Großer Zuspruch für Backtage der Feuerwehr Ober-Schönmattenwag: 100 Frühstücks-Portionen gingen weg

Zum dritten Mal bot die Feuerwehr während ihrer Backtage am Sonntagmorgen ein Frühstück an. So gut wie dieses Mal wurde das noch nie angekommen. „Wir haben 100 Portionen verkauft“, freute sich der Ober-Schönmattenwager Vorsitzende Jürgen Walter. Wie sowieso dieses Jahr der Zuspruch außerordentlich gut war, sodass zum Schluss der Veranstaltung der Platte komplett geputzt und die veranstaltende Feuerwehr ausverkauft war.

Wenn der Feuerwehrverein zu den Backtagen ruft, dann kann er auf seine treuen Gäste zählen: Mit 100 Broten und nur einem Verkaufstag startete man 2009, seit 2013 wird Samstag und Sonntag gefeiert – und dabei gehen inzwischen 250 Laibe Sauerteigbrot und noch einmal 30 Laib Weißbrot über die Theke. Viele hungrige Mäuler nicht nur aus Schönmattenwag gilt es alle zwei Jahre zu stopfen, wenn die Feuerwehrleute abwechselnd mit dem Kohlenmeiler das historische Backhaus bei Familie Hecker in der Hintergasse anschmeißen.

Das Motto „Backen wie vor 100 Jahren“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Bäckermeister Matthias Sauer fertigt – nomen est omen – nach einem alten Familienrezept den Teig für ein Sauerteigbrot ohne jegliche Zusätze. „Das kann man sehr lange aufbewahren“, so Sauer. „Der Teig wird einen Tag vorher zubereitet“, sagt er, damit er erst noch gehen und dann wieder ruhen könne. Bei der Vorbereitung kann er auf die Hilfe der örtlichen Bäckerei Beutel zählen, die die Backstube zur Verfügung stellt und übers Wochenende auch verschiedene Fahrten unternimmt.

Den fertigen Brotlaib lässt Sauer zwei Stunden liegen, knetet ihn dann nochmal durch und lässt ihn wieder eine halbe Stunde „in Ruhe“. Aufgrund dieser langen Zubereitungszeit findet man ein solches Sauerteigbrot heutzutage kaum noch in den Bäckereien. Unterstützung bekommt Sauer am Ofen und in der Vorbereitung von Sven Hecker, dessen Familie auch Wohn- und Backhaus gehören.

Zu den Backtagen kam es eher per Zufall. Matthias Sauer wurde gefragt, ob er nicht mal im Backhaus bisschen Brot backen wolle. „Das wurde dann soviel, dass man eine ganze Belegschaft damit versorgen konnte“, schmunzelt er. Als eine erste größere Fuhre den Testlauf im Ofen überstanden hatte, kam die Idee mit dem Fest auf. Und das hatte wiederum so viel Erfolg, dass von Jahr zu Jahr der „Brotausstoß“ in die Höhe geschraubt wurde.

Sven Hecker ist schon ein paar Tage im Vorfeld gefragt: Denn er heizt langsam den Ofen immer höher, damit dieser am Freitag vorher quasi seine „Betriebstemperatur“ schon erreicht hat. „Sonst würde der reißen“, erläutert Jürgen Walter, wenn man ihn von jetzt auf nachher voll anheize. Am Freitag schiebt dann Sauer die ersten Sauerteiglaibe hinein, damit diese am Samstag schneidfertig sind. „Mit ganz frischem Brot wäre das nicht möglich.“

„Wir haben immer einen sehr guten Zuspruch“, freute sich Walter. Dieses Mal eben besonders gut. Denn die Wehrleute hatten auf dem Heimatfest Flyer verteilt. Die fanden scheinbar so viele Abnehmer, dass der Vorsitzende viele Auswärtige unter den Gästen zählte. Der morgendliche Regen am Sonntag tat zum Andrang keinen Abbruch. Zum Büffet gab es neben dem leckeren Brot auch Käse, Wurst, Eier und Marmelade.

Streusel- und Apfelkuchen sowie Nussschnecken und Zwetschgenmürbs vom örtlichen Bäcker Beutel versüßten den Nachmittag. Zum fünften Mal luden die Brandschützer inzwischen zum gemütlichen Beisammensein ein. Das Brot gab’s natürlich nicht nur zum Mitnehmen, sondern mit Koch- und Handkäse auch gleich zum direkten Verzehr. Am Samstagabend wurde es dann auch bisschen deftiger, als Flammkuchen erst belegt und dann in den glühenden Ofen geschoben wurden.

Jürgen Walter kann sich an viele ehemalige Backhäuser im Ort erinnern. „Früher kam da die Nachbarschaft zum Brotbacken einmal alle zwei Wochen vorbei“, sagt er – als es noch keine Bäcker gab. So wie jetzt Einheimische und Auswärtige. Um die 50 Helfer und Wehrleute sorgten an beiden Tagen dafür, dass es den Gästen an nichts mangelte. Der Erlös kommt der Feuerwehrkasse zugute und soll vor allem in die Jugendkasse gesteckt werden.

50 Jahre Pedex in Affolterbach: Mitarbeiter tragen maßgeblich zum Erfolg bei

Was wäre ein Unternehmen ohne seine treuen Mitarbeiter? Es kann wie die Firma Pedex nur deshalb über 50 Jahre hinweg erfolgreich sein, weil sich die Arbeitnehmer in der ganzen Zeit einbringen. Deshalb stand die Ehrung von langjährigen Mitarbeitern auch im Mittelpunkt des Sommerfests, zu dem die Affolterbacher Firma anlässlich ihren halben Jahrhunderts auf den Hammelbacher Sportplatz eingeladen hatten.

Florian Kisling, CEO der Perlon-Dachgruppe und gleichzeitig Geschäftsführer von Pedex, hatte für jeden Geehrten ein paar persönliche Worte parat, ehe es Auszeichnungen und Blumenstrauß gab. Einige langjährige erhielten außerdem aus den Händen der IHK-Vizepräsidentin des Bereichs Darmstadt-Rhein Main Neckar, Tatjana Steinbrenner, eine Urkunde für ihr Wirken.

Renate Sattler hatte dabei die meisten Jahre „auf dem Buckel“. Sie begann vor 45 Jahren noch als Renate Hering ihre Ausbildung als Bürogehilfin. Die altgediente Angestellte erlebte laut Kisling in dieser Zeit „viele Umstrukturierungen und interne Wechsel“ mit. Die Jubilarin ist eine Konstante in der Firma: „Sie kennt jedes Gesicht, jeden Namen und jede Personalnummer.“

30 Jahre sind Attila Prikel, Giovanni Lima und Holger Speckhardt der Firma treu. Letzteren charakterisierte der Geschäftsführer als „ruhigen Pol“. Prikel wiederum setzte sich lange Jahre als Betriebsratsmitglied und zwischenzeitlich auch Vorsitzender des Gremiums für die Belange der Kollegen ein. Hobby-Biker Lima ist Schichtführer in der Extrusion und „Spaßvogel der Truppe“.

Hans Stingl, der „inoffizielle Parre von Kocherboch“, legt nach den Worten von Kisling Wert darauf, „im Unnerdorf“ zu wohnen. Der bekennende HSV-Fan ist seit 1992 dabei und kam von der Coronet-Metallwarenfabrik nach Affolterbach. Ebenfalls 25 Jahre arbeitet Dalibor Omcikus bei Pedex. Nach seiner Ausbildung als Industriemechaniker arbeitet er in der Schlosserei und Instandhaltung. „Durch lukrative Verbesserungsvorschläge trug er immer wieder zum Erfolg des Unternehmens bei“, freute sich der CEO.

Christina Hintenlang, Yvonne Sattler, Tatiana Finke und Carmen Tschulik halten dem Betrieb schon seit 20 Jahren die Treue. Tschulik ist seit langer Zeit im Betriebsrat tätig und setzte sich dort „permanent für bessere Bedingungen der Kolleginnen in der Konfektion ein“. Zehn Jahre sind Marko Camber und Oktay Mamaci dabei.

IHK-Vizechefin Steinbrenner überbrachte die Glückwünsche der südhessischen Unternehmen. Höhen und Tiefen, wie sie auch die Pedex durchlebte, „sind uns allen bekannt“, meinte sie. Es sei immer wichtig, in die Zukunft zu schauen. Die immer größer werdende Ausrichtung aufs Internet und damit die „Industrie 4.0“ mache auch vor den produzierenden Betrieben nicht halt. „Das wird uns immer mehr beschäftigen.“

Ganz wichtig, so Steinbrenner, sei es, die Mitarbeiter „auf die Reise mitzunehmen“. Denn ohne diese „kann es nicht funktionieren“. Für die Unternehmer sei klar: „Allein schaffen wir es nicht.“ Sie thematisierte auch den zunehmenden Fachkräftemangel. Hier konnte Kisling Positives vermelden: Über den Sommer wurden vier Stellen ausgeschrieben. Auf diese gab es jeweils sehr viele Bewerbungen. „Was uns zeigt, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind.“ Er nahm im Anschluss die IHK-Urkunde zum 50. Jubiläum der Firma entgegen.

„Wir sind sehr stabil und wachsen weiter“, sagte der CEO zur Geschäftsentwicklung. Das erkenne man auch an der Mitarbeiterzahl. 2005/06, rund um die Coronet-Insolvenz, von der die Pedex als Teil davon ebenfalls betroffen war, waren es 80. „Heute zählen wir 144“, wies Kisling darauf hin, dass es seither eine stete Aufwärtsentwicklung gab. Allerdings – auch wenn es dieses Mal sehr viele Bewerbungen auf die vier Stellen gab – „wird es immer schwerer, neue Angestellte zu finden“. Für das Werk Affolterbach hatte er gute Nachrichten: „Es soll weiter ausgebaut werden.“

Das hörte der Wald-Michelbacher Bürgermeister Dr. Sascha Weber gern. Er sei „glücklich und froh“, ein solch erfolgreiches Unternehmen in der Gemeinde zu haben. „Das ist auch ein Erfolg der Belegschaft“, so Weber. „Für die kommenden 50 Jahre“ wünsche er alles Gute, meinte der Rathauschef augenzwinkernd. Dem offiziellen Teil schloss sich ein gemütliches Beisammensein der Mitarbeiter an. In einem Fußball-Freundschaftsspiel standen sich dann die Soma des SV Hammelbach und eine Perlon-Pedex-Auswahl gegenüber, das die Senioren mit 5:2 gewannen.

Folk-Benefiz zugunsten des Weiherer Kindergartens am 28. Juli in der „Mühle“

Es gibt immer nur ein kleines Zeitfenster für diese Benefiz-Folk-Veranstaltung, die von der Odenwälder Folkgruppe „Irish Voices“ inzwischen zum dritten Mal durchgeführt wird. Nämlich dann, wenn Pat O‘Connor aus Dublin für einen Tag und eine Nacht in die Region kommt. Das ist in diesem Jahr am Freitag, 28. Juli, in der „Mühle“. Am nächsten Tag geht es für sie nämlich schon zusammen mit den „Voices“ zu einem Workshop nach Elmstein, wo sich fast 200 Irish-Folk-Musiker aus vielen europäischen Ländern jedes Jahr eine Woche lang zu einer Fortbildung treffen.

Der „gute Zweck“ in diesem Jahr soll eine Spende für den Kindergarten in Weiher werden, nachdem im letzten Jahr für die Hospizgruppe Mörlenbach gesammelt wurde. Der Eintritt ist frei, es geht der „Hut“ herum. Die Besucher erwartet eine besondere Veranstaltung, die von Simone Köhler und Siggi Winkler organisiert wird. In Form einer „Session“ werden mit den beiden die regionalen Hobbymusiker Stan Svoboda, Klaus Willems, Heike Mauelshagen sowie Pat O`Connor den Abend gestalten. Ohne festes Programm, es soll viel improvisiert werden. Es wird einzeln, paarweise oder zusammen musiziert – wie es gerade passt.

Zu Gehör kommen natürlich irische Pubsongs, Balladen und Tunes. Aber auch mit einigen eigenen Mundartliedern soll der Abend abwechslungsreich gestaltet werden. Es wird sicher spannend – für die Musiker vielleicht aufregender als für die Besucher. Die Veranstalter hoffen auf eine gute Resonanz. Vorreservierungen im Landgasthof „Zur Mühle“ sind empfehlenswert.

Pat O‘Connor ist Musiklehrerin in Dublin. Sie zählt zu den bekanntesten Folk-Musikerinnen auf der grünen Insel. Ihre Hauptinstrumente sind die Fiddle und die Whistle. Aber sie singt auch mal, wenn sie dazu aufgefordert wird. Sie stammt aus einer Musikerfamilie, in der schon seit vielen Generationen zum Instrument gegriffen wird. Die „Irish Voices“ mit dem Weiherer Siggi Winkler sind stolz, sie als Freundin zu haben. Pat düste schon oft einige hundert Kilometer durch Irland, nur um mit ihren deutschen Freunden zusammen an einem Abend in einem Pub in Belturbet zu musizieren – oder eben zusammen in ihrer Musikschule in „Monkstown“, einem Stadtteil von Dublin.

Info: Benefiz-Folk-Konzert für den Weiherer Kindergarten am Freitag, 28. Juli, um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Mühle“, Telefon 06209-1634.

Bei der Traumnacht: Einblicke in die alte Handwerkskunst des Überwalds

Der Platz vor dem Überwald-Museum gehört traditionell Jürgen Walter und Jürgen Baron. Beide zeigen dort ihr altes Handwerk, während in den Museumsräumen die Geschichte der Region aus vergangenen Jahrhunderten in Augenschein genommen werden kann. Die Besucher wurden bei der Traumnacht von Vereinsmitglied Anneliese Daub eingewiesen, die gleichzeitig auf den freiwilligen Kulturbeitrag zur Finanzierung und das Gewinnspiel aufmerksam machte. Zwischendurch gab es auch eine Bilderpräsentation von OZ-Fotograf Fritz Kopetzky mit den schönsten Motiven aus den vergangenen neun Traumnächten zu sehen.

Jürgen Baron wohnt nur wenige Meter weiter in der Schwalbengasse. Eigentlich ist er Stuhlflechter, ebenso ein altes, fast ausgestorbenes Handwerk wie die Herstellung von Holzschindeln, die er an diesem Abend demonstriert. Diese hat er sich in den vergangenen Jahren angeeignet – auch aus eigenem Interesse. Denn Baron wohnt in einem mehr als 300 Jahre alten Fachwerkhaus mit Holzschindeln an den Außenwänden.

„Um die 16.000 dürften es wohl sein“, schätzt der Wald-Michelbacher. Da diese aufgrund ihres Alters ab und zu erneuert werden müssen, nutzt er die Traumnacht-Vorführung dafür, den benötigten Ersatz herzustellen. Jedes Jahr sind es somit um die 150 Eichenholz-Schindeln, die Baron ohne Zutun moderner Maschinen herstellt. Das Handwerk hat er von einem Bauern im Allgäu gelernt. Allerdings dauerte es dann noch einmal 20 Jahre, „bis ich es umsetzte“. Handgeschnitzte Schindeln reißen immer an der Holzfaser entlang und sind deshalb beständiger.

Die Herstellung von alten Reisigbesen demonstrierte Jürgen Walter aus Ober-Schimmeldewog. Er schaute sich dieses Handwerk beim Schwiegervater ab, der es nebenbei praktizierte. Die Materialien für die Besen kommen praktisch alle aus der Natur, so Walter. Das Reisig von jungen Birken wird am besten im Winter geholt, wenn die Äste noch nicht ausgetrieben haben. Jung deshalb, „denn wenn die Birkenzweige älter sind, werden sie zu biegsam und sind nicht mehr verwendbar“.

Ähnlich verhält es sich mit den Haselnussstecken, die er als Besenstil verwendet. Auch für sie hat Walter bereits spezielle Plätze ausgemacht. Denn die Stangen müssen eine bestimmte Dicke und haben und sehr gerade sein. „Das Schälen und Binden geht mit zehn Minuten relativ schnell, aber das Holen und Organisieren nimmt um einiges mehr an Zeit in Anspruch“, verrät er. Die benötigten Werkzeuge sind ziemlich überschaubar: Säge, Häbe (ein gebogenes Schneidwerkzeug) und der Bock zum Einspannen des Birkenreisigs.

Grube Ludwig und Grube Aussicht werden unter anderem im Überwald-Museum thematisiert, erläuterte Anneliese Daub den Interessierten. Dazu kommt noch die Kleiderbügel-Ausstellung. Die noch gar nicht fertig ist, „denn viele liegen noch eingepackt auf dem Speicher“. Außerdem gab es die Mineraliensammlung im Bergwerkszimmer zu sehen und ein altes Schulzimmer aus der Zeit vor 100 und mehr Jahren. „Die Leute sollen keine Schwellenangst haben“ und die Geschichte des Überwalds, ihrer Heimat, kennenlernen, wünschte sie sich.

Sehr schön beleuchtet war der Platz zwischen den beiden Kirchen und auch diese selbst. Beim Harfenkonzert in der evangelischen Kirche spielte und erzählte Peter Wucherpfennig zweimal je 45 Minuten. Bei beiden Aufführungen war die Kirche gut besucht. Das Ambiente innen und außen war sehr stimmungsvoll. Dazu passten auch die leise Harfenmusik und die Erzählungen von Mythen und Sagen der „grünen Insel“ Irland. Wucherpfenning gelang es, durch seine lebendige Erzählweise Spannung aufzubauen und die Zuhörer in den Bann zu ziehen. „Traumhaft entspannend“ war es für diese.

In der katholischen Kirche startete der Abend mit einer Kinderandacht. Der Weg zum Altar war mit Tüchern, Kerzen und Rosenblättern dekoriert. Meditative Musik ließ die Besucher zur Ruhe kommen. Die Kirche war auch einer der beiden Auftrittsorte des Wald-Michelbacher MGV Union, der unter der Leitung von HaJo Karl einige Lieder aus seinem Repertoire sang. Die Sänger freuten sich bei dieser Premiere über „die sehr große Resonanz“, die jenseits aller Erwartungen lag.

In den etwa 20 Minuten bei jeder Darbietung spannte der Dirigent einen großen Bogen der Kirchenlied-Literatur. Es ging los bei der Gregorianik über Romantik und Klassik bis hin zu zeitgenössischen Stücken. So war ein Lied von Mendelssohn zu hören, aber auch Volkstümliches mit dem „Sanctus“ der Bergsteigerchöre. Für die 20 Sänger war der Auftritt in diesem schönen Umfeld und Ambiente sehr motivierend. Der Beifall der Besucher tat ein Übriges, dass Karl „hellauf begeistert“ war.

Der Überwald zauberte bei der Traumnacht wieder ein Lächeln auf die Gesichter

Kurz vor der Traumacht-Eröffnung ging der Blick von Gundolf Reh durch die Menge. „Das sind mehr als im vergangenen Jahr“, freute sich der Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins mit Blick auf die beschirmten Gäste, die den Aufbau auf der neuen Hofwiese gerne nutzten und sich vor den Sonnenstrahlen schützten. In ihrer zehnten Auflage war die Kulturveranstaltung des Überwalds wieder einmal vom Wetter verwöhnt. Sehr lange hielten es die Gäste abends bei lauschigen Temperaturen vor dem Einhaus aus, während auf der Stage-Bühne die „Travellers“ spielten.

Während die Sänger vom MGV 1951 für die Bewirtung sorgten, hatte Dieter Kunkel bereits am Morgen das Backhaus angeworfen. Zuerst waren über Mittag die beliebten Sauerteigbrote verkauft worden, die wieder reißenden Absatz fanden. Abends gab es dann Flammkuchen, der ebenso schnell seine Abnehmer fand. Die verschiedenen Sitzgelegenheiten auf der Hofwiese waren ruckzuck in Beschlag genommen und die Plätze wurden knapp, als die Shuttlebusse immer weitere Gäste ausspuckten.

„Der Überwald zaubert ein Lächeln“: So hatte Reh vor neun Jahren die erste Traumnacht eröffnet. Zwei Stunden zuvor wäre ihm das damals fast vergangenen, schmunzelte er. Denn es regnete und schüttete. Aber „jede Traumnacht fand seither im Trockenen statt“, sagte er. Als Idee von Stoewer-Fan Manfried Bauer, doch eine Lange Nacht der Museen im Überwald zu veranstalten, stieg man zu dieser Zeit in die Traumnacht-Planungen ein, erläuterte Gundolf Reh.

Inzwischen sei man mit der Unterstützung der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) sehr weit gekommen, beleuchtete er die Entwicklung. Ganz zu Beginn der Reihe waren die Besucherreihen noch spärlicher besetzt. Aber im Lauf der Jahre zog die Veranstaltung immer mehr Zuschauer an, weil sie sich auch weiterentwickelte. „Sie verbindet den ganzen Überwald“, so Reh, und war der Beginn einer interkommunalen Zusammenarbeit, „die ganz ohne Probleme funktioniert“.

Er freute sich, auch in diesem Jahr wieder ein hervorragendes Programm „mit einer super Pyro-Show zum Abschluss“ ansagen zu können, das sich aus den Acts der vergangenen neun Male speiste. Ohne die vielen Unterstützer wäre aber alles nichts, weswegen der Vorsitzende den 50 Ehrenamtlichen dankte, die jeweils im Laufe der Jahre an diesem Abend im Einsatz waren und sind.

„Kultur gibt es nie kostenlos“, meinte ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder. Als Gast sei aber der Traumnacht-Besuch kostenfrei, wozu Sponsoren beigetragen hätten. „Mit ganz viel Herzblut“ werde die Veranstaltung vorbereitet, wies er auf das Engagement von ZKÜ-Mitarbeiterin Eva Sattler hin. „Menschen machen die Traumnacht so erlebenswert“, sagte Schörder. Gundolf Reh transportiere die Idee über alle Kanäle, nannte er unter anderem den Live-Auftritt des Vereinsvorsitzenden im hessischen Rundfunk.

„Liebe Traumtänzer“, begann Apfelkönigin Sina Schmitt ihre Begrüßungsworte. Die Traumnacht habe sich zu einem kulturellen Highlight der Region entwickelt. „Ohne sie würde was fehlen.“ Sie wünschte den Gästen, sich von dem einmaligen Erlebnis verzaubern zu lassen. Bürgermeister Dr. Sascha Weber dankte den mitwirkenden Vereinen. „Ohne deren Engagement wäre die Veranstaltung nicht möglich“, betonte er. Für eine Gemeinde dieser Größe habe Wald-Michelbach eine beachtliche Anzahl von Museen und Denkmälern, „die sich bestens präsentieren“.

2500 bis 3000 Besucher dürften es in allen Orten gewesen sein, schätzte Sebastian Schröder im Nachklapp. Etwa so viele wie in den vergangenen beiden Jahren. „Diesmal kamen aber auch zahlreiche von außerhalb“, beobachtete er. Er traf Besucher aus Hanau, Weinheim oder Zwingenberg an. „Genau darauf haben wir abgezielt“, freute sich Schröder. „Die Traumnacht scheint sich im weiteren Umkreis immer mehr rumzusprechen.“

Highlight des Abends war die Feuershow der Pyromantiker. Dafür war extra der große Schirm eingefahren worden, damit der Blick in den Himmel frei wurde. „Fast noch einen Tick besser“ als die Lasershow im vergangenen Jahr empfand er diese Darbietung. Das Lapidarium, die Sammlung bearbeiteter historischer Steine am Einhaus, wurde mit Einbruch der Dunkelheit schön illuminiert. Schröder zog „ein sehr positives Fazit“. Die Künstler haben einen sehr guten Job gemacht, meinte er. Dazu kamen noch Optimierungen wie die bessere Taktung des Shuttlebusses.

Bei Vollmond wurde in Hammelbach die Nacht zum Traum

Fritz Röth ist ein lebendes Motorrad-Lexikon. Sein Motorradmuseum ist jedes Jahr bei der Traumnacht geöffnet, wie auch das Museum für alte Läden und Reklame weiter oben in der Straße. Beide Orte bilden den Schwerpunkt der Museumsmeile im Ort, die jedes Jahr sehr viele Besucher anziehen. Zwischendrin, bei evangelischer Kirche und Kapellruine, gab es dann Balsam für die Ohren. Den Eisenbahnfreunden konnte man im Schultheißenhaus über die Schulter schauen. Organisiert wird alles vom Kulturbüro.

Seine Begeisterung über alles, was zwei Räder hat, hat Röth auch an seine Frau Johanna und Sohn Matthias weitergegeben. Die wissen ebenfalls zu jedem Ausstellungsstück Bescheid. Sein besonderer Stolz ist eine MotoGuzzi von 1934 mit liegendem Einzylinder. Der Beiwagen hat einen „Schwiegermutter-Sitz“, also eine dritte Mitfahrgelegenheit. „Denn damals war das Motorrad ein Familienfahrzeug“, wusste Matthias Röth. Autos waren Mitte der 30er Jahre in Italien noch nicht so weit verbreitet.

Das Motorrad hat Fritz Röth vor mehr als 20 Jahren direkt aus Italien geholt, erinnert sich seine Frau Johanna. „Von einem alten Herrn, der es in gute Hände angeben wollte.“ Es wurde in einer Fabrik am Comer See hergestellt, in Mandello dell’Ario. Das Adler-Emblem der Firma auf der 500ccm-Maschine, erläuterte Matthias Röth, sei dem ursprünglichen Firmenzweck gewidmet. Denn MotoGuzzi stellte zuvor Fluggeräte für die italienische Luftwaffe her.

Zu Fritz Röth kamen in den 70er Jahren die Motorrad-Enthusiasten, als der Run auf die zwei Räder noch nicht eingesetzt hatte. „Das waren alles Liebhaber“, erinnert er sich. Die ihn fragten: „Kannst du mir nicht diese oder jene Maschine organisieren?“ Auf diese Weise machte Röth den Namen Suzuki in Deutschland groß, brachte Ducati, Honda oder MotoGuzzi nach Deutschland und in den Odenwald.

Oder die Horex, für die er die Markenrechte erwarb und dann in einem Zweigwerk von Fichtel und Sachs in Portugal produzieren ließ. „Davon wurden 10.000 Stück in Deutschland verkauft“, weiß der Motorrad-Grandseigneur noch, als ob es gestern gewesen wäre. Auch wurden 20 Rennmaschinen gebaut.

Fritz Röth muss man nur einen Markennamen hinwerfen und sofort kommt er ins Erzählen. Kein Wunder, denn über 40 Marken gingen im Laufe des Berufslebens bereits durch seine Hände. Darunter auch solche Exoten wie MZ, Jawa oder Simson. „Wo ein Motor mit zwei Rädern dran war, bin ich dabei gewesen“, macht der eingeschworene Hammelbacher klar, dass ohne ihn die Geschichte des Motorrads in Deutschland ganz anders verlaufen wäre.

Was sich auf zwei Rädern alles beim Trial anstellen lässt, demonstrierten vor den Ausstellungsräumen die Fahrer des MSV Hammelbach. 25 von ihnen sind aktuell bei Meisterschaften aktiv und an 35 Wochenenden im Jahr unterwegs. Mit vier oder fünf Jahren können die Kids mit diesem Sport bereits starten, die Ältesten im Verein sind an die 70 Jahre alt. Werbung für das zwei Mal pro Woche stattfindende Training gab’s auch gleich obendrauf.

Während beim Motorradmuseum die Band „Nachtkrapp“ mit Rockrhythmen für schöne Unterhaltung sorgte, waren es beim Museum für Alte Läden und Reklame traditionell die „Bonanzaz“. Akkordeon, Mundharmonika und zwei akustische Gitarren sorgten für treibenden Sound, der die Gäste mitriss. Am Beginn der Museumsmeile gab es Gutes aus der Thai- und syrischen Küche, an deren Abschluss feine Brände, Kartoffelspalten oder auch Crepes. Eine große Menschentraube hatte sich dort schon traditionell eingefunden.

Es war wie eine Zeitreise 50, 80 oder 100 Jahre zurück: Eine alte Registrierkasse erinnerte an Kaiser- und Weimarer Zeit, der Gemischtwarenladen ließ die Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig werden: Das Museum für Alte Läden bot auf kleinstem Raum einen Blick zurück in die Zeit zwischen 1900 und 1960, lässt die Besucher in Nostalgie schwelgen. Und davon waren es viele während der Überwälder Traumnacht, die einen Blick in einen der Original-Läden werfen wollten.

Gleich am Eingang steht ein kompletter Apothekerschrank mit zahlreichen Mittelchen. Der Kobold von der Schokoladenfabrik Altona spuckte früher „Vanille Krem Schokolade“ aus, geworben wurde für Knorr Suppen oder mit „Aber Tantchen, man wäscht doch mit Persil“. Seit Frühjahr 2014 sind hunderte Original-Artikel und zahlreiche Emaille-Reklameschilder in historischem Ambiente zu finden. Dr.-Oetker-Puddingpulver, noch volle Coca-Cola-Flaschen, Zopfspangen, Persil-Waschmittel und unzählige andere Waren aus alten Tante-Emma-Läden gibt es hier zu bestaunen.

Zum Schluss zog Raimund Bach fürs Kulturbüro ein fast überschwängliches Fazit: „Das war ein klasse Fest, die Leute waren super drauf – und bis spät in die Nacht unterwegs.“ Besonders beeindruckend war seinen Worten zufolge der Auftritt des MGV Union in der Kapellruine. „Da herrschte bei Vollmond eine ergreifende Stimmung.“ Und es kamen 100 Zuhörer: ein Riesenerfolg. Später wurde noch mit den „Bonanzaz“ weitergefeiert und getanzt

Bei Türkspor Wald-Michelbach steht in der C-Liga eine eingespielte Truppe auf dem Platz

Kontinuität steht hoch im Kurs beim Fußball-C-Ligisten Türkspor Wald-Michelbach. Denn gegenüber der vergangenen Runde gab es in der Sommerpause keine Abgänge beim vorherigen Tabellendritten. Stattdessen kamen zwei bewährte Kräfte hinzu, die das eingespielte Team in der kommenden Saison beim Blick nach oben tatkräftig unterstützen wollen. Und natürlich mit Sahin Aktan ein neuer Trainer, der vorher in der Pfalz wirkte.

Wie der sportliche Leiter Oktay Mamaci sagt, ist die Mannschaft in der vergangenen Saison zusammengewachsen. Dass es praktisch keine Veränderungen gab, wertet er deshalb als sehr positiv. Man kann damit dort weitermachen, wo es Anfang Juni endete. Damals hieß das Endergebnis Platz 3, was aber nicht unbedingt an der Rückrunde lag. In der hatten die Mannen zwischenzeitlich eine gute Serie hingelegt und waren nahe an die Aufstiegsränge gerückt.

Letztendlich war es der verpatzte Start in die Runde 2016/17, der durch die damit fehlenden Punkte noch bis zum Saisonende hin ausstrahlte und somit verhinderte, dass sich die in Unter-Schönmattenwag beheimate Elf einen Platz an der C-Liga-Sonne sichern konnte. Nach der Trennung vom damaligen Trainer folgte eine Siegesserie von zehn Spielen. Dann aber zog man bei sechs Punktspielen wieder den Kürzeren.

Trotz allem, betont der Vereinsfunktionär, wurde eine gute Saison gespielt. Zwei Jahre in Folge den dritten Platz zu belegen „ist doch auch was“. Als sehr erfreulich nennt er den soliden Rang in der Fairnesstabelle. „Es gab keinen Platzverweis in der ganzen Runde“, betont Mamaci, nachdem es in der Saison 2015/2016 noch ganz anders ausgesehen hatte. Von größeren Verletzungen blieb man ebenfalls schon verschont.

Auch wenn Mamaci sagt, dass Türkspor „oben mitspielen“ will, liebäugelt die Mannschaft unterschwellig natürlich immer mit einem besseren als dem dritten Platz. Die Neuzugänge Cengizhan Baris und Yalcin Basaran sind dabei alte Bekannte. Ersterer spielte bis zur Winterpause selbst noch bei Türkspor und soll mit seiner Rückkehr der Abwehr zu Stabilität verhelfen.

Denn die war in der Vergangenheit oftmals die Achillesferse des Teams. Das macht vorn drei, vier, fünf Treffer, bekommt aber hinten oftmals in gleicher Anzahl die Hütte voll und vergab deshalb Begegnungen leichtfertig. „Baris wird hinten eine große Stütze sein“, hofft der sportliche Leiter. Was aber nichts daran ändern wird, „dass wir generell an der Abwehr arbeiten müssen“.

Basaran, der in früheren Jahren schon Gruppenliga-Erfahrung sammelte, ist eigentlich gelernter Stürmer. Aber aufgrund seiner vielen Jahre am Ball inzwischen universell einsetzbar. „Der wird uns eine große Unterstützung sein“, sagt Mamaci. In den Startlöchern steht noch ein potenzieller Neuzugang aus Bulgarien, für den er jetzt gerade die Unterlagen beantragt hat.

Der sportliche Leiter tut sich schwer, die Ligakonkurrenten einzuschätzen. Aus dem Ried hält er die SG Hüttenfeld für einen Mitfavoriten. „Die haben ihren Kader gehalten und sich gut verstärkt.“ Auch hat die SG Hammelbach/Scharbach den Kollegen aus dem Überwald durch ihre Rückrundenleistung ohne eine Niederlage Respekt eingeflößt. Dazu noch 17 Neuzugänge – das macht Eindruck.

In der kommenden Runde will Türkspor auf jeden Fall einen solchen Fehlstart wie vergangenes Jahr verhindert. Ein erfolgreicher Beginn wäre laut Mamaci schon die halbe Miete, um sich in der Liga gut zu positionieren. Er ist vorsichtig optimistisch, dass dies auch gelingt. Denn das Team dürfte bis auf Torwart Salimov beim ersten Spiel im August komplett an Bord sein.

 

Abgänge: keine

Zugänge: Trainer Sahin Aktan, gleichzeitig Trainer (Türkgücü Neustadt), Cengizhan Baris und Yalcin Basaran (beide Anatolia Birkenau)

Kader: Levent Salimov, Sahin Aktan, Koray Tunca, Yasar Yilmaz, Dennis Proyer, Kemal Keskin, Assad Jamac, Tamer Keskin, Tolga Palantekin, Yasin Tekin, Tayfun Büyükodabasi, Necati Bekyigit, Semih Berkan Mamaci, Tanju Keskin, Ibrahim Öz, Semih Isik, Oguzhan Gökdemir, Sedat Baris

Trainer: Sahin Aktan (ab dieser Saison), sportlicher Leiter Oktay Mamaci

Saisonziel: oben mitspielen

Favoriten: SG Hüttenfeld, SG Hammelbach/Scharbach