaus technische Unterrichtseinheiten durchgeführt“, berichtet er. Die Resonanz hierauf war sehr gut, freut sich Kling.

Seit Monatsanfang üben die Abtsteinacher wie andere Wehren auch wieder in Staffelstärke mit sechs Personen. Es gibt keinen personellen Wechsel und währenddessen wird durchgängig Mund-/Nasenschutz getragen, erläutert der GBI. Aktuell sind pro Woche fünf Staffeln an wechselnden Wochentagen im Übungsbetrieb, die sich somit auch nicht in den Gerätehäusern begegnen.

Während des „Feuerwehr-Shutdowns“ organisierten die Gerätewarte, dass Fahrzeuge und Gerätschaften regelmäßig gewartet wurden. Hierzu wurde laut Kling nach Feierabend und am Wochenende „im Schichtbetrieb“ einzeln das Gerätehaus aufgesucht. Er hofft, dass andere Abtsteinacher Abteilung wie Kinder- und Jugendwehr bei weiter rückläufigen Infektionszahlen bald wieder starten dürfen.

„Aktuell halte ich den Ausbildungs- und Übungsstand der Feuerwehr Abtsteinach trotz der Corona-bedingten Einschränkungen für gut“, bekräftigt Kling. Alle Beteiligten „haben ideenreich und hoch engagiert versucht, aus der Situation das Beste zu machen“. Eine nachteilige Auswirkung des eingeschränkten Übungsbetriebs kann er nicht feststellen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, betont der GBI.

„Das ist schon eine verdammt schwierige Zeit“, nimmt Wald-Michelbachs GBI Peter Capuani kein Blatt vor den Mund. Der Lockdown war zu Anfang mit sehr viel Überzeugungsarbeit seitens der Führungskräfte verbunden, erläutert er. Nach diversen klärenden Gesprächen „war aber letztlich allen klar, dass eine Quarantäne von Einsatzkräften unbedingt zu verhindern ist“, so Capuani. Deshalb war die strikte Einhaltung des Kontaktverbotes „für uns noch wichtiger, als für andere“. Jeglicher Dienstbetrieb mit Ausnahme des Einsatzdienstes wurde eingestellt. Das wurde bis vor knapp vier Wochen durchgehalten.

Ab Anfang des Monats ging man in der Überwald-Gemeinde dazu über, in kleinen Einheiten auch wieder praktisch zu üben, „weil das einfach unumgänglich ist“. Dafür wurden Gruppen gebildet, die für die nächste Zeit konsequent zusammen bleiben und nicht gemischt werden, erklärt er die ähnliche Vorgehensweise wie in Abtsteinach. Sollte also jemand nach einer Übung erkranken, bleibt die restliche Mannschaft einsatzfähig.

Problematisch ist Capuani zufolge die Situation bei Einsätzen: „Da geht so eine Trennung nicht.“ Am Anfang waren die Abstimmung und die Einhaltung der Hygieneregeln „etwas holprig, aber mittlerweile funktioniert das ganz gut“. Capuani vermutet, dass sich die Maßnahmen auch deshalb langsamer einspielten, weil die Einsatzzahlen von Anfang April bis heute rund ein Drittel unter denen des Vorjahres liegen. „Durch die Beschränkungen ist einfach weniger passiert.“

Die Landesfeuerwehrschule will den Regelbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen, dann aber auch nur mit der Hälfte der Kapazitäten, weiß der Wehrführer. Zusätzlich finden derzeit auch keine Kreislehrgänge statt. „Das wird uns in der Ausbildung sehr weit zurück werfen“, befürchtete er.

In der Zeit ohne Präsenzübungen hielt die Feuerwehr Siedelsbrunn Schulungen per Webex ab, erläutert Wehrführer Lars Gremm. Schulungsvideos wurden an die Aktiven versendet. „Negative Auswirkungen hatte die übungsfreie Zeit bisher nicht“, hebt er hervor. Durch den Stopp der Lehrgänge konnten sich zwei Brandschützer nicht zum Atemschutzgeräteträger weiterbilden, bedauert Gremm.

„Wir in Hammelbach werden erst wieder nach den Sommerferien mit Übungen und Treffen beginnen“, kündigt Wehrführer Marco Stein an. „Momentan ruht alles zu 100 Prozent in allen Abteilungen“, sagt er. Ob gemeinsam mit Scharbach gestartet wird oder jeder für sich, wird die weitere Entwicklung der Corona-Lage zeigen. Auch Lehrgänge und Fortbildungen sollen nach jetzigem Stand erst Mitte August starten.

Die Besatzung auf den Fahrzeugen während der Einsätze wurde verringert. So wird das Löschfahrzeug LF 10 derzeit nur mit fünf anstatt neun Personen besetzt, erklärt Stein. „Im Team sind wir stark“, machte sich die fehlende Übung laut dem Wehrführer nicht negativ bemerkbar. Er registrierte wie Capuani eine geringe Zahl von Einsätzen.

Hohe Nachzahlung kompensiert Gewerbesteuerausfälle

Die Corona-Pandemie hält die Kommunen bundesweit im Würgegriff. Auch Abtsteinach bleibt von den finanziellen Auswirkungen nicht verschont. Die Gemeinde ist aber in der glücklichen Lage, dass eine hohe Gewerbesteuer-Nachzahlung aus 2018 die diesjährigen Ausfälle so gut wie kompensiert. Finanzfachfrau Dominique Hilman erläuterte der Gemeindevertretung die aktuellen Zahlen, die allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet sind.

Es gab ihren Worten zufolge für 2020 eine Sollstellung der Gewerbesteuer in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro bei einem Haushaltsansatz von 1,2 Millionen. Um fast 530.000 Euro wurde sie bisher durch Corona herabgesetzt. Aber: Aufgrund einer hohen Gewerbesteuernachzahlung aus dem vorvergangenen Jahr von rund 616.000 Euro kann der Ort „den Einbruch bisher noch gut kompensieren“, teilt Hilman mit.

Bei Einkommen- und Umsatzsteueranteilen rechnet die Verwaltungsmitarbeiterin derzeit mit 180.000 Euro weniger. Aufgrund der großen Unsicherheiten ist bereits für September eine zusätzliche Steuerschätzung angekündigt, erläuterte sie. Die vom Mai löst für sich genommen „keine Notwendigkeit für den Erlass einer Nachtragssatzung aus“, so Hilman. Ende Mai verfügte die Gemeinde über liquide Mittel von über zwei Millionen Euro.

Die Finanzfachfrau nannte weitere Mehraufwendungen und Mindererträge von ungefähr 10.000 Euro. Diesen stehen jedoch auch Minderaufwendungen wie durch den Ausfall verschiedener Veranstaltungen gegenüber. Somit können die Ausgaben im Haushalt abgedeckt werden, gibt es hier keinen Grund zur Besorgnis.

Bei ihrem Blick in die Zukunft nannte sie verschiedene mögliche Szenarien für die Gemeinde: eine mögliche Erhöhung der Kreis- und Schulumlage, längerfristige Einbrüche im Bereich der Gewerbesteuer oder ein Einbruch im Bereich der Steueranteile. „Aktuell besteht noch kein Grund zum Handeln“, so Hilman. Bei weiteren finanziellen Veränderungen wird die Verwaltung die Gemeindevertretung zeitnah informieren, versprach sie. Hilman rechnet damit, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie erst so richtig im Jahr 2021 zeigen werden.

Zur Stärkung der Liquidität wurden die Schlüsselzuweisungen für Juni und Juli bereits im Mai ausgezahlt, pro Monat knapp über 23.000 Euro, berichtete die Verwaltungsmitarbeiterin. Theoretisch könnte die Obergrenze der Liquiditätskredite ohne Nachtragssatzung erhöht werden, informierte sie. Da Abtsteinach bisher noch überhaupt keine (bei einer Genehmigung von einer Million) aufgenommen hat, ist es Hilman zufolge „aktuell somit nicht erforderlich, den genehmigten Betrag zu erhöhen“.

Bürgermeisterin Angelika Beckenbach hatte zuvor in der ersten Sitzung nach vier Monaten das Thema Corona allgemein beleuchtet. Die Pandemie veränderte die kommunalen Aufgaben entscheidend, sagte sie: Notfallpläne, Schutzmaßnahmen, Hilfsangebote und Öffentlichkeitsarbeit standen im Vordergrund. Um dies bewältigen zu können, wurden ihren Worten zufolge insbesondere die geplanten Projekte gestoppt und die nicht zwingend erforderlichen und freiwilligen Aufgaben und Arbeiten zurückgestellt.

Wichtig war der Bürgermeisterin zufolge vor allem, die interne Organisation so zu steuern, dass bei einem Infektionsfall im Rathaus oder im Bauhof die Pflichtaufgaben, insbesondere im Bereich der Öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der Finanzverwaltung, des Bestattungswesens, des Standesamtes, des Einwohnermeldeamtes, der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, weiterhin ausgeführt werden können.

Eine solche Krisensituation „ist aber nur erfolgreich zu bewältigen, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen“, blickte sie zurück. Und es gelang umfänglich: „Ich bin mir sicher, dass wir dies bestens gemeistert haben“, wofür sie allen Beteiligten ihren Dank aussprach. Auch wenn die Haushaltslage aktuell noch unkritisch ist, hegte Beckenbach für 2021 „die schlimmsten Befürchtungen“. Gerade die Einbrüche bei der Gewerbesteuer müssten finanziert werden.

Die Rathauschefin zeigte sich aber optimistisch, dass eine gute Unterstützung vom Land kommt. Trotzdem müsse man sicher im kommenden Jahr abwägen, „was wir uns an freiwilligen Leistungen noch erlauben können“. Nach der Herbst-Steuerschätzung hofft Beckenbach klarer zu sehen. Bisher verläuft alles noch ziemlich planmäßig.

Alla-hopp-Anlage öffnete wieder

Große Abstände, laute Stimmen, Desinfektionsmittel zur Begrüßung und anderer Ort: Die Gemeindevertretung Abtsteinach tagte erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder – im katholischen Jugendheim, das die entsprechenden Abstände möglich machte. Gemeindevertreter-Vorsitzende Frank Wetzel äußerte zu Beginn seine Hoffnung, nach den Sommerferien wieder zum Normalbetrieb zurückkehren zu können. Bürgermeisterin Angelika Beckenbach hatte gleich einige Mitteilungen parat.

Alla-hopp-Anlage: Diese ist  wieder offen, vorerst jedoch nur von montags bis freitags. An Samstagen und Sonntagen bleibt die Schließung zunächst bestehen. Der Gemeindevorstand wird in seiner nächsten Sitzung aufgrund der dann vorliegenden Erfahrungen über die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen und Einhaltung der Hygieneempfehlungen durch die Besucher erneut beraten.

Jahresabschluss 2019: Der Aufstellungsbeschluss wurde mit folgendem Ergebnis gefasst: Bilanzsumme 21,25 Millionen Euro, ordentliches Ergebnis 95.300 Euro, außerordentliches Ergebnis 761.300 Euro, Jahresergebnis 856.500 Euro, Bestand an Zahlungsmitteln 1,3 Millionen Euro. Der Abschluss wurde dem Revisionsamt des Kreises Bergstraße zur Prüfung vorgelegt.

Haushaltsplan 2020: Anfang April ging die uneingeschränkte Genehmigung ein. Neben den allgemeinen Ausführungen stellt die Kommunalaufsicht des Kreises Bergstraße laut Bürgermeisterin  folgendes fest: „Der Gebührenhaushalt Bestattungswesen plant 2020 mit einem Verlust nach interner Leistungsverrechnung in Höhe von fast 40.000 Euro und erreicht somit lediglich eine Kostendeckung von 49 Prozent. Die Anpassung der Gebühren ist daher geboten und eine Kostendeckung von 80 Prozent anzustreben.“

Krebsvorkommen in der Steinach: Die Obere Naturschutzbehörde lässt in diesem Jahr ein Gutachten zu drei Bächen im Odenwald erstellen, in dem die Situation des Steinkrebses und des Signalkrebses untersucht wird. Untersucht werden der Eiterbach auf Gemarkung Wald-Michelbach, der Mörlenbach und die Steinach. Ziel des Gutachtens ist es festzustellen, ob und welche Schutzmaßnahmen für den stark gefährdeten Steinkrebs Erfolgschancen haben. Hierfür soll zunächst ermittelt werden, ob sich Spuren des Steinkrebses, des Signalkrebses und/oder des Krebspest-Erregers in den drei Gewässern nachweisen lassen. Ergänzend wird an geeigneten Stellen eine Krebs-Befischung durchgeführt.

Steinbruch Mackenheim: Von den  Porphyrwerken Weinheim-Schriesheim wurde beim Regierungspräsidium Darmstadt ein Genehmigungsantrag nach Bundes-Immissionsschutzgesetz zur Sanierung der Ostböschung gestellt. Hierzu wird die Gemeinde in nächster Zeit zur Abgabe einer formellen Stellungnahme aufgefordert und die Thematik dann der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung vorgelegt.

Friedhof: Die neue Lautsprecheranlage wurde in der Friedhofshalle installiert. Damit ist nun auch eine sehr gute Sprach- und Musikübertragung im Außenbereich möglich.

Stromversorgung: Der Auftrag für die öffentliche europaweite Ausschreibung für die gemeindlichen Liegenschaften einschließlich Straßenbeleuchtung der Jahre 2021 bis 2024 wurde an ein Fachbüro erteilt.

Abwasser: Die Gebührenkalkulation für die Jahre 2021/2022 einschließlich der Ermittlung der Vorjahresergebnisse für die Jahre 2018 bis 2020 und die entsprechende Präsentation wurde an ein Fachbüro erteilt.

Kläranlage: Der Auftrag zur Projekt- und Variantenuntersuchung für die Neukonzeption wurde an ein Ingenieur-Büro erteilt.

Die Kombination von allem erzeugt Einmaligkeit

„Mixed Media“ ist das „Ding“ von Christine Wuillemet. Sie schätzt bei diesem Malstil, „dass man sich nicht festlegen muss“. Kurse im Atelier (in der Schreinerei von Volker Ader in Affolterbach) wurden vor Corona gut angenommen, erzählt sie. „Etliche kamen zuerst und sagten, sie können nicht malen“, erinnert sie sich. Die 53-Jährige überzeugte die Teilnehmer vom Gegenteil. „Viele gingen strahlend mit einem Bild nach Hause.“ Und kommen dann auch gerne wieder, wenn etwas Neues angeboten wurde.

„Wir schauen, was gebraucht wird“, ist sie ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Stillstand gibt es nicht. So wurden Buchbinder-Kurse mit ins Programm aufgenommen. Einmal im Monat findet eine „Ladies Drawing Night“ statt, ein Abend für Frauen, bei dem ein kleines Thema vorgegeben wird und die Teilnehmerinnen dann mit einem Bild nach Hause gehen. Dazu kommen Kurse für Firmen, so für die Entega in Höchst, oder andere im Kloster Engeltal in der Wetterau.

Aktuell herrscht allerdings Stillstand. „Wir haben sehr gekämpft mit Corona“, schildert Wuillemet die Situation. Alle Kurse wurden abgesagt. Darüber hinaus war ihren Worten nach das Atelier noch zu jung für entsprechende Hilfen. So langsam tastet man sich nun wieder an den Neustart heran. „Wir versuchen, in kleinerem Rahmen weiterzumachen“, erläutert sie. Während der erzwungenen Pause war die 53-Jährige froh, auf ihr zweites Standbein, die Konzeption von Unterrichtsmaterialien, zurückgreifen zu können. Die Malerin hofft, dass die Kunden dem Atelier die Treue halten, bis es weitergehen kann wie bisher.

„Es gibt ein Thema oder ein Motiv, das mich interessiert“, erklärt Wuillemet ihre Herangehensweise. Mit Mixed Media entsteht ihr Werk Stück für Stück, bleibt auch einmal liegen. Manches kommt aus der Stimmung heraus, anderes ist eine Auftragsarbeit. Die Künstlerin experimentiert gern und viel. „Ich habe gerade Tusche für mich entdeckt“, erzählt sie.

Die Kombination von allem bringt in ihren Worten zufolge eine Einmaligkeit zu standen. Es entstehen Collagen aus allen möglichen Stilrichtungen. Genau das ist für Wuillemet das Spannende an ihrer Arbeit: Wie an einem Büffet kann sie an verschiedenen Malstilen naschen und sich genau das heraussuchen, was ihr am besten schmeckt, sie am meisten anspricht.

Kunsthandwerkermärkte wie auf der Tromm im vergangenen Jahr sind für die 53-Jährige eine Möglichkeit, auf ihr Atelier aufmerksam zu machen. Leider wird die Veranstaltung dieses Jahr nicht stattfinden, bedauert sie. „Ich würde gern einmal eine Ausstellung vorbereiten“, erzählt Wuillemet. Die Chance wird es bald bei Faber-Castell geben, freut sie sich.

Schon jetzt sind die Überlegungen gestartet, welche Kurse im kommenden Jahr angeboten werden können – in der Hoffnung, dass dann wieder Normalität eingekehrt ist. „Das Lernen ist nie zu Ende“, betont Christine Wuillemet. Alles ist ein Stück Entwicklung, das auch Spaß macht. Allerdings derzeit mit angezogener Handbremse. „Ich weiß noch nicht, wann wir wieder richtig starten können“, schildert sie die Hängepartie.

So lange läuft auch einiges online. Marion Gross schreibt die Blogbeiträge auf der Webseite. Dort werden einige Techniken erklärt, was auf eine gute Resonanz trifft. Etwa: Lederpaper oder Gelplatten selbst herstellen. Oder die Beschäftigung mit Farbe: „Was bedeutet Rot in der Kunst?“ Dazu gibt es Backstage-Einblicke ins Atelier.                           tom

 

Christine Wuillemet (53) stammt aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen. Dem ersten Besuch im Odenwald mit zwölf Jahren sollte später der Wohnsitz in der Region folgen. Wuillemet arbeitete 25 Jahre lang im Marketing bei Lufthansa und wohnte während dieser Zeit lange in Erbach. Seit 2015 ist sie in Gras-Ellenbach zu Hause, ihr Atelier „in der Schreinerei“ befindet sich in Affolterbach.

Gemalt hat Christine Wuillemet bereits seit frühester Jugend. Nach der Schule begann sie ein Medizinstudium, später dann beschäftigte sie sich mit Orientalistik und Wirtschaftswissenschaften. 2013 gründete sie mit ihrem Bruder Sascha eine Medienagentur, in der sie Unterrichtsmaterialien für Medienzentren erstellt. Die wiederum beliefern Schulen damit. Ihr Bruder dreht die dazugehörigen Filme.

Nach ihrer Tätigkeit bei Lufthansa absolvierte die Wahl-Überwälderin eine Ausbildung zur Grafikdesignerin und Mediengestalterin. Aktuell studiert sie an der Faber-Castell-Akademie Bildende Kunst. Das Atelier in der Schreinerei erblickte Ende 2018 das Licht der Welt. Mit im Boot sind dort Volker Ader, Martin Steffan, Doris Steffan-Wagner und Marion Gross.

Mehr auf http://www.atelierinderschreinerei.de

„Mit Abstand“ das beste Konzert

Corona macht erfinderisch. Weil die Orchester in Deutschland nicht mehr proben durften, startete am 22. März die bundesweite Blasmusik-Aktion. Vom ersten Takt an mit dabei: die Blasmusik Schönmattenwag. Sie hatte ihr Musizieren unter das Mottolied „Ode an die Freude“ gestellt, was natürlich immer zu hören war.

„Lieder, die verbinden – für alle, die zu Hause bleiben“: So charakterisiert der Vorsitzende Hans Vogel die Songauswahl. Die Schimmeldewäer waren immer mit etwa 15 Musikern dabei, die von den Balkonen zu Hause oder einer Stelle am Waldrand spielten. „Es war in der Region eine einzigartige Aktion“, so Vogel – zumindest ist dem Ensemble Ähnliches nichts von anderen Kapellen bekannt. Auch einige Kids der Jugendband waren immer aktiv am Instrument.

Die Auftritte sprachen sich rum. Im Ort warteten viele Zuhörer darauf, dass sonntags aufs Neue die schönen Klänge ertönten. Jetzt fand der Abschluss der Aktion in Schimmeldewog statt: das elfte und nach augenzwinkernder Einschätzung der Musizierenden „mit Abstand“ beste Konzert in dieser Zeit. 25 Musikerinnen und Musiker positionierten sich am Waldrand auf dem „Neuen Weg“ oberhalb des Ortes.

Alle geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wurden penibel eingehalten. So standen alle Musiker in mindestens fünf Meter Abstand zueinander auf dem Weg verteilt. Gespielt wurden unter anderem: „Die Gedanken sind frei“, „Kein schöner Land in dieser Zeit“, die Polkas „Auf der Vogelwiese“ und „Böhmischer Traum“, der Marsch „In Harmonie vereint“ und natürlich zum Abschluss das  „Schimmeldewöger Lied“. Als Zugabe ertönte „Ade zur guten Nacht“.

Beifall ist der schönste Lohn der Künstler. Und davon gab es reichlich. Nach allen Stücken hörte man aus dem Ort viel Applaus hochschallen. Dazu kamen Zugabe-Rufe nach den letzten Stücken. Diese Aktion und vor allem die Gemeinschaft sowie die Resonanz aus dem Ort gab allen Musikern viel Kraft und Motivation. Mit neuer Energie kann es nun weitergehen, wenn die Proben hoffentlich bald wieder sinnvoll durchführbar sind.