SG Wald-Michelbach feierte das 70-jährige Bestehen und sich selbst

Was vergangenes Jahr aus organisatorischen Gründen doch nicht stattfinden konnte, hatte dieses Mal ein umso schöneren Rahmen und war für die Organisatoren ein voller Erfolg. Die SG als größter Verein der Gemeinde blickte auf ihre Gründung 1946 zurück. Dabei stellten sich die verschiedenen heutigen Abteilungen mit diversen Darbietungen vor. „Eine rundherum gelungene Veranstaltung“, bilanzierte Mitorganisator Hans-Georg Hering. Eine besondere Freude war es dem Vorsitzenden Gerhard Berger, Mitglieder aus dem Gründungsjahr zu ehren.

Berger blickte bei der Begrüßung auch auf die Vereinsgründung 1946 zurück. Diese durfte laut Auflage der amerikanischen Besatzungsmacht nur erfolgen, wenn sportliche und kulturelle Aktivitäten in einem Verein zusammengefasst wurden: Am 6. Januar war die SGK geboren, die Sport- und Kulturgemeinde Wald-Michelbach. Während die Fußballer bereits am Rundenbetrieb teilnahmen, beschlossen die Handballer im August, mit einer Herren- und Damenmannschaft anzutreten.

1948 fasste laut Berger die junge, aufstrebende Turnabteilung den Entschluss, erstmals eine Turnriege zu gründen. 1950 zogen die Fußballer auf den neu errichten Sportplatz in der Rudi-Wünzer-Straße um. 1952 kam eine Damen-Gymnastik-Gruppe hinzu. Im selben Jahr fand das erste Gau-Turnfest statt. Weit über 1000 Turner aus allen Orten des Gaus Bergstraße nahmen daran teil.

1955 nahmen die Tischtennis-Herren erstmals an einer Verbandsrunde teil und holten gleich ungeschlagen mit einem überragenden Ergebnis die Meisterschaft, führte Berger aus. 1959 trennten sich die kulturellen von den Sportabteilungen. Deshalb firmierte man ab dann als Sportgemeinde (SG), wie der Name auch heute noch lautet.

1976 wurde dank vieler Unterstützer eine Flutlichtanlage am Sportplatz erreichte. 1978 wurde das Jubiläum „75 Jahre Turnen in Wald-Michelbach gefeiert“. Die Faustballer ließen das Köhlerhandwerk wieder aufleben und errichten 1984 auf dem Schimmelberg den ersten Kohlenmeiler. Eine Tradition, die bis heute aufrechterhalten wird. Im Juni ist es wieder so weit. Im Rahmen des Überwälder Heimatfestes wurde 1996 das 50. Vereinsjubiläum begangen. „75 Jahre Fußball“ schloss sich 1998 an.

Das Jahr 2000 brachte für die Fußballer weitere Verbesserungen. Das neue Funktionsgebäude wurde errichtet und der erste Kunstrasen verlegt. 2012 wurde dieser erneuert und durch einen moderneren ersetzt. Eine optisch und funktionale gelungene Sportanlage, „um die uns viele Vereine beneiden“, so Berger. Er dankte allen, die „mit großem Idealismus, Engagement und Opferbereit“ in der Gründerzeit die Basis für den Verein legten. Aber auch allen, die sich in den folgenden sieben Jahrzehnten einbrachten.

Bürgermeister Joachim Kunkel gratulierte seitens der Gemeinde. „Es ist mir als alter SG’ler eine besondere Freude“, sagte er. Er würdigte die Vereinsarbeit in den vergangenen 70 Jahren und dankte allen, die sich dabei einbrachten und das SG-Schiff auf Kurs hielten. Der Verein sei ein wichtiger Bestandteil für das sportliche und kulturelle Leben in Wald-Michelbach.

Es sei „unglaublich“, wie sich die Turnabteilung entwickelt habe, meinte der Bürgermeister. Der Kinder- und Jugendarbeit zollte er sein „höchstes Lob“. Hier sei die SG ganz „fantastisch aufgestellt“. Kunkel weiß, wovon er redet, begann er doch schon als C-Schüler, spielte dann in der A-Jugend Fußball, war zehn Jahre in der ersten Mannschaft aktiv und daneben Schachspieler.

Mit einem Sketch der Turnerjugend hatte der Nachmittag in der Großraumsporthalle begonnen. Die zeigte, wie man die Heranwachsenden trotz Smartphone und Laptop noch für den Sport begeistern kann. Danach stellten sich die verschiedenen Abteilungen den vollen Rängen vor. Die Gruppe der Dreijährigen und die Montagsgruppen der Turner machten den Anfang, dann die Faustballer und die Gymnastikgruppen der Frauen. Es folgten Tischtennis, das Erwachsenen-Turnen, Rücken-Fit und die Gymnastikgruppe der Männer. Die Leistungsturner sowie Hand- und Fußballer bildeten den Abschluss, ehe dann die Turn-Showgruppe unter viel Beifall ihre Künste zeigte. Es folgte ein Mitmachprogramm.

Gründungsmitglied Hermann Egner, der aus gesundheitlichen Gründen leider nicht anwesend sein konnte, war Berger eine besondere Erwähnung bei den Ehrungen wert. Bei diesen standen „420 Vereinsjahre“ auf der Bühne. Dieser war auch zu Beginn lange Jahre in der Fußball-Abteilung aktiv. Auch Vereinswirt Ludwig Heid nannte der Vorsitzende – neben seinem „konstruktiven Kritiker und Berater über sehr viele Jahre“, Werner Lammer. Auf 38 Jahre Verbandstätigkeit blickt Ehrenvorsitzender Heinz Schwebel zurück, der zehn Jahre auch dem Verein vorstand.

Geehrte Mitglieder aus dem Gründungsjahr 1946: Hermann Egner, Emil Espig, Ludwig Heid, Werner Lammer, Hans-Günther Morr, Erich Mury, Hans Mury, Heini Scherpf, Heinz Schwebel

Erfolgreiche Mannschaften:

Jugendmeister männliche Jugend 1. Kreisklasse: Carina Roth, Lara Trautmann, Eric Petry, Samuel Staat, Paul Arnold, Nico Strasser, Fabian Schork, Leon Lickert, Luisa Schork, Jonas Schmitt.

Jugendpokalsieger männliche Jugend 1. Kreisklasse: Carina Roth, Lara Trautmann, Eric Petry, Jonas Schmitt

Schülerpokalsieger Schüler 2. Kreisklasse: Jacques Cimander, Til-Niklas Rosche, Jannis Karl

Organisatoren Sportgala: Sandra Norris, Heike Langer, Mark Norris, Hans-Georg Hering.

Förderverein des SV Affolterbach zog Bilanz: Der beste Kerwemontag seit einigen Jahren

Drei Großveranstaltungen hatte der Förderverein des SV Affolterbach im vergangenen Jahr zu stemmen, berichtete Vorsitzender Jörg Rettig: das Barbed-Wire-Konzert, die Kerwe und die Comedy-Veranstaltung mit dem „Begge Peder“. Rettig hieß zur Generalversammlung die Gäste willkommen, unter anderem den Ehrenvorsitzenden Bodo Rettig, die Ehrenvorstandsmitglieder und Vertreter der Ortsvereine.

Zusammen mit der Fastnachtsgruppe „Black Angelz“ wurde das Konzert mit „Barbed Wire“ durchgeführt und war ein guter Abend, sagte Rettig. „Die Organisation der Kerwe ist eigentlich ein Dauerthema“, merkte er an. Der Ablauf sei zufriedenstellend gewesen, „wenngleich die eine oder andere helfende Hand fehlte“. Positiv erwähnte er den Kerwemontag, an dem der SV viele Gäste und auch einige Firmenbelegschaften begrüßte. „Das war von den Zahlen und der Stimmung her der beste Kerwemontag seit einigen Jahren“, freute er sich.

Allerdings gab es auch einen Wermutstropfen: „Sehr enttäuschend war der Besuch des Kerwesamstag-Abends“, bedauerte Rettig. Der Verein hatte auf die Ortsbevölkerung gezählt und war über den sehr schwachen Besuch enttäuscht, „sodass wir uns schon fragten, für wen machen wir denn die Kerwe“. Man hoffe auf Besserung.

Als dritte Veranstaltung hatte der Förderverein den Kabarettisten „Begge Peder“ mit seinem neuen Programm zu Gast in der Peter-Heckmann-Halle. „Der Besuch war okay“, so Rettig. Gerade solche Kabarettabende, von denen der Gesamtverein im vergangenen Jahr zwei hatte, „sind für unsere Außenwirkung von großer Bedeutung“.

Mit Blick auf die Ausgaben meinte er, dass der Förderverein bereits im vorvergangenen Jahr die Bezuschussung der Küche und des Verputzes vorgenommen habe. Auf der letztjährigen Generalversammlung des Hauptvereins wurde eine Beitragserhöhung beschlossen. Bei der Versammlung habe man sich bereit erklärt, die Jugend der JSG und des SVA zu unterstützen. „Im vergangenen Jahr haben wir die Trainingsanzüge mit über 1000 Euro gefördert“, sagte er.

Rettig betonte, „wir haben uns das Ziel gesetzt, die Sportvereinigung und all ihre Aktiven, vor allem die Sportjugend, finanziell zu unterstützen.“ Denn die Aufgaben, vor denen ein zwar im Ort tief verwurzelter, aber letztlich doch eher kleiner Verein wie der SVA stehe, seien ohne zusätzliche Kräfte kaum möglich. Man müsse weitere Mitstreiter finden, um die Aufgaben auf noch mehr Schultern zu verteilen. Der Förder- wolle den Hauptverein bei all seinen Projekten unterstützen. Am Ende des Jahres 2016 hatte man 19 Mitglieder.

Den Kassenbericht stattete Frank Sattler ab. Die Prüfer Sven Hufler und Georg Maurer gaben grünes Licht, sodass der einstimmigen Entlastung der Vorstandschaft nichts im Wege stand. Bodo Rettig rückte für Hufler nach und prüft zukünftig mit Georg Maurer die Kasse. Rettigs Dank galt seinen Vorstandskollegen und allen Helfern für die geleistete Arbeit und „die uneingeschränkte Unterstützung zum Wohle unseres Vereins sowie des SVA“.

Hier ist überhaupt nicht „Alles in Butter“: Theatergruppe Schönmattenwag führte an drei Tagen im Haus des Gastes die Komödie von Edward Taylor auf

Es geht rund auf der Bühne. Der Tumult nimmt mit Fortdauer des Stücks immer mehr zu, die Ereignisse überschlagen sich, die Stimmen ebenso. „Alles in Butter“ also, wie der Titel des Stücks von Edward Taylor suggeriert? Natürlich nicht, schließlich handelt es sich um eine Komödie, die die Theatergruppe Schönmattenwag an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Haus des Gastes aufführte.

Unter der Regie von Renate Walter reihten sich Verwechslungen und Missverständnisse wie an einer Perlenkette aneinander. Es war eine Freude zu beobachten, wie Jürgen Walter als EU-Kommissionspräsident in spe und Sascha Oberle als Sekretär der britischen Botschaft dabei zunehmend die Contenance verloren, wie die Stimmen lauter wurden, die Schweißperlen größer, die Nervosität aus den Ohren pfiff.

Es wäre keine Komödie, wenn sich zu den sowieso schon einstellenden Erschwernissen dazu noch diverse andere Hindernisse ergeben würden. Die klemmende Balkontür oder der permanent vor sich hin gurgelnde und blubbernde Wasserboiler sind ebenso ein Running Gag wie das Spiel mit Gardine auf und Gardine zu, das die Beteiligten schier in den Wahnsinn treibt.

Zum Inhalt: Sir Clive Partridge kommt nach Paris, um sich – noch vor Brexit angesiedelt – zum Präsidenten der EU-Kommission wählen zu lassen. Botschafts-Sekretär Simon Prout hat ihm in der übervollen Stadt ein tolles Apartment gemietet, wie er glaubt. Doch die Pferdefüße lassen nicht lange auf sich warten. Denn nach und nach tauchen erst die Geliebte von Sir Clive auf, dann seine Ehefrau, dann die Frau des Wohnungsbesitzers, die von nichts weiß, und schließlich noch der scheidende EU-Präsident.

Und das alles in einem Apartment. In das öffnet sich der Vorhang zu Beginn. Im Landhausstil gehalten, gibt es einen imaginären Blick auf den Eiffelturm frei. Etliche Räume zweigen vom Wohnzimmer ab, die später zum Ziel einer wilden Jagd werden. Tür auf, einer geht raus, andere Tür auf, der nächste kommt rein. Und so weiter – in steter Reihenfolge.

Die überzeichneten Figuren machen Laune. Allen voran die beiden Hauptakteure. Sir Clive ist natürlich nicht der Mann mit tadellosem Lebenswandel und politischer Integrität. Im Gegenteil: Der Brite kann andere Völker nicht leiden. „Eine ganze Stadt voller Ausländer: entsetzlich“, meint er über Paris. Und lässt sich vom Sekretär gerne einen Whisky einschenken, obwohl er gerade zu den Abstinenzlern gesprochen hat.

Sascha Oberle ist als Botschafts-Mitarbeiter der Mann für alle Fälle, der für den wichtigen Politiker im wahrsten Sinn sein letztes Hemd und noch die Hose dazu gibt. Er kann super organisieren, ist aber nicht gerade der hellste und macht alles, was der Chef will. Seine Wortgefechte mit Sir Clive, zusammen mit seiner zunehmenden Panik, tragen das ganze Stück und geben ihm Pfeffer.

Und natürlich die drei Frauen, die um Clive Dampf in allen Gassen kreisen. Die eine hat er geheiratet, kann aber nichts mit ihr anfangen, die zweite, Astrid, ist seine tödlich eifersüchtige Geliebte, und die dritte, Louise Müller, weiß nichts davon, dass ihr steuerflüchtiger Mann das Apartment an die Botschaft vermietet hat. Sie tapst nichtsahnend in die Wohnung, merkt von dem ganzen Trubel erst einmal nichts (und muss aufgrund des ganzen Geschreis wahrscheinlich ziemlich taub sein), ehe dann die Situation am Ende des ersten Akts eskaliert.

Bis dahin nimmt das Unglück langsam, fest unbemerkt, aber stetig seinen Lauf. Mitte des ersten Akts plätschert das Stück fast ein wenig vor sich, um aber dann Fahrt aufzunehmen, als die Besitzerin eintrudelt und alles unbewusst aufmischt. Ihre Zerstörungswut an den vermeintlichen Kleidungsstücken des verhassten Gatten führt zu absurden Situationen und absurden Ersatz-Klamotten. Dazu noch der geballte Frauen-Dreier, bei dem die Fetzen fliegen und Simon Prout erst einmal zu Boden geht.

Sir Clives Geliebte Astrid, als rasend eifersüchtige Belgierin mit viel Temperament von Mara Mottl gespielt, dominiert die Frauen-Szene. Die leicht über allem schwebende Ehefrau Karin Mottl sieht überall nur die in den Dingen wohnende Energie. Und Tanja Wolks Louise Müller taumelt nach ihrem Jetlag durch die Szenerie, um sich nach einem ungebetenen Badbesuch der ungebetenen Gäste bewusst zu werden.

Der fallende Vorhang parallel zum Boden gehenden Simon Prout bildete den richtigen Vorgeschmack, was danach passieren sollte: Die Turbulenzen steigerten sich, der Geräuschpegel auch. Die Verwirrungen mussten aufgelöst werden, da der scheidende Präsident quasi schon vor der Tür stand. Wie das vor sich ging, war den über 1000 Gästen bei den drei Vorstellungen noch etliche Lacher wert.

 

Das Ensemble

Sir Clive Partridge: Jürgen Walter

Lady Partridge: Karin Mottl

Simon Prout: Sascha Oberle

Mrs. Kibble: Stephanie Walter

Astrid: Mara Mottl

Louise Müller: Tanja Wolk

Jacques Berri: Timo Walter

Regie: Renate Walter

Bewirtung, Bühnenbau, Mitorganisation: Gesangverein Harmonie Ober-Schönmattenwag, MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag

Runder Tisch Flüchtlinge in Wald-Michelbach: Jetzt geht die Integration erst richtig los

Die Unterbringungssituation ist angesichts geringer Zuwachszahlen mehr oder weniger in trockenen Tüchern, aber jetzt geht es um die wirkliche Integration. Beim Runden Tisch Flüchtlinge im Rathaus wurde deutlich, dass es auch hierbei noch einige (bürokratische) Hindernisse gibt, die es zu überwinden gilt. Das wurde von den Ehrenamtlich mehr als deutlich gemacht – gerade weil mit dem Kreisbeigeordneten Karsten Krug einer am Tisch saß, der die betreffenden Ressorts unter sich hat.

Mitte 2015 gab es den ersten Runden Tisch, „nachdem sich durch den schnellen Flüchtlingszuzug eine Problemlage ergab“, sagte Bürgermeister Joachim Kunkel. 21 Monate später könne man sagen: „Die Gemeinde hat die richtige Entscheidung getroffen, in dem sie die Menschen dezentral unterbrachte.“ Er sprach seinen Dank an die vielen Ehrenamtlichen aus, die sich spontan zum Helfen zusammengefunden hatten.

Nachdem jetzt bei den Zuwachszahlen der Druck raus sei, gebe es nach wie vor die Herausforderung, „dass vor Ort Sprach- und Integrationskurse angeboten werden müssen“. Nur so, betonte der Bürgermeister, „ist eine erfolgreiche Integration der Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern möglich.“ Man versuche in Wald-Michelbach die Probleme so niederschwellig wie möglich zu lösen. Die ersten beiden Jahre, sagte Kunkel, seien vor Ort „erheblich besser gelaufen“ als man es teilweise von Fernsehbildern her kenne.

„Ohne Sie funktioniert Integration nicht“, meinte Krug an die Ehrenamtlichen gewandt. Kommunen, Kreis, Bund und Länder seien allerdings gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Arbeit auch funktionieren könne. Derzeit seien die Zuweisungen auf einem niedrigen Niveau, sagte er. Zehn, maximal 15 Personen kämen pro Woche in den Kreis Bergstraße. „Ich gehe davon aus, dass es auch in der nächsten Zeit so bleibt.“

Das Thema Unterbringung „ist gefühlt gelöst“, erläuterte er. Die Unterkünfte seien aber immer noch zu 97 oder 98 Prozent ausgelastet. Viele jetzt anerkannte Asylbewerber suchten nun eigenen Wohnraum, fänden aber auf die Schnelle keinen und belegten so noch länger die Gemeinschaftsunterkünfte. „Der Wohnungsmarkt gibt kaum etwas her“, betonte Krug, daneben gebe es auch Ressentiments bei der Vermietung.  „Wir brauchen deshalb weitere Unterkünfte“, sagte er.

Ein großes, auch heiß diskutiertes Thema war die Wohnsitzauflage. „Die wird auch in Hessen kommen“, meinte der Kreisbeigeordnete, nachdem sie Bayern und Baden-Württemberg schon umgesetzt hätten. Nicht nur für das Land, sondern auch für die Gemeinde. Er erläuterte die Pro- und Kontra-Positionen dazu, machte aber klar, dass der Kreis das ausführende Organ sei und sich mit den Vorgaben arrangieren müsse.

Denn die Bedenken aus dem Gremium waren groß. Es ging vor allem um Kurse, Angebote, Arbeitsmöglichkeiten und Kinderunterbringung im ländlichen Raum. „Wenn das nicht geboten ist, dann funktioniert die Wohnsitzauflage auch nicht“, so eine Meinungsäußerung. Und damit es vorhanden sei, müsse was getan werden.

„Wir brauchen das Angebot vor Ort“, unterstützte Bürgermeister Kunkel diese Position. Alles, was an Kursen in den Ballungszentren vorhanden sei, „muss es dringend auch auf dem Land geben“. Krug ergänzte: „Nach der Unterbringung kommen wir jetzt an den echten Punkt der Integration.“ Es stecke noch vieles in den Kinderschuhen. Gewisse Prozesse, so der Kreis-Mann, „sind schnellstmöglich anzustoßen“.

Hier hakte auch Donat Skroch ein. Er sah diesen nächsten Schritt als „wesentlich schwieriger und anspruchsvoller“ an. Die Ehrenamtlichen brauchten dabei jede Art von Unterstützung, die sie bekommen könnten. Man müsse gemeinsam den Versuch starten, im ländlichen Raum ein Gegengewicht zum Sog der Metropolen aufzubauen. Wobei Kunkel attestierte, es gebe ja durchaus schon die Bewegung zurück aufs Land. Dazu müsse es dort aber die nötige Infrastruktur geben.

Beim Treffen wurden auch noch weitere Themen angesprochen. Etwa Kindertagespflege und – betreuung, wenn alleinerziehende Frauen einen Integrationskurs besuchen. Oder der sehr komplexe Familiennachzug. Informiert wurde darüber hinaus über die vier ehrenamtlichen Deutschkurse und die zehn Lernbegleiter. Am Mai soll ein neuer Integrationskurs in Wald-Michelbach stattfinden, hieß es.

Das Begegnungscafé zieht im Sommerhalbjahr wieder ins Einhaus. Es wird von den Flüchtlingen nach wie vor sehr gut angenommen, aber die Helfer wünschen sich mehr Beteiligung aus Kreisen der Einheimischen. Die nächsten Termine sind: 22. April, 20. Mai und 26. Juni. Am 25. Juni ist ein Kinderjahrmarkt am Jugendzentrum geplant. Seit eineinhalb Jahren findet (jetzt) jeden zweiten Freitag im Monat der Spiel- und Basteltreff statt.

Die Nachfrage nach Führungen in Wald-Michelbach boomt

Die Nachfrage nach Führungen im Überwald boomt weiterhin, sagt Theo Reichert. Wenn ab 1. April die Solardraisine wieder fährt, sind es vor allem Besucher-Gruppen, die bei ihrem Aufenthalt in Wald-Michelbach den Ort und seine Geschichte erkunden wollten, meint der Geopark-vor-Ort-Begleiter und Nachtwächter. Im April starten dann auch wieder die Nachtwächter-Touren und Backtage, die weitere Gäste in den Ort holen.

„2016 war das bisher erfolgreichste Jahr für mich“, freut sich Reichert. Nach einen sehr verregneten Frühjahr mit wenig Führungen und vielen wetterbedingtem Absagen stieg die Nachfrage ab Juni sehr stark an. „Mit 1743 Gästen bei 86 Führungen gab es 2016 im Vergleich zu den letzten Jahren für mich eine gewaltige Steigerung“, so Reichert. Seinen Kollegen ging es ähnlich.

Positiv ist seinen Worten zufolge, dass auch Landschaftsführungen zu speziellen Themen wie Geologie oder Waldgeschichte stark zunahmen. Erfreulich war zu sehen, „dass viele Führungen dadurch zustande gekommen sind, weil Gäste bei Betriebs- oder Vereinsausflügen den Überwald kennengelernt hatten und danach mehr erfahren wollten“, so der Geopark-vor-Ort-Begleiter.

Reicherts persönliche Meinung deshalb: „Wir müssen viel mehr Landschafts- und Naturführungen anbieten, denn hier sehe ich noch ein großes Potenzial, um Menschen an unsere Gegend zu binden.“ Viele Gäste, die an seinen Führungen teilnahmen, „rufen mich immer wieder an und fragen nach interessanten Wanderungen“.

Um den Draisinenfahrern die Gemeinde auf die Schnelle näherzubringen, gibt es die einstündige Lokführertour. Aber daneben ist auch die Besichtigung des Überwald- oder Stoewermuseums mit seinen alten fahrbaren Untersätzen für die möglich, die bisschen länger bleiben können. Und schließlich die Ganztags-Entdeckertour von acht Stunden. Die kann dann schon einmal eine Wanderung über die Tromm mit zwischenzeitlicher Einkehr oder eine Exkursion in die „Grube Ludwig“ mit Erläuterung zur Bergwerksgeschichte bedeuten.

Die vielen gebuchten Führungen bringen es mit sich, dass die Geopark-vor-Ort-Begleiter nicht mehr so viel Zeit für ihre eigenen Tourangebote haben. Trotzdem gibt es im ersten Halbjahr wieder einige neue Wanderungen, Vorträge und Exkursionen. Da geht’s „vom Teufelsstein zum Muttergottesbrünnele“, um „Steine, Stollen und Schwellen“, den Waldlehrpfad im Dürr-Ellenbacher Tal oder den Kunstwegewanderung Siedelsbrunn/Wald-Michelbach.

Die einzelnen Themen entspringen laut Reichert jeweils den Vorlieben der Vor-Ort-Begleiter. „Jeder hat sein Spezialgebiet“, es wird nichts vorgegeben. Reichert selbst bietet eine Mountainbike-Tour an. Sie startet in Wald-Michelbach, führt über die Grube Ludwig und die Affolterbacher Höhe ins Dürr-Ellenbacher Tal, eines der landschaftlich schönsten im Odenwald.

„Die Geopark-Touren sprechen sich seit ihrem Start 2008 langsam herum“, weiß Reichert. Es gebe inzwischen „ein sehr vielfältiges Angebot“. Aber nicht nur aus den weiter entfernten Regionen Deutschlands kommen immer mehr Gäste wegen Sommerrodelbahn, Kletterwald oder Solardraisine in den Überwald. Auch die Menschen aus der Metropolregion entdecken seiner Beobachtung zufolge häufiger die Schönheiten des Odenwalds. Inzwischen habe sich herumgesprochen, was der ländliche Kreis Bergstraße Schönes zu bieten habe.

„Der Überwald wird immer bekannter“, ist für Reichert ein Grund für die steigenden Anfragen. Ein weiterer, gewichtiger sei die Solardraisinenbahn. Hierüber könne man seit der ersten vollen Saison auch etliche neue Kontakte verzeichnen. Denn zusammen mit der Draisine werde auch die Region als solche beworben, was zu diesem positiven Nebeneffekt führe.

Diesen Aufwärtstrend kann der Vor-Ort-Begleiter an seinen eigenen Touren festmachen. 80 bis 90 Prozent seien außerhalb der regulären Touren zustande gekommen. Über Hotels, Draisinenbesucher, Bekannte und natürlich Mund-zu-Mund-Propaganda. Letzteres zeige, „dass wir gute Qualität abliefern“. Kein Vergleich zu den Anfangsjahren. Und die Zahlen gehen immer weiter nach oben. „So viele Anfragen wie 2016 hatte ich noch nie, und die Tendenz setzt sich dieses Jahr weiter fort“, freut sich Reichert.

Theo Reicherts monatliche Nachtwächtertouren starten wieder am Freitag, 7. April, 20 Uhr am Einhaus. Am Tag darauf, 8. April, gibt es ab 10 Uhr den ersten Backtag. Am Sonntag, 2. April, ist auch das Geopark-Zentrum in Aschbach erstmals wieder von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Dort wird die Natursteingewinnung erklärt, da der Ort mitten im Grenzgebiet zwischen Standstein und Granit liegt. Es ist danach jeden ersten Sonntag im Monat während des Sommerhalbjahrs geöffnet. Die anderen drei Sonntage im Monat ist das Geopark-Team an der Hütte bei der Sommerrodelbahn präsent.

Weitere Nachtwächtertouren: 12. Mai, 20.30 Uhr, 9. Juni und 7. Juli, jeweils 21 Uhr, 11. August, 20.30 Uhr, 15. September und 13. Oktober, jeweils 20 Uhr. Der Überwälder Museums- und Kulturverein lädt zusammen mit den Landfrauen Wald-Michelbach immer am Tag drauf zum Backtag ein. Weitere Termine: 13. Mai, 10. Juni, 8. Juli, 12. August, 16. September und 14. Oktober, immer von 10 Uhr bis 13 Uhr. Angeboten werden ofenfrisches Sauerteigbrot, Kochkäse, leckerer Aufstrich und Streuselkuchen.

Weitere Infos und Anmeldungen: www.ueberwald.eu oder Telefon 06207-94240

 

Rollentausch wie im Märchen: Irina Maier spielte im Hoftheater auf der Tromm das Stück „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“

„Ein fulminantes kleines großes Stück“: Da hatte Jürgen Flügge wohl recht mit seiner Kurz-Beschreibung, die er vor der Aufführung von „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ dem Publikum im Hoftheater gab. Der Theaterchef führte Regie, hatte auch die Texte zu dem Stück nach dem Märchen der Brüder Grimm geschrieben. Verkörpert wurde es in allen Facetten von Irina Maier, die als „One-Women-Show“ dabei eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit an den Tag legte.

Wenn man von einer gespaltenen Persönlichkeit reden kann, dann der von Maier in der Märchenadaption. Die mehr als 20 Rollen der Geschichte wurden allein von ihr verkörpert. Von einem Augenblick auf den nächsten schlüpfte von einer Person in die nächste, war der herrische, arrogante König, dann das verschüchterte Findelkind Felix, die Räuber-Großmutter, die hochnäsige, überkandidelte Königin, der quengelnde Teufel und, und, und….

Das Klopfen des Stocks, der ebenso wie seine Besitzerin vielen verschiedenen Zwecken diente, kündigte den Beginn an. Mit weiten, wallenden, farbenfrohen Gewändern kommt Maier auf die Bühne, springt gleich mitten ins Stück, berichtet von dem alten Mann, dessen Antriebslosigkeit sie so gar nicht verstehen kann. Vom Fährmann, der seinen geraden Weg geht, weil er sonst immer hin und her musste.

Der Fährmann ist es auch, der als immer wiederkehrender Bezug den Bogen schlägt zu den verschiedenen Passagen des Märchens. In der einen Minute ist Irina Maier noch dieser, wie er vom Jungen mit der Glückshaut berichtet, der mit 14 Jahren die Tochter des Königs heiraten wird. In der anderen Minute wirft sie den Schal nach hinten, richtet das Hemd, wechselt den Gesichtsausdruck und wird zum König, der sich unerkannt im Dorf herumtreibt und die neuesten Gerüchte aufschnappt.

Die flüsternden Nachbarn, die die Geschichten weitertratschen, die keifenden Frauen und wieder der König: Maier springt so nahtlos von einer Rolle in die andere, dass das Zuschauerauge und -ohr kaum folgen kann. Der Herrscher ist ihr dabei besonders gut gelungen, ihn gibt sie mit viel Pfeffer, macht ihn mit ihrem Auftreten zum Unsympathen des ganzen Stücks, dreckige Lache und Gemeinheiten inklusive.

Der Weg des dann 14-jährigen Felix Müller durch den Wald, das Eintreffen an der Räuber-Hütte, die rührende Räuber-Oma am Kochtopf oder die quietschende Tür: Nicht nur den Personen, auch der Handlung haucht die Schauspielerin mit allerlei Geräuschen und Bewegungen Leben ein. Ihre Paraderollen sind die extravaganten, extrovertierten, charakterreichen Figuren, die in ihrem lauten Tun dann manchmal auch heimlich ein Stück Mitgefühl an den Tag legen.

Der sich verhaspelnde Felix, die armen Müllersleute oder die eher ruhigeren Parts gehen bei der ausdrucksvollen Spielweise von Irina Maier fast schon unter, verblassen gegenüber den überbordenden Parts, mit denen sie den ganzen Saal beherrscht, bei denen ihre Stimme ohne Verstärkung bis in den hintersten Winkel dringt, die schon fast allein auch durch ihre Mimik leben.

Zum Paradestück wird der Höllenbesuch, den der Junge auf Drängen des Königs absolvieren muss, um dem Teufel die drei goldenen Haare zu klauen. Eigentlich ja ein unlösbares Unterfangen, aber wir erinnern uns, es ist ein Märchen. Und deshalb kann Felix des Teufels Großmutter erweichen, dem Enkel diese Haare zu entwenden – und dazu auch noch gleich die Antworten auf drei knifflige Fragen.

Der keifende Teufel, der sich als müder Höllen-Kerl mit Streichelbedarf präsentiert, ist eigentlich auch ein Großmutter-Söhnchen, das sich wie ein quengeliges, schreiendes Kleinkind immer wieder von der singenden Oma beschwichtigen lässt und letztendlich alles Nötige preisgibt. Was bedeutet, dass dem Happy-end logischerweise nichts im Weg steht. Wie das aussieht, können sich Interessierte bei der Wiederholung am 9. April anschauen.

Es ist eine Geschichte vom Streben nach Glück und der unstillbaren Gier der Menschen nach Macht und Gold, die da im Hoftheater auf die Bühne gebracht wurde. Irina Maier schlüpfte mit großer Intensität in jede Figur und gewann so dem alten Stoff ganz neue Seiten ab. Der Zauber und die Faszination des Märchens blieben aber gerade dadurch erhalten. „Wir haben zusammen lange daran gearbeitet, damit das Stück nicht einfach nur erzählt wird“, erläuterte Flügge.

Info: „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ wird noch einmal am Sonntag, 9. April, um 15 Uhr im Hoftheater auf der Tromm aufgeführt.

Eine neue Heimat für Millionen von Ameisen an der Wegscheide – Ganzes Volk wurde dorthin umgesiedelt

In drei blauen, großen Plastiktonnen verstecken sich ein paar Millionen. Ameisen. Wenn ihre bisherige Heimat bedroht ist, die geschützten Tiere einzugehen drohen, dann werden sie umgesiedelt. Und dann wird einer wie Siegfried Winkler gerufen, einer von nur sechs Ameisenschutzwarten in Südhessen. Der Mörlenbacher ist im ganzen Odenwald unterwegs. Er wird immer dann angefordert, wenn ein Volk gefährdet ist und „umgetopft“ werden muss. Oder, wie in Weiten-Gesäß, direkt an der Straße liegt und durch Umweltsünder in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Müll an der Straße ist der eigentliche Grund der Rettungsumsiedlung. „Die lieben Zeitgenossen“, ärgert sich Winkler, „werfen an dieser Stelle immer ihren Kram aus dem Auto, wodurch das Volk bereits Schaden genommen hatte“. Schon einmal war er dort zusammen mit Revierleiter Burkhardt Klose am Werk. Dieser hatte immer wieder die Zivilisationsreste aus dem Nest entfernt. Aber irgendwann ist einfach gut, es musste gehandelt werden.

Das Ameisenvolk wurde auf die Wegscheide an den Wanderweg Richtung Mossautal gebracht und an einer Station des informativen Waldlehrpfades ausgesetzt. Das Forstamt Michelstadt hatte dazu die Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt. Auf Initiative von Büroleiter Jürgen Gießke war die Rettungsumsiedlung das erste Mal im vergangenen Jahr angegangen worden. Gießke war auch dieses Mal wieder dabei.

„Ich durfte den Umzug dann aufgrund meiner Ausbildung als ‚hessischer Ameisenretter‘ durchführen“, schmunzelte Winkler. Das letztjährige Volk überlebte den Winter, wanderte in der Zwischenzeit aber drei Mal weiter und ist vom Wanderweg aus nicht mehr zu sehen. Der ehemalige Birkenauer Förster hatte am Umsiedlungstag die neue Stelle bereits vorbereitet. Zusammen mit Emil Gölz, einem alten Schulfreund von Winkler aus Weiher, wurde das Ameisenvolk aus Weiten-Gesäß ausgesetzt.

Das Einfüllen am ursprünglichen Platz sei gar nicht so einfach, berichtete Winkler. Denn das Volk „sitzt auf einem Reisighaufen“. Erst einmal müsse das Reisig entfernt werden, „damit wir das Nestmaterial in die Tonnen bekommen“. Das sei „echte Arbeit“, meinte der Ameisenschutzwart augenzwinkernd.

Ein Erfolg sei fast sicher, „wenn es sich wie hier um die kleine rote Waldameise handelt“, sagte der 68-Jährige. Denn die habe mehrere hundert bis über 1000 Königinnen und sei Kolonien bildend. Im Gegensatz zur großen Schwester: die große rote Waldameise habe nur eine Königin – diese bei einem Transport zuerst zu erwischen und dann auch noch heil wieder auszusetzen, sei eine Herausforderung.

Waldinnen- oder -außenränder, sowohl mit Sonne als auch mit Schatten, seien als Standort optimal. Und die Nähe zu Fichte, Kiefer, Eiche, Lärche oder Weißtanne. In deren Nähe fühle sich die kleine rote Waldameise besonders wohl, weil sie auf den Bäumen Lauskolonien vorfinde. Diese würden gemolken und der damit gewonnene Honigtau zu einer der zahlreichen Königinnen gebracht.

„Auf der benachbarten Straße werden jährlich Tausende von Waldameisen überfahren“, weiß Winkler um die Situation in Weiten-Gesäß. Außerdem werde die kleine Ausweichstelle von Umweltsündern immer wieder benutzt, um dort Müll und Grünschnitt abzuladen – „was die Ameisen gefährdet“. Die dort in Zukunft zur Anpflanzung vorgesehenen Laubhölzer hätten kaum oder keine „Lecanien“ oder „Lachniden“, so der ehemalige Förster: Rinden- oder Schildläuse in ausreichender Anzahl, um die Ameisen zu ernähren. Die finden sich auf Nadelbäumen.

„Das kleine Zeitfenster für eine Umsiedlung ist jetzt im Frühjahr“, schilderte der Ameisenschutzwart die begrenzten Möglichkeiten. Dann, wenn die Königinnen nach der Winterruhe vom Nestgrund nach oben wandern, um Sonne zu tanken. „Jetzt kann man die etwa 200 erforderlichen Königinnen gut unter der Nestkuppe erwischen“, erläuterte Winkler. Um somit die Existenz des Nestes an einer neuen Stelle zu sichern.                   tom

 

 

Stichwort: Ameisenschutzwart

Ameisenschutzwart – ein eher ungewöhnlicher Beruf, eher eine Berufung. Der im Mörlenbacher Ortsteil Weiher wohnende Siegfried Winkler hat ihn im Rahmen seiner Ausbildung erlernt. „Vor über 40 Jahren habe ich meine erste Rettungsumsiedlung durchgeführt“, erzählt der ehemalige Birkenauer Revierförster. Damals im Zuge von Wegebaumaßnahmen im Bereich des Forstamts Herborn. Eine Population, die er zu späterer Zeit aus dem Taunus mit dem Kleinbus in den Odenwald karrte, „lebt heute noch in der Nähe des Höhenwanderwegs Weinheim-Buchklingen“.

Weit über 40 Rettungsumsiedlungen hat der 68-jährige Winkler im Laufe seiner Berufsjahre über die Bühne gebracht. Eigentlich ist er ja inzwischen schon im Ruhestand, hilft aber trotzdem gerne aus, wenn er angefragt wird. Die „Retter“ müssen eine entsprechende Fachausbildung vorweisen. Denn „Waldameisen sind streng geschützt“. Bevollmächtigte mit Lehrgängen bei den Ameisenschutzwarten „sind Voraussetzung“. Er besitzt die „Ausnahmegenehmigung“ für Eingriffe in die geschützte Ameisenwelt durchs Regierungspräsidium, veranlasst durch die Ameisenschutzwarte Hessen.